17 2
C. Südeuropa. — II. Die Balkanhalbinsel.
mmm
Arkadier.
Mainote.
Griechische Typen.
Suliote.
mit der lieblichen Gartenvorstadt Ca-strades und der königlichen Villa mitherrlichem Park. Den Norden derInsel nimmt der Monte Salvatore ein,Im Hafen liegt das Inselchen Vido,dessen Befestigungen einst Erstaunenerregten.
Zante, mit der gleichnamigenHauptstadt (16.000 Einwohner), inschöner Bucht, sehr lieblich („Blumeder Levante”) und fruchtbar; leb-hafter Handel.
Kephalonia, mit der Haupt-stadt Argostoli (9000 Einwohner),von einem beträchtlichen Bergrückenerfüllt, Schiffbau und Handel trei-bend.
Ithaka, mit Vathy als Haupt-ort, die Heimat des Odysseus, mitmancherlei Erinnerungen an diesen.Die Insel ist wenig fruchtbar.
Santa Maura (Leukadia), mitAmaxichi als Hauptort, bemerkens-werth als Oertlichkeit, mit der dastragische Ende der lesbischen Dich-terin Sappho verknüpft ist. Der „Felsder Sappho” ist das heutige CapDucato.
Paxo, mit dem Hauptorte PortoGa'io; unfruchtbares Eiland.
Cerigo (Kythera), mit Kapsalials Hauptort; in diesem Gewässerentstieg nach antiker VorstellungAphrodite dem Schaume des Meeres.
Argos. Megara. Korinth.
mm
mm
um
■L «/■—' 1
xwm
r -: m
eruptive Hebungen, entstanden; die Kraterkegel Paleo-, Neo- und Mikro-Kaimenewachsen noch fortwährend durch die seit 1866 anhaltenden Eruptionen. Die Inselist 110 Quadratkilometer gross und beherbergt 13.000 Einwohner. Sie bringt denberühmten vortrefflichen Wein (Vino santo) hervor, der neben dem Kypernwein dergesuchteste in der Levante ist.
Anaphi (Namphio), erwähnenswerth wegen der beträchtlichen Ruinen einesder Sage nach von den Argonauten gegründeten Apollotempels. Die Insel— 60 Qua-dratkilometer gross und 1000 Menschen beherbergend — ist ziemlich fruchtbar.
Milo (Melos), die westlichste der Kykladen, 165 Quadratkilometer gross,10.000 Bewohner. Vulcanisches Eiland mit ungesundem Klima. Der Berg Kalamosstösst Rauch und Schwefeldünste aus. Im Alterthum war Melos bekannt durch dastraurige Schicksal, das die Athener seinen Bewohnern (Ermordung aller Männer) impeloponnesischen Kriege bereiteten. Neuerdings ist das Eiland durch die nach ihmbenannte Venusstatue (bekanntlich die Perle des Louvre), die hier gefunden wurde,berühmt geworden. Auch sonst giebt es noch sehr beträchtliche antike Reste aufder Insel.
Argenteria (Kimolos) und Siphanto (Siphenos) sind ohne Interesse.
Serpho (Seriphos). Auf dieser Insel hat der Sage nach Perseus seine Feindemit dem Gorgonenhaupte in Stein verwandelt.
Thermia (Kythnos), 137 Quadratkilometer, 3000 Bewohner, fruchtbar.
Zea (Keos) ist die ruinenreichsteder Kykladen. Im Alterthum waren vierStädte bewohnt: Julis, die wichtigste,
Geburtsort des Dichters Simonides; Ko-resseus, durch seinen Apollotempel be-kannt; dann Korthea und Poiessa. Grösseder Insel: 165 Quadratkilometer, Bewoh-nerzahl: 4000. Weinbau und Seidenzucht.
