C. Südeuropa. — II. Die Balkanhalbinsel.
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sten Punkt am Bosporus. Es ist seine Perle und die Bilder, die man hier oben geniesst, gehören zuden bezauberndsten des näheren Orient. — Tschengelköj, einst berüchtigt wegen der grausamenExecutionen, welche Murad IY. (der „Nero der Osmanen”) an dieser Stelle häufig persönlich durch-führte. — Beylerbey mit dem grössten aller Sultanspaläste, gerade gegenüber von Dolmabagtsche.Er wurde unter Mahmud II. erbaut und von den letzten Sultanen mit unsinniger Verschwendungerweitert und verschönert. — Die nächsten Orte sind Istavros und Kluskundschuk, beide ohneInteresse. — Hierauf folgt Skutari, die asiatische Vorstadt von Constantinopel.
Auch die weitere Umgebung von Constantinopel ist herrlich, aber sie begreift meist asiatischeGebiete, gehören also nicht in den Rahmen dieses Abschnittes. Wir erwähnen das liebliche Kadiköj(auf der Stelle von Chalcedon), ein Sommerfrischort und auch sonst, über das ganze Jahr, vonEuropäern bewohnt; Haidar Pascha, dicht daneben, Ausgangspunkt der Bahnlinie nach Ismid(Nikomedien); die herrlichen Prinzeninseln, sieben kleine Eilande, deren schönstes, Prinkipo,Fremdenherbergen und Villen besitzt. — Der beliebteste Belustigungsort bei Constantinopel sind diesogenannten „Süssen Wässer”, ein Thal, welches sich in der Verlängerung des Goldenen Horns er-streckt. Zwischen Hainen liegen Kaffeeschänken und Landhäuser, breiten sich grüne Matten aus, aufwelchen am Freitag (der mohammedanische „Sonntag”) tausende von buntgekleideten türkischenDamen lagern. Auf der Fahrstrasse tummeln sich Reiter und Carossen. Auch die Umgebung aufder Landseite von Stambul weist einige hübsche Villendörfer — Makriköj, St. Stephano u. s. w. —auf, welche sämmtlich Stationen der thrakischen Eisenbahnlinie sind.
Im Inneren von Thrakien, unfern des Zusammenflusses der Maritzaund Tundscha, liegt die zweite Hauptstadt des Reiches, Adrianopel(90.000 Einwohner) — türkisch: Edirne — von 1366—1453 Residenz derSultane. Die Stadt ist eine ungeheuere Anhäufung von kleinen Holzhäusern,zwischen welchen einige Moscheen — darunter die herrliche „Selimje” mitgrossartiger Kuppel und vier rohrschlanken Minarets — und etliche Kauf-häuser (Chans, Karawanserajs) inselartig aufragen. Auf einer Insel derTundscha befinden sich die letzten spärlichen Reste des einstigen Sul-tanpalastes. Einige bislang vorhanden gewesene Baulichkeiten des-selben wurden im Jahre 1878 beim Anrücken der Russen von den Türkenin die Luft gesprengt. — Adrianopel ist Hauptstadt des gleichnamigenVilajets. Von ihrer früheren commerciellen Bedeutung ist nichts mehr zuverspüren.
Zum Vilajet von Adrianopel gehört auch die Strasse der Darda-nellen (Hellespont), deren östliche Ufer bereits asiatischer Boden sind.
Die Befestigungswerke der Dardanellen sind von sehr verschiedenem Alter. Die ersten vonden Türken hergestellten Fortificationen waren die Schlösser der Sultane Mohammed II. und Mo-hammed IV., deren Reste indess derzeit kaum mehr als historisches Interesse beanspruchen dürfen.In der Folgezeit, namentlich während des Krimkrieges, wurden neue Werke angelegt. Es sind diesmeist steingebaute Castells mit vielen Schiessscharten. Erst in jüngster Zeit wurdenKriegsbauten aufgeführt, welche einigermassen den modernen Anforderungen ent-. sprechen. Es sind Küstenbatterien und Erdwerke, und zwar auf der
europäischen Seite: Sedil Bahr, Namazghirsch, Kilid Bahr, DjermenBurun, Tschan Kaleh, Bojali Kalessi; auf der
asiatischen Seite: Naghara, Kösch Kaleh, Medschidje, Tschanak Kalessi(oder Sultanie Kalessi), Kum Kalessi.
Von grosser Wichtigkeit für die Vertheidigung der Dardanellen ist Galli-poli (20.000 Einwohner), am nördlichen Eingänge zur genannten Seestrasse und ander schmälsten Stelle des „thrakischen Chersones”.
Andere Städte in Thrakien sind: Enos (8000 Einwohner),am Aegäischen Meer, unweit der Eisenbahnkopfstation De-deagatsch. — Kirk Kilissa (15.000 Einwohner), im Innerendes Landes, berühmt wegen seiner Confituren. — Silivri(9000 Einwohner), am Marmarameer. — Demotica (9000 Ein-wohner), unfern der Maritza, älteste Residenz der Sultane in
Skutari.
Europa. — Monastir (30.000 Einwohner), bedeutende Teppich-fabrikation.
Makedonien.
Adrianopel.
Saloniki (86.000 Einwohner), türkisch: Selanik, das alteThessalonich, im Hintergründe des gleichnamigen Meerbusensgelegene thätige Handelsstadt, amphitheaterartig das Uferhinansteigend. Endpunkt der Bahnlinie Belgrad-Vranja-Saloniki.Die Stadt ist gewerbfleissig und hat mehrere Fabriken vonSaffian, Teppichen und Seidenzeugen. Das thätigste Elementsind die Juden, sogenannte „Spagnolen” (oder Sephardim),Abkömmlinge derjenigen Juden Spaniens, welche durch dasberüchtigte Edict vom 11. März 1492 aus ihrer Heimat aus-gewiesen wurden. Die harte Verordnung traf gegen 300.000
Juden, welche sich überalle Küstenstädte desOrients verbreiteten,hauptsächlich aber inConstantinopel und Sa-loniki ansiedelten. —Saloniki birgt mancheErinnerung an das Alter-thum und werden häufiginteressante Funde ge-macht. Die meisten Mo-scheen sind ehemaligeKirchen. Die Stadt istHauptort des gleich-namigen Vilajets.
Andere bemerkens-werthe Städte Makedo-niens sind: Seres(2 2.000Einwohner),Mittelpunktdes türkischen Baum-wollhandels. — Drama(8000 Einwohner), Cali-cotfabrikation, Tabak-bau. — Jenidsche (7000Einwohner), unfern vonSaloniki, an der StellevonPella, der ResidenzAlexander des Grossen.Westlich hiervon liegtVo d e n a; hier lag Aegä,die ältere makedonischeResidenz.
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