Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
167
JPEG-Download
 

C. Südeuropa. — II. Die Balkanhalbinsel.

167

Randgebirgen des Skutaribeckens; Pulati, westlich des Drin; Plavini, anden Quellen des Lim; Schkrejli, Schala und Dukadschin im Knie desvereinigten Weissen und Schwarzen Drin; Mirditen (der mächtigste Stamm)im Berglande westlich des Schwarzen Drin. Andere Stämme sind: Matia,Mertur, Krasnik, Ohoche, Tschotsche, Parthini, Biskaschi u. s. w. Die Alba-nesen bekennen sich überwiegend zum Islam, dann zunächst zur griechisch-orthodoxen Kirche; ein kleiner Bruchtheil ist katholisch.

K a n d i a (Kreta).

Das selbständige Vilajet der Insel Kandia (türkisch:Kirid) hat einen Flächenraum von 8600 Quadratkilometerund zählt 277.000 Bewohner, durchwegs Griechen, vondenen aber nur ein Bruchtheil christlichen Bekenntnissesist. Die Insel ist von einem hohen, an mehreren Stellenunterbrochenen Gebirgszuge erfüllt, doch unterscheidetman genau drei Gebirgsmassen zu 2000 Meter; den Cul-minationspunkt bildet der centrale Idagipfel (2450 Meter);das Westende der Insel ist von dem Hochlande derSphakiaerfüllt, deren Bewohner (Sphakioten) für Nachkommen deralten Dorer gelten und wohl einer der wildesten Berg-stämme des Orients sind. In den Küstenebenen ist reichervegetativer Segen.

Hauptort der Insel ist Kandia (Mägalokastro, 13.000Einwohner), auf der Nordseite, mit bedeutenden Seifen-siedereien und lebhaftem Handel. Denkwürdige Vertheidigungdurch die Venetianer gegen die Türken, 1667—1669. — Canea(9000 Einwohner), befestigter Waffenplatz mit Marine-Etablisse-ments, erster Handelsplatz der Insel. — Retymo (4000 Ein-wohner), Handel, Weinbau.

b) Das tributäre Fürstenthum Bulgarien.

(Mit Ostrumelien.)

Flächeninhalt, und zwar Bulgarien: 64.000 Quadratkilometer, Ost-rumelien: 36.000 Quadratkilometer. — Bewohnerzahl: in Bulgarien 2 Millionen,in Ostrumelien 1 Million. Ostrumelien war bis Ende September 1885 autonomeProvinz des osmanischen Reiches und wurde durch den „Staatsstreich von Philippopel”mit Bulgarien vereint.

Bulgarien.

Hauptstadt des Fürstenthums ist Sofia (22.000 Einwohner),in einer Ebene unfern des Isker gelegen, von den Bulgaren„Triadica 77 genannt, genau im geometrischen Mittelpunkte derBalkanbalbinsel, und in Folge dessen von grosser politischerund militärischer Bedeutung, welche die Stadt thatsächlichdurch viele Jahrhunderte hatte. In der Türkenzeit arg herab-

Philippopel.

Russisches Denkmal in Plewna.

gekommen, hat Sofia seit der Gründung des FürstenthumsBulgarien sich wesentlich gehoben und entwickelt, und ist zuder alten Niederlassung ein ganz neuer Stadttheil, mit schönenGebäuden, Gärten und Anlagen, hinzugekommen. Die gewerb-liche Thätigkeit ist in erfreulichem Aufschwünge begriffen;der Handel ist bedeutend.

Andere wichtige Städte des Fürstenthums sind: Schumla(24.000 Einwohner), mitten in einer Ebene, von Fortificationenumgeben, früher der wichtigste Waffenplatz der Pforte in dereuropäischen Türkei und der „Schlüssel zum Balkan 77 genannt.— Rustschuk (27.000 Einwohner), die volkreichste Stadt desFürstenthums, an der Donau gelegen, mit blühender Industrieund lebhaftem Handel. — Silistria (11.000 Einwohner), gleich-falls an der Donau, früher wichtige Festung. — An der Donauliegen ferner: Schwischtow (12.000 Einwohner), mit lebhaftemHandel, Leder- und Baumwollfabriken; Nikopoli (5000 Ein-wohner), mit einigem Handel; Widdin (14.000 Einwohner), ganzim Westen des Landes, Festung, mit viel Gewerbfleiss undHandelsthätigkeit. — Im Inneren des Landes: Tirnowo (12.000Einwohner), die alte Hauptstadt des Landes, malerisch an derschlangenförmig gewundenen Jantra in einem Thalkessel ge-legen, wichtig als erster Industrieort des Landes (Seide, Tuch,Färbereien). — Eski-D schumaja (11.000 Einwohner), be-deutende Messstadt. — Rasgrad (12.000 Einwohner), handel-thätig. — Varna (25.000 Einwohner), am Schwarzen Meere

gelegen, mit schlechtemoffenen Hafen, ersterSeehandelsplatz Bulga-riens mit bedeutendemDurchzugshandel. —Plewna, kleines Städt-chen, denkwürdig we-gen der heldenmüthigenV ertheidigung durch

die Türken unter OsmanPascha von Juli bis De*cember 1877.

Ostrumelien.

Hauptstadt ist Phi-lippopel (ohne Vorstädte24.000 Einwohner), eineder ältesten StädteThrakiens, von Philippvon Makedonien ge-gründet, sehr malerischmitten in der Ebene aufeinigen Syenitfelsen ge-legen und unfern derMaritza. Blühende Sei-den-, Tuch- und Kattun-fabrikation. Hervorra-gende Gebäude sind:die grosse Moschee, diegrosse Kathedrale und

42 *

4