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B. Mitteleuropa. — IV.('Die Oesterreichiscli-Ungarisclie Monarchie,
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Budapest, vom königlichen Schlossgarten aus gesehen.
Altofen (das römische Aquincum) hat mancherlei römischeAlterthümer. Das grosse Castell und die Schiffswerften sindhier besonders zu erwähnen. Tunnel durch den Schlossberg.
Ofen hat vielerlei treffliche Bildungsanstalten. Am Fusse desBlocksberges das Raizenbad, weiter nördlich das eleganteKaiserbad. Ausser seiner malerischen Lage wird das StädtebildOfens verschönt durch die reizende Margaretheninsel, mitBadeanstalt ersten Ranges. Auf den nahen Schwabenberg führteine Zahnradbahn. In der weiteren Umgebung giebt es lieb-liche Punkte mit Sommersitzen und Ausflugszielen.
In Pest sind bemerkenswqrth: die prächtigen Quais mitdem Franz Josefs-Platz, auf welchem Kaiser Franz Josef am8. Juni 1867 zum König von Ungarn gekrönt wurde; nahedabei der Akademiepalast mit der berühmten Eszterhäzy-Galerie; ferner das grossartige Gebäude der Donaudampfschiff-fahrtsgesellschaft, der Prachtbau des neuen Grand Hotel „Hun-garia”. Die hervorragendsten Privatgebäude enthält die Leo-poldstadt, zumal am Donauufer. Die schönsten Strassen sind der„Waitzener Boulevard” und die wahrhaft grossstädtische „Radial-strasse”, welche nach dem „Stadtwäldchen” führt. Andere grosseVerkehrsadern sind: die Kerepeserstrasse und die Üllöer-strasse, die längste Gasse der Stadt; sie führt zum „Ludovi-ceum”, einem grossartigen Gebäude mit weitläufigem Park,jetzt Garnisonsspital. Parallel zur Radialstrasse verläuft dieKönigsgasse, durch ihre vielen und reichen Kaufläden aus-gezeichnet. Ueberhaupt ist Pest eine der am regelmässigsten ge-bauten Grossstädte Europas. Wir erwähnen noch: das Rath-haus, das weitläufige Neugebäude, das neue, prächtig aus-gestattete Redoutenge-bäu de, die Leopolds-kirche (die schönste derStadt), die prachtvolle Syna-goge mit zwei vergoldetenThürmen (in der Theresien-stadt).
Pest ist noch viel reicheran Studienanstalten als Ofen.
An der Spitze derselben stehtdie Universität, eine derreichstdotirten in Europa, mitSternwarte, mehrere Gymna-sien und Oberrealschulen,sowie mancherlei Fach- undSpecialschulen. Das Natio-nalmuseum (140.000 Bände)ist merkwürdig durch seinereichhaltigen Sammlungen.
Geologische Reichsanstalt,meteorologisches Institut. —
Budapest ist die erste In- Agram.
dustriestadt Ungarns undnächst Wien die bedeu-tendste Handelsstadt derGesammtmonarchie.
Von den vielen Städten undanderen hervorragenden Oertlich-keiten können wir hier nur diewichtigsten nennen.
Aufwärts an der Donau:Waitzen (13.800 Einwohner),mit schöner Kathedrale und einembischöflichen Palaste, in welchemsich viele römische Denkmale be-finden. — Gran (mit den Vor-städten 18.000 Einwohner), unga-risch: Esztergom, Sitz des Fürst-Primas von Ungarn, mit pracht-voller Metropolitankirche. — Ko-morn (13.300 Einwohner), bedeu-tende Festung, Sperrpunkt vonNordwest-Ungarn. Weinbau. —Pressburg (57.OOO Einwohner),königliche F reistadt, eh emalsHaupt-stadt Ungarns, mit altem Castell.In neuester Zeit sehr verschönert,mit vielen Studienanstalten, an-sehnlichen Palästen und neuemTheater. Erhebliche gewerblicheIndustrie und bedeutender Spedi-tionshandel.
