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B. Mitteleuropa. — Y. Das Königreich Rumänien,
Bukarest.
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ausläufer erfüllen hier allenthalben das Land. — Der grössteStrom Rumäniens, an welchem es im Mündungsbereiche anbeiden Ufern participirt, ist die Donau, der Grenzstromzwischen dem Königreiche und Bulgarien. Wasserreich undstellenweise von bedeutender Breite, theilt er sich an mehrerenStellen in Arme, welche wieder Seiten- und Hinterwässer bilden.Bei ihrer Wendung nach Norden (bei Tschernawoda) erreichtdiese Gabelung ihre höchste Entwickelung; viele und grosseInseln werden von Seitenströmen eingeschlossen. Bei Galatzendlich wendet der Strom wieder nach Osten und bildet einweitläufiges Delta von 2700 Quadratkilometern Flächenraum,vorwiegend Sumpf- und Marschland, mit ungeheueren Binsen-wäldern.
Das Donaudelta. Wenn man im Allgemeinen von „drei” Mündungsarmender Donau spricht, darf nicht übersehen werden, dass die Bifurcation an zwei ver-schiedenen Stellen stattfindet; d. h. der Strom theilt sich zuerst in zwei Arme, undin der Folge geht von einem dieser Arme (dem südlichen) ein dritter Arm ab.Die erwähnten zwei Arme sind der Kilia- (oder nördliche) und der St. Georgs -(oder südliche) Arm. Der Kilia-Arm bildet überdies ein kleines Delta von drei grossenuud neunzehn kleineren Aesten für sich. Die Mündungen der grossen Aeste führendie Namen Otschakow-, Neue Stambul- und Alte Stambulmündung. Der St. Georgs-arm hat im Durchschnitte eine fast doppelt so grosse Breite als der Sulina-Arm (derdritte, mittlere).
Dieser mittlere Arme wurde durch grossartige Regulirungen, deren erstenKosten sich auf circa 17 Millionen Francs beliefen, für die Hochseeschiffe fahrbargemacht. Der Beginn der Arbeiten fiel auf den 1. April 1858. Sie wurden von derEuropäischen Donaucommission unternommen, welche seitdem derart organisirtwurde, dass sie gewisse Vollmachten mit souveräner Gewalt über die Strecke derDonau von Isaktscha abwärts ausübt. In der Donaucommission sind sieben Vertrags-mächte vertreten: das Deutsche Reich, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Oester-reich-Ungarn, Russland und die Türkei. Der Sitz der Commission ist in Galatz.
Klima. Rumänien (namentlich die Walachei) hat ein aus-gesprochenes Continentalklima, mit sehr heissen Sommern undexcessiv kalten Wintern. Der ganze östliche Abschnitt desLandes, welcher des schützenden Walles der transsylvanischenAlpen entbehrt, ist hauptsächlich Steppe, derTummelplatz heftiger und andauernder Nordost-stürme, die über das unermessliche Tiefland vonSüdrusslands zur Donau niederfegen. Der Einflusder kalten Polarströmung ist übrigens im ganzenLande fühlbar.
Bevölkerung. Dieselbe setzt sich aus mancherleiElementen zusammen, doch bilden die Rumänendie überwiegende Mehrheit. Von den 5,376.000 Be-wohnern entfallen etwa 4*3 Millionen auf die Ru-mänen; der Rest von mehr als 1 Million vertheiltsich auf Juden (400.000), Zigeuner (200.000),
Slaven (85.000), Ungarn (30.000), Deutsche(40.000), Armenier, Griechen, Türken und andereFremde (diese circa 18.000). Die herrschende Reli-gion ist die griechisch-orientalische; es sind nur
etwa 115.000 Katholikenund 13.000 Angehörigeder evangelischen Kir-che, ferner 400.000 Israe-liten vorhanden.
