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C. Südeuropa. — I. Das Königreich Italien.
Die Piazzetta mit dem Dogenpalast in Venedig.
Die Lombardei besitzt eine grosse Anzahl hervorragender Städte. Wir nennendie wichtigsten: Monza (29.000 Einwohner), ein alter merkwürdiger Ort, mit könig-lichem Residenzschloss. — Como (26.000 Einwohner), am westlichen Arme desgleichnamigen Sees gelegen, berühmt wegen seiner landschaftlichen Reize. Vieleherrliche Bauwerke. Fabrikation von Seide und physikalischen Instrumenten. -—Sondrio (7200 Einwohner), an der Adda mit bedeutenden Uferschutzbauten. —Pavia (31.000 Einwohner), am linken Ufer des Ticino, einst Sitz der lombardischenKönige, berühmte alte (seit 1361) Universität, uralte Basilika, grosse Schleusen-anlagen. — Brescia (61.000 Einwohner), nach Mailand die reichste und schönsteStadt der Lombardei, bedeutender Handelsplatz. Viel Industrie. Die Stadt hatmehrere hervorragende Kirchen, darunter die alte Domkirche aus dem 9. Jahr-hundert. — Bergamo (40.200 Einwohner), zum Theil auf steiler Anhöhe gelegen,mit zahlreichen Fabriken und Manufacturen, vorzüglich in Seide. — Cremona(32.200 Einwohner), grosse und schöne Stadt am linken Ufer des Po, Seiden- undLeinenweberei, Darmsaitenfabrikation („Cremoneser Geigen”), Senf- undConfectenfabrikation. — Mantua (29.000 Einwohner), auf drei Seiten voneinem vom Mincio durchflossenen See umgeben; starke Festung. Geburts-ort Vergil’s. Bemerkenswerth ist der alte grosse herzogliche Palast. VieleBauten von Giulio Romano. Grossartige Schleusenwerke. Die wichtigstenIndustrien sind: Leder, Pergament, Seidenzeuge, Kutschen, Papier.
4. Venetien.
Das östliche „Glacis” der Südalpen, von mehrerengrossen Alpenströmen durchzogen, bemerkenswerth alsLandgebiet der ehemaligen Republik Venedig und alsDurchzugsland vieler Erobererheere aus dem Osten(Veneter, Illyrer, Hunnen, Gothen, Longobarden u. s.w.).Hauptstadt ist
Venedig (132.000 Einwohner), eine der interessan-testen und merkwürdigten Städte der Erde. Sie liegt5 Kilometer vom Festlande entfernt und breitet sichin Form eines Dreieckes von 4130 Metern Länge, 1210Metern Breite und 2*5 Quadratkilometern Oberflächeauf 118 Inseln mit über 15.000 Häusern aus. Die Stadtist von 157 Canälen durchädert, über welche 380 Brückenführen. Die bedeutendste dieser Wasserstrassen ist derCanal grande, 3400 Meter lang, 45 bis 72 Meter breit,4*5 bis 7 Meter tief. Neben den Canälen vermitteln1914 Strassen und Gässchen (Calli) den Verkehr. —Die Stadt ist arm an grossen Plätzen, aber der herr-liche Marcusplatz, auf welchem sich die berühmtestenBauwerke Venedigs zusammendrängen (die beiden „Pro-curatien”, die Marcuskirche, dann auf der benach-barten „Piazzetta” der Dogenpalast, die Münze etc.)ersetzt reichlich diesen Mangel. Mitten auf dem Platzesteht der gewaltige Glockenthurm (Campanile). DieMarcuskirche, eine der reichsten der Welt, geziertmit den Siegestrophäen mehrerer Jahrhunderte und mitden Früchten eines unermesslichen Handels, ist zugleichein Schatzkästlein der Kunst und des Kunstgewerbes.Von grossartigem künstlerischen Reichthum ist auchdas Innere des Dogenpalastes, wohl das merkwürdigsteFürstenheim in Europa. Hervorragend und viel beschriebensind: die übrigen Kirchen Venedigs, darunter Sta. Mariadei Frari, S. Giovanni, Paolo, meist wahre Museen derbildenden Kunst, die Akademie dei belle Arti, die zahl-reichen, in den mannigfaltigsten Stilarten ausgeführtenPaläste der Nobili, aus deren Familien die seebeherr-schenden Dogen hervorgingen (meist am Canal grande),das prächtige Arsenal, die Geburtsstätte der venetia-
nischen Seemacht, dann mancherlei Bauten auf den dieStadt umgebenden Inseln. Mit dem Festlande ist Venedigdurch eine der grossartigsten Eisenbahnbrücken (5 Kilo-meter lang, 222 Bogen, 216 Pfeiler) verbunden. Die wichtig-sten Inseln sind: Murano (Glasfabriken), San Lazaro(armenisches Mechitaristenkloster), der Lido (mit See-bädern), die Giudecca und Santa Maria della Salute,mit Loghena’s herrlicher Kuppelkirche. — Im Südwestender Stadt erstreckt sich der einzige öffentliche Garten der-selben, der Giardino publico. — Im Süden der Lagunenvon Venedig liegt Chioggia (30.000 Einwohner), gleich-falls aus den Lagunen sich erhebend, einst ein mächtigesGemeinwesen. Heimat ausgezeichneter Fischer und Fische.
In Venetien befinden sich noch nachfolgende wichtige Städte: Padua(73.000 Einwohner) am Bacchiglione, hervorragende Industrie- und Handels-stadt, mit altberühmter Universität (seit 1222) und mancherlei wissenschaft-lichen Instituten. Das merkwürdigste Gebäude ist das alte Rathhaus mitArcaden von vier SäulenordnungeD. Der berühmte Gerichtssaal (Sala dellaRagione) gilt für den grössten in Europa. Basilika des heiligen Antonius. —Vicenza (41.000 Einwohner), gleichfalls am Bacchiglione, mit vielen Pracht-bauten des Palladio. Die Umgebung der Stadt wird ihrer Fruchtbarkeitwegen der „Garten Venetiens” genannt. — Verona (69.000 Einwohner),Festung ersten Ranges an beiden Ufern der Etsch, gewerbthätig und handel-treibend. Alte St. Zenokirche (aus dem 7. Jahrhundert), römisches Amphi-theater, Dante-Denkmal. Palast der Scaliger. Schöne Stadtthore, viele prächtige Pa-läste. — Legnago (15.000 Einwohner), kleine Festung an der Etsch. —Treviso(32.000 Einwohner), am Sileflusse, wichtig wegen ihrer zahlreichen Leinwand- undPapierfabriken und Metallindustrie. — Belluno (17.000 Einwohner), an der Piave,malerische Stadt mit geistig aufgeweckter Bevölkerung. Kathedrale mit einem Hoch-altarbilde von Tizian. — Udine (32.000 Einwohner), mit einem Castell auf domi-nirendem Hügel. Der Campo Santo ist einer der schönsten Italiens. Udine ist Mittel-punkt des venetianischen Seidenhandels.
5. Die Emilia.
So genannt nach der alten römischen Via Aemilia, welchedas transpadanische Gebiet (zwischen Po und dem Apennin)
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Im Hofe eines Palastes in Venedig.