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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südeuropa. I. Das Königreich Italien.

der Welt unvergleichlich in ihrer Ausdehnung am weitenGolfrund mit den davorliegenden Inseln Procida, Ischiaund Capri, mit dem blauen Meer vor sich und dem klarenHimmel über sich. Im Verhältniss zu seiner langen histori-schen Vergangenheit und bedeutsamen geographischen Lagehat Neapel weniger als irgend eine der anderen italienischenGrossstädte hervorragende antike Denkmäler aufzuweisen. Fürdiesen Mangel entschädigt freilich das nahe Pompeji, jeneStadt, welche im Jahre 79 n. Chr. durch den ersten historischenAusbruch des Vesuv unter einer mächtigen Decke von vulca-nischer Asche und Schlamm begraben, 1755 aber wieder ent-deckt wurde. Seitdem haben systematische Ausgrabungen dengrössten Theil dieser in ihrer Art einzigen Stadt blossgelegt unddem Studium des antiken Lebens unschätzbare Anhaltspunkteund Aufklärungen geliefert.

Neapel hat viele öffentliche Plätze, die aber fast alleunregelmässig sind. Die vornehmste Strasse ist die Strada diRoma (früher Toledo), welche die Stadt von Norden nachSüden durchzieht und hier auf den Platz mündet, auf welchemsich der königliche Palast und das berühmte Theater SanCarlo erheben. In ihrer nördlichen Fortsetzung stösst dieseStrasse auf das Nationalnvuseum, mit grossartigen Kunst-sammlungen (Antiken). An der Südwestseite der Stadt erstrecktsich die Chiaja, ein grosser Quai, mit drei Baumreihen besetzt,und geschmückt mit Statuen, Anlagen, Brunnen einer derschönsten Spaziergänge der Welt. Viele Strassen im Innerender alten Stadt sind eng und finster. Im Osten der Stadt ragtdas Castell San Elmo (auf dem Calvarienberg); im Nordender kolossale königliche Pa-last Capo di Monti; imNordosten das ungeheuereArmenhaus und erstrecktsich der merkwürdige alteFriedhof. Im Südwestendurchbricht dieGrotte des

11. Apulien.

Unter dieser Bezeichnung fasst man die östlichen Küsten-provinzen von Unteritalien (Foggia, Bari und Lecce) einschliess-lich der Halbinsel von Otranto zusammen. Apulien gehört zuden heissesten Strichen von Italien; manche Küstenstreckensind wenig fruchtbar. Foggia (41.000 Einwohner), in aus-gedehnter Ebene unweit der garganischen Halbinsel gelegenund ein Eisenbahnknotenpunkt, nächst Neapel die wichtigsteStadt Unteritaliens.

Bari (60.000 Einwohner), volkreicher als Foggia, aber nicht von gleichercommercieller Bedeutung, obwohl am Meere gelegen. Trani (25.000 Einwohner),gleichfalls Hafenstadt, mit prachtvollem Kathedraltliurme. Im näheren und fernerenBereiche dieser beiden Handelsplätze liegen viele ansehnliche Küstenstädte, als:Barletta (32.200 Einwohner), Molfetta (27.000 Einwohner), Mola (12.OOO Ein-wohner), Monopoli (20.000 Einwohner) u. a. Weiter südlich folgt das wichtigeBrindisi (17.000 Einwohner), im Alterthum (Brundusium) nächst Aquileja undDyrrhachium die grösste und wichtigste Handelsstadt der Adria und noch im Mittel-alter Sammelpunkt vieler Erobererheere (Kreuzfahrer, Normannen etc.), mit circa100.000 Einwohnern. Die Stadt ist seit Eröffnung des Suezcanals und der grossenAlpenbahnen der wichtigste Transitplatz Italiens. Am südöstlichsten Ende derHalbinsel liegt Otranto (3000 Einwohner), eine kleine stille Stadt, welche nur dieErinnerungen ihres einstigen Glanzes bewahrt hat. Im Inneren: Lecce (26.000Einwohner), in fruchtbarer Gegend, wohlgebaut, mit mancherlei bemerkenswerthenGebäuden. Die Stadt hat in der Geschichte des Mittelalters häufig von sich redengemacht. Taranto (34.000 Einwohner), am gleichnamigen Golfe, im Alterthumeeine der blühendsten Städte Süditaliens, als Nebenbuhlerin Roms durch ihr traurigesGeschick bekannt. Die Stadt liegt auf einer Felsinsel, ist stark befestigt und treibtneben mancherlei Gewerben auch lebhaften Handel.

Westlich von Apulien erstreckt sich die Provinz Basili-cata mit der Hauptstadt Potenza (20.200 Einwohner), welche

Sitz eines Bisthums undeiner landwirthschaftlichenGesellschaft ist.

Posilipp das gleichnamigeGebirge und führt die Strassenach Puzzuoli und zurBuchtvon Bajä.

Mit prächtigen moder-nen Gebäuden ist Neapel sogut bedacht als irgend eineandere Stadt Italiens. Wirerwähnen: das grosse Ge-bäude der Studien (Edifiziodegli Studii), das Zeughaus,den erzbischöflichen Palast,das Hospital der Unheilbaren,die Universität (seit 1224), dasweiter oben genannte Natio-nalmuseum (Museo reale) und

das San Carlo-Theater, zahlreiche Studienanstalten, Klösterund Kirchen. Das bemerkenswertheste Kloster ist jenes derKarthäuser mit unermesslichen unterirdischen Räumlichkeiten,die hervorragendste Kirche die des St. Januarius, derenCapelle eine der reichsten der Christenheit ist.

