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C. Südeuropa. — II. Die Balkanhalbinsel.
Sarajevo.
Lage keine wesentliche Aenderung erfahren. Grundzug des Lebens ist nochimmer die Mässigkeit. Der Patriotismus ist schwach entwickelt, die Opfer-willigkeit gering — entgegen den Griechen, welche gerade in dieser RichtungGrossartiges leisten. Auch die Gastfreundschaft wird unter den Bulgarenweniger geübt als unter den übrigen Balkanvölkern. Dagegen sind Familiensinnund Häuslichkeit unantastbar, desgleichen die Sittlichkeit. Auffallend ist auchdie seltene Gleichstellung zwischen Frau und Mann, Mutter und Sohn. Beidem wenig offensiven Charakter des Bulgaren findet man nicht selten diegrössere Energie auf Seite des Weibes. Leider kann nicht behauptet werden,dass die Bulgarinnen über ein vortheilhaftes Aeussere verfügen; als Mädchennicht unschön, altern sie frühzeitig unter der Last schwerer Arbeit.
c) Bosnien und die Herzegowina.
In Folge des Berliner Vertrages vom 13. Juli 1878 und laut dermit der Hohen Pforte abgeschlossenen Convention hat Oesterreich-Ungarndie Verwaltung dieses ehemaligen Vilajets, zu welchem der nordwestlicheTheil des Sandschaks von Novibazar zugeschlagen wurde, übernommen. —Flächeninhalt (ohne Novibazar): 51.100 Quadratkilometer; Bewohnerzahl(1885): 1,361.290. Die Leitung der Verwaltung liegt in den Händen desk. k. Reichsfinanzministers in Wien, welchem zur Besorgung der betreffendenAgenden das ständige „bosnische Bureau” unterstellt ist.
das „Commissariat 77 . Der Felshügel der einstigen Akropolis istdurch eine Häuseranlage verbaut, in welcher das neue Gymnasiumam meisten auffällt. Auf einem anderen Felshügel befindetsich das Denkmal zur Erinnerung an den russischen Sieg, derbei der Stadt am 17. Januar 1878 über die Türken unter SulejmanPascha erfochten wurde. — Die Umgebung von Philippopel(bulgarisch: Plovdiv) ist ein gesegnetes Culturland mit er-giebiger Reiscultur. Zahlreiche alte Grabhügel (Tumuli) be-decken die Ebene des stundenbreiten Maritzathales.
Andere Städte in Ostrumelien sind: Kazanlik (9000 Ein-wohner), am Südfusse des Balkan, in einem meilenweiten Rosen-garten, welcher den Mittelpunkt der berühmten Rosenölfabri-kation bildet, gelegen. Das Thalbecken wird von der Tundschadurchströmt. In diesem Becken zählt man die Rosenstöcke nachMillionen. Diese enorme Menge erklärt sich daraus, dass zurErzeugung eines einzigen Kilogrammes Oel 3000 KilogrammRosenblätter nöthig sind. Ein Kilogramm Rosenöl kostet anOrt und Stelle durchschnittlich 500 Gulden. — Eski Saghra(14.000 Einwohner), am Südfusse des Balkan, in schönen Fluren,mit mehreren Fabriken. — Slivno (25.000Einwohner), wichtigsteMessstadt von Ostrumelien. — Jamboly (14.000 Einwohner),gleichfalls besuchte Messstadt. — Burgas (6000 Einwohner),Hafenstadt am Schwarzen Meere; Weincultur. — Tatar-Bazardschik (11.000 Einwohner), westlich von Philippopel,an der Maritza gelegen, mit ansehnlicher Reiscultur.
Das Volk der Bulgaren war ursprünglich bei seiner Einwanderung im 6. Jahr-hundert (einzelne Horden schon früher) finnisch-ugrischen Stammes und mit denHunnen eng verwandt. Als es die slavischen Stämme in den neuen Heimsitzen unterseine Herrschaft brachte, nahm
Hauptstadt und Sitz der Verwaltungsbehörden der occu-pirten Provinzen ist Sarajevo (1885: 26.000 Einwohner), amOstende einer fruchtbaren Ebene und an beiden Ufern derMiljacka gelegen, malerisch von aussen, beschränkt und win-kelig im Inneren, mit wenig ansehnlichen Gebäuden. VieleNeubauten, Tramway, Station der „k. k. Bosnabahn 77 . Ueber dieMiljacka setzen einige hübsche Bogenbrücken. Die Stadt wirdvom Castell und dieses von hohen Bergen überragt. Unterden Moscheen ragen die „Kaisermoschee 77 (Careva Dschamija)und die Moschee Usrenbegs hervor. — Die zweitgrösste Stadtist Banjaluka (11.000 Einwohner), im fruchtbaren Verbasthaie,von Gärten und Feldern umgeben. — Travnik (9500 Ein-wohner), im gleichnamigen Gebirgsbecken. — Dolnja Tuzla(Unter-Tuzla, 6000 Einwohner), mit Salzsiedereien. —■ Bihac(4000 Einwohner), befestigtes Städtchen an der kroatischenGrenze. — Livno (5600 Einwohner), unweit der dalmatinischenGrenze, mit lebhaftem Handel. — Bjelina (7000 Einwohner),an der Drina, Grenzhandelsplatz.
Hauptstadt der Herzegowina ist Mostar (13.000 Einwohner),zu beiden Seiten der Narenta, über welche eine alte (wahrschein-lich türkische und nicht römische) Bogenbrücke führt, äusserstmalerisch gelegen und von den kahlen Felsenabhängen des Hum-und des Velezgebirges eingeschlossen. Mostar ist reinlich ge-halten, regelmässig gebaut und hat die cultivirteste Bevölkerungdes ganzen Landes. Die nähere Umgebung ist sehr fruchtbar.— Ausgangspunkt der Bahn nach Metkowic an der Narenta-mündung, welche nebst der Bosnabahn den continentalen Ver-kehr Bosniens über Triest vermittelt. — Andere Städte: Foca
es slavische Sprache und Sittenan und ging auch ethnisch mSlaventhum auf. Nur der Nameblieb erhalten. — Nach seinemarchitypischen Bau, den spitzenSchädel ausgenommen, der ihnvon allen Völkern der Balkan-halbinsel charakterisirt, ist derBulgare ziemlich wohlgestaltet.In seiner Haltung liegt nichtsEdles und Würdiges; im Aus-drucke seines Angesichtes liegtnichts Freimüthiges, Offenherzi-ges, sondern in der Regel etwasZurückhaltendes, Zaghaftes unddoch zugleich Verschmitztes. DasAuge, aus welchem Verschla-genheit, niemals aber Bosheitspricht, ist in der Regel kleinund stechend. Der Bulgare imAllgemeinen hat nichts Auf-gewecktes, Lebenslustiges; erliebt nicht Gelage, Aufzüge,Spiel und Tanz und andereLustbarkeiten, wie seine Nach-barn, die Walachen, Serben undGriechen.
Der Grundzug am Charakterdes Bulgaren ist der Eigennutz,oder richtiger der Geiz. Dasmag daher kommen, dass dieBulgaren unter der türkischenHerrschaft gewohnt waren, vonden Paschas beständig geplün-dert zu werden. Die gewohn-heitsmässige Knauserei hat auchseit der veränderten politischen
Belgrad.
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