Westlich der Donau:Oedenburg (25.000 Ein-wohner), königliche Freistadt, mitschönen Kirchen und öffentlichenGebäuden, unfern des Neusiedler-sees gelegen, mit bedeutendemWein- und Obstbau. — Raab (22.000 Einwohner), mit prachtvoller Domkircheund mancherlei Bildungsanstalten; lebhafter Getreidehandel.— Stuhlweissenburg(26.000 Einwohner), ungarisch: Sz6kes-Feh6rvar, Freistadt, auf morastigem Boden,Krönungsstadt und Begräbnissort der ungarischen Könige von 1040—1527. — Fünf-kirchen (29.000 Einwohner), königliche Freistadt, hübsch gelegen, mit berühmtenGerbereien und lebhaftem Handel. Steinkohlengruben.
Zu beiden Seiten der Theiss, und zwar westlich:
Kecskemet (46.000 Einwohner), mitten in der Puszta, mit bedeutendenViehmärkten. — Szegedin (74.000 Einwohner), am Einflüsse der Maros in dieTheiss, grösstentheils (seit 1879) neu erbaut, mit Ueberschwemmungs-Schutzbauten(Ringdamm). Eisenbahnknotenpunkt und wichtiger Handelsplatz. — Oestlich derTheiss: Debreczin (53.OOO Einwohner), eigentlich nur ein grosses Dorf, in sandigerEbene, auf welcher sich unermessliche Heerden tummeln. Einige Industrie, zweit-grösste Handelsstadt Ungarns. — Grosswardein (33.000 Einwohner), an derreissenden Sebes-Körös, eine der ältesten und merkwürdigsten Städte Ungarns,während der Türkenkriege wichtige Festung; viel Gewerbe, lebhafter Handel. —Alt-Arad (37.OOO Einwohner), an der Maros, starke Festung; grosse Viehmärkte.— Temesvar (37.000 Einwohner), Festung am Begacanale, einst Hauptstadt des„Banats”, mit vielen Fabriken, inmitten des reichsten Culturbodens gelegen. Be-deutender Getreidehandel.
In Nordungarn:
Epe ries (i2;ooo Einwohner), hübsch gelegen, mit ansehnlichen Gewerbenund Handel mit Tokayerwein. — Kaschau (26.000 Einwohner), die schönste StadtOberungarns, mit vielen Neubauten; bedeutende Industrie, lebhafter Handel; Haupt-speditionsplatz für Galizien. — Erlau (21.000 Einwohner), am gleichnamigen Flusse,mit schöner Metropolitankirche. Ringsum Fruchtfelder und Weinberge. — Leu tschau(6800 Einwohner), von Mauern umgeben, mit grossem Rathhause. Viel Obst. —Kesmark (4600 Einwohner), am Poprad, im Angesichte der grossartigen Tatra(siehe Bild S. 58). — Schemnitz (54OO Einwohner), die grösste und berühmtesteBergstadt Ungarns, mit bedeutenden Gold- und Silberbergwerken. Königliche Berg-und Forstakademie. — Kremnitz (8700 Einwohner), berühmte Gold- und Silber-gruben. — Neu sohl (7300 Einwohner), die schönste unter den ungarischen Berg- *Städten. — Trencsin (4600 Einwohner), Hauptstadt des Slovakengebietes. In derNähe Bad Töplitz. — Neutra (8700 Einwohner), mit prächtigem Schloss. Viele
Weingärten. — Tyrnau (11.500 Ein-wohner), von vielen Tliürmen über-ragt, bedeutender Weinhandel.
In Siebenbürgen:Hermannstadt (20.000 Ein-wohner), mit sehr gemischter Bevölke-rung, die schönste Stadt des Landes,mit vielen ansehnlichen Unterrichts-anstalten, darunter die Universität.Viel Industrie, lebhafter Handel. —Kronstadt (30.000 Einwohner), herr-lich in einer Thalebene im äusserstenSüdosten des Landes gelegen unddessen gewerbthätigste Stadt. Viel Ru-mänen. Speditionshandel. — Maros-Väsdrhely (13.000 Einwohner), einstHauptstadt des Szeklerlandes; Obst,W ein und viel Tabak.—K lausenburg(32.000 Einwohner), die volkreichsteStadt des Landes und früher dessenHauptstadt, an der Szamos gelegen, mitvielen Palästen ungarischer Magnaten.Aufblühende Industrie, aber wenigHandel; in der Nähe Steinsalzlager.
Die Stadt Fiume (22.000Einwohner) sammt Gebiet