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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. IV. Die Oesterreichiscb-Ungarisclie Monarchie.

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ist Schnee fast unbekannt. Süd-früchtencultur. Der Acker-bau findet keinen ergiebigenBoden; auch die Viehzucht(hauptsächlich Schafe und Zie-gen) ist belanglos. Von ge-werblicher Thätigkeit ist nichtdie Rede. Die Bewohnersind fast durchwegs Slaven(im Norden kroatischen, imäussersten Süden serbischenStammes) und nur circa 6",' 0Italiener (in den Rüsten-städten).

Landeshauptstadtist Zara (12.000 Ein-wohner), auf schmalerLandzunge gelegen,früher Festung, neuer-dings aber bedeutenderweitert, mit Neubau-ten auf derMeeresseite(Promenade). Enge,aber rein gehalteneStrassen. Der allge-meine Charakter ist dereinerBeamtenstadt.Merkwürdige Kathe-dralkirche; alte Stadt-thore, grosse Cisternevon San Micheli. FürBildungsanstalten istreichlich gesorgt.

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Spalato (15.000 Ein-wohner), die volkreichste und

schönste Stadt des Landes, zum Theil in die riesigen Palastmauern Diocletianshineingebaut, mit schönem Hafen. In der Nähe die bedeutenden Ruinen von Salona. Sebenico (1300 Einwohner), Bergstädtchen mit vorzüglichem Hafen. Alte, merk-würdige. Domkirche. Rnin (2000 Einwohner), im inneren Norddalmatien, an derfischreichen Krka. Metkovic (1500 Einwohner), an der (regulirten) Narenta-mündung, durch eine Eisenbahn mit Mostar verbunden. Ragusa ( 75 °° Ein-wohner), die interessanteste Stadt Dalmatiens, von starken Mauern umzogen und vonmancherlei Befestigungen umgeben, als Waffenplatz indess neuerdings aufgelassen.Die malerische Vorstadt Pille (mit vielen Landhäusern und üppigen immergrünenGärten) liegt ausserhalb der Stadtumwallung. Am Ufer davor das malerische, aufgewaltigem Felsen gelegene Fort San Lorenzo. Im Nordwesten von Ragusa er-streckt sich die Bucht von Gravosa, einer der schönsten Häfen der Adria. Ragusaist regelmässig gebaut und hat längs seiner Hauptstrasse (Stradone) viele Paläste, dieaber verödet sind. Alter Rectorenpalast (jetzt Municipium) aus der Zeit, da Ragusanoch ein blühendes republikanisches Gemeinwesen war. Dicht bei der Stadt daskleine Eiland Lacroma mit altem, zu einem Schlosse umgewandeltem Kloster,Eigenthum (sammt der Insel) des Kronprinzen Rudolf. Im Süden von Ragusaöffnet sich die grossartige, viel verzweigte Bocche di Cattaro, mit Castelnuovo(1300 Einwohner) und Cattaro (3000 Einwohner), stark befestigtes, aber eintönigesStädtchen. Im äussersten Süden liegt Budua (930 Einwohner), von alten Mauernumgürtet.

Ueber die dalmatinischen Inseln siehe S. 128.

II. Die ungarische Reichshälfte.

1. Ungarn-Siebenbürgen.

Flächeninhalt: 280.390 Qua-dratkilometer; Bewohnerzahl:13,900.000 (49 auf 1 Quadratkilometer).Den grössten Theil Ungarns erfülltdas Gebirgs- und Hügelland, welchesin die Gebirge des Karpathen-systems (siehe S. 130) und in die Aus-läufer der Ostalpen (siehe S. 131)zerfällt. Das Tiefland erstreckt sichhauptsächlich zu beiden Seiten derTheiss, der Drau und der Donauzwischen Pressburg und Komorn. Be-wässert wird das Königreich von derDonau, welche fast alle Flüsse desLandes aufnimmt. Das Klima hat imTieflande excessiv continentalen Cha-rakter; die heissesten Striche liegenan der Theiss. Das Tiefland theiltsich in ausgezeichneten Culturbodenund ausgedehnte steppenartige WeidenPuszten genannt welche vonzahlreichen Heerden belebt sind. AlsGetreide producirendes Land istUngarn von Russland und Nordame-rika überflügelt worden und der Exportist bedeutend zurückgegangen; nur der

Zara.

schwere Weizen ist noch concurrenzfähig. Die wichtigsten Bodenproducte sind:Wein, welcher in bedeutenden Quantitäten erzeugt wird; Tabak, Hanf und Obst,ausserdem Holz in reichlicher Menge aus den vielen urwaldähnlichen Beständen(namentlich Eichen). Die Viehzucht liefert gleichfalls ein Hauptproduct des Handels(Hornvieh). In Bezug auf Jagdwild und Fischreichthum geht Ungarn allenanderen europäischen Binnenländern voran. Der Bergbau liefert Eisen, Gold, Silber,Blei, Kupfer. Hinsichtlich der Menge des Edelmetalls wird Ungarn in ganz Europanur von Russland übertroffen. Die ergiebigsten Goldbergwerke sind: Kremnitz,Schemnitz, Körösbanya, Nagybanya, Vöröspatak und Zalatna.

Die Bewohner sind vorwiegend Magyaren (ungefähr die Hälfte), dannzunächst Slaven (Serben, Kroaten, Ruthenen, Slovaken und Slovenen), Deutsche(an der Westgrenze und in Siebenbürgen), Rumänen (hauptsächlich in Siebenbürgenund im Banat). Dem Glaubensbekenntnisse nach gehören ungefähr 57% derrömisch-katholischen, 19"/ ü der evangelischen und 16% der griechisch-orientalischenKirche an; der Rest sind Israeliten, Andersgläubige und Confessionslose. Als herr-schendes Element haben es die Magyaren verstanden, das ganze gesellschaftliche undpolitische Leben dieses bunten Völkergemenges zu beeinflussen und durch rücksichts-lose Magyarisirung einen scheinbaren Zuwachs ihrer Rasse zu schaffen.

Hauptstadt der Länder der ungarischen Krone und könig-liche Residenzstadt ist Budapest (1886: 439.000 Einwohner), ausden durch die Donau getrennten Einzelstädten Ofen (ungarisch:Buda) und Pest bestehend, eine der schönstgelegenen StädteMitteleuropas, rasch zu einer Grossstadt emporgeblüht und nochimmer im grossartigen Aufschwünge begriffen. Während Ofenverhältnissmässig klein ist und sich um und auf einer Gruppevon Hügeln am rechten Ufer der Donau anordnet, erstrecktsich die bedeutend grössere Schwesterstadt Pest stets wachsendund sich entwickelnd, am linken Ufer in die davorliegendeEbene hinaus. Ofen besteht aus denTheilen: Festun g, Tabor,

Christinenstadt (zusam-

Karlsburg.

men den I. Bezirk bildend),Was s erst a dt, Land-strasse, untere Neustift(II. Bezirk), Altofen, obereNeustift und Werftinsel(III. Bezirk); Budapest ausden Vorstädten (zugleich Be-zirke): innere Stadt, Leopold-,Theresien-, Josef-, Franz-,Elisabethstadt undExtra-villan (mit Steinbruch).

In Ofen sind bemer-kenswerth: die Festung aufeinem felsigen Berge, dieherrlich gelegene könig-liche Burg, das Zeughaus,die Paläste mehrerer Mag-naten, die grosse Buch-druckerei der Pester Univer-sität, das schöne Stadtthea-ter u. s. w. Das volkreiche

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