Die Umgebungen Neapels sind reich an vielen sehr merkwürdigen Ortschaften.In dem bereits genannte» Puzzuoli (17.300 Einwohner) befindet sich der wegenden an seinen .Säulen beobachteten Hebungs- und Senkungserscheinungen merkwürdigeSerapistempel. In der Nähe erstrecken sich diePhlegräischen Felder, merk-würdig wegen mancherlei vulcanischen Erscheinungen (der brausende See von Agnano,dieSolfatara, dieHundsgrotte u. s. w.). Am selben Golfe wie Puzzuoli liegtBaja (einst Bajä) mit vielen prachtvollen Ruinen, im Alterthum Buenretiro römischerGrossen. Am Golfe von Neapel liegen (gegen den Vesuv zu und an dessen Fusse):Portici (11.800 Einwohner), mit königlichem Palast; Rezina (12.200 Einwohner),mit den Resten von Herculanum; Torre dellAnnunziata (15.800 Einwohner),bei dem die Ruinen von Pompeji liegen; Torre del Greco (23.700 Einwohner);Castellamare (33.200 Einwohner), auf der Stelle des alten Stabiä, grosses Kriegs-arsenal; Sorrent (7200 Einwohner), hoch am Südrande des Golfrundes, berühmtwegen seiner herrlichen Lage und seiner Orangenhaine. Gegenüber liegt Capri,die Perle unter allen Mittelmeerinseln, mit der weltberühmtenblauen Grotte. Aufder entgegengesetzten Seite liegt das hochrückige Ischia, mit dem erloschenenYulcankegelEgomeo. Mineralquellen.

Caserta (31.000 Einwohner), reizend gelegen, mit vielen schönen Gärten,Springbrunnen und grosser Wasserleitung. Königlicher Palast. Nola (12.000 Ein-wohner), mit vielen Alterthümern. Arpino (12.000 Einwohner), Geburtsort desCicero, Marius und Agrippa. Gaeta (17.000 Einwohner), eine der stärkstenFestungen Italiens, in deren Castell der Leichnam des Connetable von Bourbonauf bewahrt wird. Letzter Zufluchtsort des Königs Franz II. von Sicilien; Capitula-tion am 13. Februar 1861. Avellino (23.000 Einwohner), gewerbfleissige undhandelsthätige Stadt. Salerno (31.300 Einwohner), am Meerbusen gleichenNamens, Mittelpunkt zahlreicher Baumwollspinnereien. Amalfi (7000 Einwohner),in herrlicher Lage unfern von Salerno, im Mittelalter blühend als seemächtigeRepublik und Rivalin von Pisa und Genua. Benevento (22.000 Einwohner),mit Fabriken und Handel.

12. Calabrien.

Calabrien ist der süd-westlichste Abschnitt vonItalien, identisch mit dergleichnamigen Halbinsel,welche meist gebirgig undvon einer wenig gesittetenBevölkerung bewohnt wird.Dercalabresische Räuberwar bislang eine typischeFigur des Königreiches Ita-lien. In neuerer Zeit habensich die Verhältnisse wesent-lich gebessert. Die natür-liche Hauptstadt des GebietesCagliari. ist Reggio (40.oooEinwohner),

an der Meerenge von Messinagelegen, gleichbedeutend mit Regium, das eine der blühendstenStädte von Grossgriechenland war. Die Stadt ist gewerbthätigund handeltreibend.

Scilla (7500 Einwohner) das alte Skylla in tiefer Bergschlucht zwischenzwei Felsen, welche einst von der Schifffahrt gefürchtet waren. Gegenüber derMeeresstrudelCharybdis, eine heftige Strömung, die aber den Ruf ihrer Gefähr-lichkeit nicht verdient. Cantanzaro (29.000 Einwohner), unfern der Küste desIonischen Meeres, mit lebhaftem Productenhandel und berühmter Käsefabrikation.Der südlichste Theil der Calabrischen Halbinsel ist von dem ansehnlichen Aspro-monte erfüllt; es ist der Schauplatz Garibaldischer Kämpfe, in welchen der Frei-heitsheld verwundet wurde. Den südlichsten Punkt bildet das Cap Spartivento.Cosenza (16.700 Einwohner), im nördlichen Theile der Halbinsel, landeinwärts ge-legen, mit fruchtbarer Umgebung. Töpfer-, Eisen- und Stahlwaaren. Die Stadt wurdewiederholt durch Erdbeben schwer heimgesucht. Sie liegt am Flüsschen Busento, indessen Bette der Gothenkönig Alarich begraben wurde. An der Mündung desFlüsschens befindet sich die Stätte von Sybaris, welche die reichste und glänzendsteStadt von Grossgriechenland war. An Stelle des mit ihr rivalisirenden Kroton istCotrone (9700 Einwohner) getreten, ein blühendes Handelsstädtchen.

13. Sicilien.

Die Insel Sicilien ist culturgeographisch vielleicht dasinteressanteste Gebiet von Italien, namentlich der bedeutsamenVölkerwandlungen halber, welche sie erfahren hat. Im grauestenAlterthume von autochthonen Völkern besiedelt, wurde sie früh-zeitig die Beute der Phöniker, dann jene der Griechen, welchebeiden Völker einen hartnäckigen Rivalitätsstreit auszufechtenhatten, in welchem eine bedeutende Zahl der volkreichsten undblühendsten Städte zugrunde gingen. Später fiel es in die Ge-walt der Römer, welche das Land den Karthagern für immerabnahmen. Im Mittelalter wird die Insel eine Beute der Araber,