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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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D. Nordeuropa. — Die Halbinsel Skandinavien.

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Lappenfamilie.

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Die Zahl der Hiittenunternehmungen ist nicht unbedeutend und viele vonihnen liefern ausgezeichnete Fabrikate. Hochgeschätzt ist der Bessemerstahl derFagersta- und der Lennahütte, der Unternehmung Forsbaka, des WerkesSvartnäs und der Gesellschaft Nyhammar. In Wikmannhyttan wird Uchatiusstahlin vorzüglicher Qualität erzeugt. Eines der wichtigsten Eisenwerke Schwedens istjenes von Finspong (Kanonengiesserei und Hartgussgeschossfabrikation). Mit diesemEtablissement ist jenes von Ankarsrum vereinigt. Tiegelgussstahl wird in Schwedenwenig producirt, desgleichen Puddlings- und Herdfrischstahl. — In Norwegen istdie Eisenproduction von geringem Belang.

Im Uebrigen herrscht industrielle Thätigkeit eigentlich nur in Schweden.Die wuchtigsten Branchen sind: Fayence, Glas, Tuch, Maschinen, Papier, Baumwoll-und Leinenwebereien, Seiden- und Bandfabrikate, Kattundruckereien und Färbereien,Zucker-, Tabak- und Lederfabrikation. Ferner: Uhrmacherei (Stockholm, Gothen-burg); mathematische und physikalische Instrumente (Stockholm), Goldschmiede-arbeiten (Stockholm); Gewehrfabriken (Eskilstuna, Norrtelge); Maschinen (Motala);Kanonengiessereien (Stockholm, Finspong, Aker); Anker (Stockholm, Södersfors,Karlskrona); Zuckerraffinerien (Gothenburg, Stockholm), Holzfabrikate, Zünd-hölzchen u. s. w.

Die gewerbfleissigsten Städte Norwegens sind: Christiania, Bergen, Dront-heim, Christianssand, Christianssund, Kongsberg und Arendal.

Handel. Der Handel Schwedens und Norwegens ist nochwichtiger als ihre Industrie und erstreckt sich auf alle Erd-theile. Artikel der Einfuhr sind (Schweden): Zucker, Kaffee,Baumwolle, Gewürze, Seide, Wolle, Flachs, Hanf, Seife, Süd-früchte, Tabak und Manufacte; ferner (Norwegen) viel Getreide.Artikel der Ausfuhr sind: Eisen, Stahl, Bauholz, Fische,Marinegegenstände (Tauwerk, Anker etc.), Kupfer, Kobalt,Alaun, