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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südeuropa.

I. Das Königreich Italien.

Jahreszeit die Vegetation auf ein kürzeres Zeitmaass ein, aber diese Einschränkung ist besiegbar durch dieThätigkeit des Menschen, der das fliessende Wasser des Gebirges dem Ackerbau dienstbar macht. Leiderlässt man, namentlich in Oberitalien, dem Getreide nicht hinreichend Zeit zur Reife und der Genuss desnicht völlig gereiften oder des durch Feuchtigkeit verdorbenen Mais ruft eine schreckliche Krankheit, diePellagra, hervor, an welcher Ende 1879 über 15% der ackerbauenden Norditaliener litt, eine Zahl, welchean sich bereits furchtbar genug, in der Provinz Brescia auf 80% der ländlichen Bevölkerung stieg.”

Die Viehzucht, welche im Grossen und Ganzen nicht bedeutend ist, liefertRinder (Toscana, Neapel), vorzüglich Büffel, Pferde (Neapel, Sardinien),Schafe, Schweine, Maulthiere und Esel, welche in Italien vielfach dasPferd als Zug- und Lastthier ersetzen. Von grosser Bedeutung ist der Fischerei-betrieb. In Süditalien wird auch Korallenfischerei betrieben.

Mineralische Producte sind: Eisen (hauptsächlich auf der Insel Elba),Blei (Sardinien), Kupfer (Belluno, Piemont, Toscana), Steinkohlen (Aosta),Stein- und Meersalz, Schwefel (Sicilien).

Die gewerbliche Thätigkeit erfreut sich in manchen Zweigen einer besonderen Blüthe und ist allent-halben im Aufschwünge begriffen.— Die Eisenindustrie vertritt: Brescia (Schneidwaaren), Como, Mailand;Gold- und Silberwaaren: Rom, Neapel, Catania, Mailand, Genua, Venedig; Bronzewaaren, Thon-waaren (Majoliken), Erzeugnisse aus Alabaster, Marmor, Korallen, dann Mosaiken, Cameen u. s. w. sindaltberühmt; Glasindustrie: Venedig; Maschinen: Genua; Seidenproducte (in Europa die ersteStelle einnehmend): vorwiegend in Norditalien; Schafwollindustrie: Piemont, Venetien; Flachs- undHan fproducte: Lombardei und anderwärts; Baum wollwaaren: Piemont, Lombardei, Campanien;Papier: Lombardei, Piemont, Campanien; Gerbereien: Toscana, Piemont, Lombardei; Hutindustrie:Toscana (Strohhüte); chemische Industrie: Toscana, Venedig; Genussmittel: allenthalben; Schuheund Schuhwaaren: Genua, Neapel; Tischlerarbeiten: allenthalben hoch entwickelt; Drechsler-arbeiten: Mailand.

Der Handel Italiens steht, trotz aller Blüthe, nicht mehr auf jener Stufewie in früheren Jahrhunderten, wo die einzelnen italienischen Städterepubliken(Venedig, Amalfi, Genua, Pisa) denselben im Mittelmeere förmlich monopolisirthatten. Immerhin ist die Handelsthätigkeit eine beträchtliche. Die vorzüglichstenAusfuhrartikel sind: Seide, Olivenholz, Getreide, Reis, Schwefel, getrockneteund eingemachte Früchte, Südfrüchte, Weine, wohlriechende Wässer, Korallen-und Marmorarbeiten, Seiden- und Sammtstoffe, Gold- und Silberarbeiten, Apo-thekerwaaren, dann eine grosse Menge von Artikeln der bilden-den Kunst (Bildhauerarbeiten,Mosaiken,Glasarbeiten), ausserdemHornvieh und Maulesel. — Einfuhrartikel sind: Colonial-

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Am Hafenquai in Ancona.

waaren, Leinenstoffe, Baumwollproducte, Manufacturen allerArt, Modeartikel, Eisen, Metallartikel, fremde Weine.

Das Communicationswesen — ein Erbe der Römer — stand in Italien seitjeher auf hoher Stufe. Schöne und viele Strassen waren schon in einer Zeit derStolz Italiens, in welcher derlei Verkehrsmittel anderwärts noch sehr im Argenlagen. Die Eisenbahnen freilich konnten, angesichts der langgestreckten Gestaltdes Landes, der grossen Küstenentwickelung desselben und der vielen vorzüglichenHäfen nicht die erspriessliche Entwickelung nehmen, da alle die vorerwähnten Factorendem Bahnbau störend in den Weg traten. Die Schienenwege erwiesen sich nicht alsförderndes Element, sondern hatten vielmehr eine harte Concurrenz mit den See-handelsstrassen zu bestehen, auf welchen sich fast ausschliesslich der Massenverkehr

gründet. Man vermisst die von anderwärts her gewöhnte stramme Ordnung und —aus Anlass der einheimischen Bedürfnisslosigkeit — nicht minder Bequemlichkeitin Wagen und Bahnhofsräumen.

Politische Eintheilung. Das Königreich Italien zerfällt gegen-wärtig in 69 Provinzen, welche wieder in 276 Districte (Cir-condari) eingetheilt sind. Neben den Namen dieser neuen Ver-waltungsbezirke sind aber die alten historischen Bezeichnungender einzelnen Landestheile (Compartimenti) noch immer ge-bräuchlich. Da diese letzteren auch bei uns geläufiger undbezeichnender sind, nehmen wir sie zur Grundlage der nach-folgenden topographischen Skizze.

bewegte. Daraus resultirte, dass die Bahnanlagen anfänglich wenig prosperirten undvorwiegend auf die Personenbeförderung angewiesen waren. — Physiognomisch ist anden italienischen Bahnen wenig Auffälliges, höchstens die durch die günstigenklimatischen Verhältnisse bedingte relative Billigkeit im Bau und Betrieb und dieim Volksthum begründete grosse Leistungsfähigkeit auf Seite der Techniker undArbeiter. Das Erbe der Römer ist also immerhin in würdige Hände gerathen. Dassdas südliche Naturell Hauptursache des geringen Formenwesens und eines nichtimmer exacten Dienstbetriebes ist, erscheint als logisch und völkerpsychologisch be-

1. Piemont (Pie di Monte).

Als Stammland des Reiches das alte „Königreich Sar-dinien” (von den Sarden, einem ligurischen Volksstamme), mitAusnahme des Pobeckens durchaus gebirgig, in den Grenz-gebieten von Hochalpencharakter. Hauptstadt ist Turin (Torino,

253.000 Einwohner), amlinken Ufer des Po ge-legene, schöne ansehn-liche Stadt zwischen Hü-geln, mit herrlichem An-blick der Hochalpen. DieNeustadt ist sehr regel-mässig angelegt. Die Po-strasse enthält Bogen-gänge, welche wohl dielängsten dieser Art sind.Unterhalb der Stadt mün-det die Dora Riparia. Dievorzüglichsten Gebäudesind: der königlichePalast, der „PalazzoMadama” (königlichesCastell), das Opernhaus,die Universität und dasweitläufige Zeughaus.Aufdem St. Karlsplatze stehtdie bronzene Reitersta-tue des Herzogs EmanuelPhilibert, des Siegers inder Schlacht von StQuentin und des Wieder-herstellers der savoyi-schen Monarchie. Unterden 38 Kirchen ist dieKathedrale oder Johan-niskirche die bedeu-tendste. In ihr wird in

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