Die Bevölkerung ist in dreiClassen getheilt: Bojaren oderhöhere Adelige von verschiede-nem Range, dann Geistlicheund Landleute. In neuesterZeit beginnt sich ein Bürger-stand in schwachem Maasse zuentwickeln. Die Bojaren, welcheden Grossgrundbesitz in Händenhaben, zeichnen sich durch Gast-freundschaft und Prachtliebe,aber auch durch mancherlei so-ciale Extravaganzen aus, welchletztere aus der Affenliebe zufranzösischem Wesen entspringt.Am besten bestellt ist es mitden conservativen Elementen.Wo Reichthum ist, wuchert dasUnkraut der Schmarotzerbojarenüppig auf. Sparsamkeit ist einefast ungekannte Tugend. DasVolk ist gut beanlagt, aber imstaatlichen Sinne schlecht erzo-gen. Tanz und Musik sind sehrbeliebt. Es herrscht noch allent-halben finsterer Aberglaube unddas Hexenwesen steht in vollerBlüthe.
Culturverhältnisse.Der
Ackerbau, wenngleichnicht rationell betrieben,giebt bei der ausser-ordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens reichen Ertrag. DieCerealien liefern einen bedeutenden Ausfuhrartikel. Ausserdemerzeugt man guten Tabak und vielen und guten Wein. — DieViehzucht erfreut sich gleichfalls keiner besonderen Sorgfalt,doch giebt es vortreffliches Hornvieh, kleine und ausdauerndePferde, und viel Schafe und Schweine. — Von den Montan-producten sind zu erwähnen: Gold, Silber, Eisen, Kupfer,Erdwachs, Schwefel und in reichlicher Menge Steinsalz.
Die Industrie befindet sich erst im Anfangsstadium undkann derzeit eigentlich nur von einer Hausindustrie die Redesein. Alle gewerblichen Bedarfsartikel werden eingeführt. DerHandel befindet sich fast ausnahmslos in den Händen vonFremden. Zur Ausfuhr gelangen: Cerealien, Wein, Bauholz,Felle, Häute, Schlachtvieh, Steinsalz u. s. w. Zur Einfuhr ge-langen: Fabrikswaaren und Industrieartikel aller Art.
Haupt- und Residenzstadt des Königreiches ist Bukarest(223.000 Einwohner) — von den Rumänen Bukuresci, d. i.die „Freudenstadt”, genannt — in der Ebene und am Dum-bowicaflüsschen gelegen und unregelmässig gebaut, meist ausunansehnlichen Häusern, aber auch vielen stattlichen Neubautenbestehend. Die Stadt wird von den Kuppeln und Thürmenzahlreicher Kirchen und Klöster (im Ganzen 127) überragt undbietet mit ihren meist aus glänzenden Blechplatten bestehendenDächern und den dazwischen liegenden Gärten aus der Ent-fernung einen malerischen Anblick. Im Inneren aber ist dieStadt wenig anziehend. Universität. Das Residenzschloss, dieprächtig gelegene Metropolitankirche, die Akademie und dasArsenal sind die bemerkenswerthesten Gebäude.
Jassy (90.000 Einwohner), Hauptstadt der Moldau, auf einer Anhöhe male-risch gelegen, mit mehreren hübschen, gut gehaltenen Gassen, im Uebrigen abervon fast noch orientalischem Gepräge, zu dem namentlich die vielen Holzhäuser bei-tragen. Universität. — Galatz (80.000 Einwohner), die erste Han-delsstadt des Königreiches, am linken Donauufer gelegen, miteinem Bergviertel, welches sich durch Neubauten beträchtlich ver-schönert hat. Im Hafenwinkel herrscht regesTreiben. — Botoschani(40.000 Einwohner), mit lebhaftem Productenhandel und stark be-suchten Jahrmärkten. — Braila (30.000 Einwohner), unweit vonGalatz und hübscher als dieses, gleichfalls bedeutend als Donau-stapelplatz. — Roman (18.000 Einwohner), älteste Hauptstadtder Moldau, am Einflüsse der Moldava in den Sereth gelegen. —Plojeschti (35.000 Einwohner), mit Wollmärkten. — Giurgevo(22.000 Einwohner), gegenüber von Rustschuk, wichtig als Transit-station; Eisenbahnkopfstation. — Crajova (24.000 Einwohner), Sitzder reichsten Bojaren des Landes; Salzwerke und ausgedehnterHandel. — Tultscha (18.000 Einwohner), unfern der Donaubifurca-tion. — Hauptstadt der Dobrudscha ist Babadagh (8000 Einwohner),ohne Merkwürdigkeiten, aber in militärisch wichtiger Lage. —Küstendsche (5000 Einwohner), am Schwarzen Meere, mit Seebad.
Rumänisches Mädchen.
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