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C. Südeuropa. — II. Die Balkanhalbinsel.
circa 5900 Seelen. Sie ist der Sitz der Repräsentativkammer,welche aus 60 Mitgliedern besteht.
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Im Südosten der italienischen Halbinsel liegt der kleineArchipel der Maltesischen Inseln (siehe Seite 98), bestehend
aus den Inseln Malta und Gozzo, auf deren erstgenannterder starke Kriegshafen La Valetta (80.000 Einwohner) liegt.Die Gruppe ist englischer Besitz, mit welchem Grossbritan-nien eine starke strategische Seestellung an der Grenzezwischen dem östlichen und westlichen Mittelmeerbeckeneinnimmt.
2. Die Balkanhalbinsel.
Lage und Grenzen. Die Balkanhalbinsel — mitunter auchals „Südosteuropa” bezeichnet — hat gegenüber der iberischendie reichere Gliederung, gegenüber der italischen die grössereräumliche Ausdehnung für sich. In geschichtlicher Beziehungtheilte sie im Grossen und Ganzen die mannigfaltigen Schick-sale, welchen alle europäischen Mittelmeerländer unterworfenwurden. Nur das Endergebniss war ein anderes: während diebeiden anderen Halbinseln in den Händen christlicher Völkerverblieben und im Laufe der Jahrhunderte zu neubelebterCultur gelangten, blieb die Balkanhalbinsel im Besitze einer,dem europäischen Boden von Anbeginn her fremden, asiati-schen Rasse, deren culturfeindliche Macht zunächst in derVerschiedenheit des Glaubens, dann in einem fast nur der Ver-nichtung und dem Zerstören gewidmeten physischen Ueber-gewichte sich ausprägte. Nach einer fast hundertjährigen Stagna-tion der einstigen politischen und militärischen Grösse desOsmanenthums trat zuletzt eine rapide Rückströmung ein.Indess ist es erst in allerjüngster Zeit gelungen, die Erstarrungzu lösen und die christlichen Balkanvölker auf die Bahnmenschenwürdiger Selbstentwickelung zu leiteti, indem manihre Landgebiete der Türkenherrschaft entriss.
Die Balkanhalbinsel — zu welcher man auch das kroa-tische und dalmatinische Küstenland zählen muss — wird imWesten vom Adriatischen und Ionischen Meer, im Süden vomMittelmeer, beziehungsweise von der Aegäischen See, imOsten vom Schwarzen Meer bespült. Auf der Nordseite be-zeichnet die Donau, mit ihrem Nebenflüsse, der Save und derUnna, welche sich in diese ergiesst, die Hauptgrenze, so dassalso die Balkanhalbinsel fast rundum von nassen Grenzen ein-gerahmt wird. Nur eine kleine Strecke im äussersten Nord-westen ist trockene Grenze. Die Küstenentwickelung beträgt4850 Kilometer.
Küstenumrisse (Inseln) und Bodengestalt siehe Seite 48 bis52 und 59.
Klima. In Anbetracht der bedeutenden räumlichen Aus-dehnung der Balkanhalbinsel gestalten sich deren klimatischeVerhältnisse mannigfaltiger als irgend sonstwo in den euro-päischen Mittelmeerländern. Es kommen Gegensätze vor, welchein anderen Erdräumen auf gleichen Entfernungen sich kaumwiederfinden möchten. Von den rauhen Hochländern Monte-negros und Albaniens bis zu den subtropischen StrichenGriechenlands, von der strengen Winterkälte im Balkan, Rylund Schar-dagh bis zu den heissen Strichen am Golfe vonMessenien und den gemilderten klimatischen Verhältnissen derInseln liegen alle Abstufungen und Uebergänge, Sprünge undGegensätze, welche bei Fragen klimatischer Natur in Betrachtkommen.