Syra, die wichtigste Insel derKykladen und gleichzeitig mit der be-deutendsten Handelsstadt Griechenlands:
Hermupolis (21.000 Einwohner), Stationder meisten Dampferrouten. Grösse derInsel: 110 Quadratkilometer; Bewohner-zahl: 40.000. Das Innere der Insel istfast ganz baumlos; nur einige Theile sindbebaut.
b) Die nördlichen Sporaden.
Die wichtigsten Eilande dieses klei-nen Archipels sind: Skyro, ohne Merk-würdigkeit; Skopelo, mit hohen Steil-ufern; Skiathos (Chelidroma), ein lang-gestrecktes Riff mit einer Klippe, aufwelcher sich ein Kloster befindet. DieBewohner sind sämmtlich Albanesen. ImAlterthum waren die Bewohner der nörd-lichen Sporaden gefürchtete Seeräuber.
c) Die Ionischen Inseln.
Die Ionischen Inseln, sieben an der Zahl, waren seit 1815 ein Freistaat, der1864 dem Königreiche Griechenland einverleibt wurde. Die Iuseln sind:
Korfu, mit der gleichnamigen Hauptstadt (17.000 Einwohner), ein äusserstfruchtbares und anmuthiges Eiland, angeblich das Scheria des Homer, die Heimatder Phäaken. Die Stadt wird von der hochgelegenen, malerischen Citadelle undeinigen anderen Befestigungen geschützt. Im Süden öffnet sich die Bucht von Kardakio
Griechische Typen.
Das moderne,Volk der Hellenen, von allen unberechtigtenAnsprüchen auf hochclassische Vergangenheit abgesehen, istdas culturell hervorragendste Volk der Balkanhalbinsel. Derunruhige Geist und das stark entwickelte politische Gefühlsind ein Erbe der Antike. Auch eine gewisse Einheitlichkeitdes Gesammtvolkes in Bezug auf physische und psychischeEigentümlichkeit, wie sie vor alters bestand, ist geblieben.Als Repräsentanten des ältesten Griechenthums gelten dieTsakonen und Mainoten im Peloponnes, welche sich selber„Dorer” nennen und in deren Dialekten man neuerdings dorischeElemente gefunden hat. Im Allgemeinen ist der Südgrieche(Peloponnesier) lebhafter, impulsiver, leicht zum Enthusiasmuszu entflammen, aber weniger zähe und ausdauernd als der Nord-grieche (Livadier), dessen militärische Tugenden im Freiheits-kriege den Ausschlag gaben. Der Nordgrieche ist muthiger und
gefasster als der Peloponnesier,welcher vorwiegend lebens-freudig und leichtsinnig ist undsich vom Augenblicke bestim-men lässt. Die geistig bestbe-anlagten sind die Inselgriechen,der Kern der hellenischen See-mannschaften. V enetianische
und andere fremdländische Be jeinflussungen sind unverkenn-bar. Zu den zumeist verwahr-losten und rohesten Bewohnerndes Königreichs gehören die Ar-kadier, und zwar derjenige Theil,welcher sich mit der Viehzuchtbeschäftigt. Hervorragende Ei-genschaften im Griechenthumsind patriarchalische Sittenein-fachheit, Hochschätzung der Fa-milienbande und innige Eltern-,beziehungsweise Kinder- undG eschwisterliebe. Das weiblicheGeschlecht zeichnet sich durchphysische Vorzüge, Lenksam-keit und grosse Anhänglichkeit an die Familie aus. Musik undGesang sind aber in der Regel die einzigen geistigen Zerstreu-ungen. In den grossen Städten der Inseln hat sich mit der Zeitein sociales Leben von jener eigenthümlichen Localfarbe ent-wickelt, welche man als „levantinisch” zu bezeichnen pflegt. Esist damit die Nachahmungssucht für europäische Einrichtungenund Gebräuche äusserlicher Natur (Mode etc.) gemeint, welchein der Regel in Zerrbildern der modernen Fashion ausartet.
Griechisches Tanzfest in Athen.