Einen merkwürdigen Anhaltspunkt in Bezug auf Gegensätze bietet Albanien,dessen Küsten im Sommer zu den heissesten Strichen der Balkanhalbinsel gehören,während im rauhen Hinterlande, das kaum eine Tagreise entfernt ist, im Winter das
Thermometer zu Zeiten bis 25 0 C. unter Nullsinkt. Fast ebenso streng sind die "Winter imBalkan. Besser daran sind die nach Südensich öffnenden Thäler und die Ebenen am Meere.Die Donauterrasse hat heisse Sommer undkalte Winter, ist aber ein äusserst fruchtbaresLand. Die Südseite des Balkans hat mildes Klimaund ist zum Theil ausgezeichnet durch üppigenPflanzenwuchs (Rosen, Wein, Walnüsse). — VonWinterstreDge an den Küsten Griechenlandszu reden, geht natürlich nicht an. Dort kommtSchnee — der noch in Constantinopel Verkehrs-störungen bewirken kann — nur auf den höchstenBergspitzen vor. Berüchtigt ist das SchwarzeMeer durch seine Stürme und tiefe Winter-temperatur. Ufereis kommt bis in die Nähevon Constantinopel vor. Dagegen preist mandie unbeschreibliche Schönheit des klaren grie-chischen Himmels und die Durchsichtigkeitder Luft — im Gegensätze zu der monate-langen Bewölkung in den nördlichen Balkan-
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Bettelderwisch.
gegenden und den gefürchteten undurchdringlichen Nebeln an den Küsten desSchwarzen Meeres.
Freilich hat auch Griechenland — und das ist bezeichnend für das Klimaauf der Balkanhalbinsel — auf engstem Raume grosse klimatische Gegensätze auf-zuweisen. Während die Küstenstriche dem wohlthätigen Einflüsse des Seeklimas aus-gesetzt sind, erreicht in den bergumschlossenen Thälern des Inneren die Hitze mit-unter 50 0 C., die Kälte 12 0 C. unter Null. Manche Gegenden sind, ihrer .Sümpfewegen, im Hochsommer ungesunder als irgend eine Oertlichkeit im mittleren odernördlichen Theile der Balkanhalbinsel. In Bezug auf Gleichmässigkeit des Klimasläuft die nördliche Küste von Albanien allen anderen Gebieten auf der Balkan-
Albanesisches Gestade.
halbinsel den Rang ab. In Antivari, Dulcigno u. a. O. blühen die Rosen das ganzeJahr hindurch und herrschen klimatische Verhältnisse, wie man sie in unserem Erd-theile nur noch an der weltberühmten „Riviera” antrifft. Die Annehmlichkeiten einesbosnischen Sommers in schattigen Wäldern, an fliessenden Wassern und auf kühlen,mattenreichen Höhen lernt man erst in unseren Tagen allmählich schätzen.
Bevölkerung. Entgegen der reichen bodenplastischen Gliede-rung und der grossen Mannigfaltigkeit in Bezug auf Vegetationund klimatische Gegensätze stellen die ethnographischen Ver-hältnisse der Balkanhalbinsel lange nicht jenes bunte Völker-gewirre dar, welches gemeinhin als thatsächlich vorhanden an-genommen wird. Ein grösseres Verbreitungsgebiet kommt nurdrei Elementen zu: dem slavischen, griechischen und skipeta-rischen (albanesischen). Wohl macht man einen Unterschiedzwischen Serben und Bulgaren, wie etwa zwischen Serbenund Kroaten; aber alle diese Volksstämme gehören derselbenFamilie, dem Zweige der Südslaven an, welche sprachlichsich von einander scheiden und zu einander verhalten, wie etwaOber- und Niederdeutsche.
Von anderen Volksstämmen, welche die Balkanhalbinselbesiedeln, sind die osmanischen Türken und die Kutzo-wlachen (oder Zinzaren) zu nennen. Die kleineren Colonien vonTscherkessen, Tataren u. s. w. kommen als Bevölkerungs-element nicht in Betracht. — Ohne die Verbreitungsgebieteder einzelnen Volksstämme im Detail auszuführen, bemerkenwir Folgendes: das serbische Element nimmt Bosnien, dieHerzegowina, das südliche Dalmatien, Montenegro und dengrössten Theil von Serbien ein; das kroatische Element daskroatische Küstenland, Norddalmatien, das nördliche und west-liche Bosnien und einen Strich im Westen der LIerzegowina.Bulgaren sitzen in ursprünglicher Reinheit zu beiden Seitendes Balkan, indem ihr Verbreitungsgebiet im Norden bis zurDonau, im Süden stellenweise bis ans Aegäische Meer reicht.Im östlichen Donaubulgarien und in der Dobrudscha ist dasbulgarische Element mit türkischem, im eigentlichen Thrakienmit griechischem, westlich von Vranja mit albanesischem Ele-ment gemischt. — Das Volk der Albanesen (Skipetaren)siedelt in dem Raume von Montenegro bis Epirus und zwischen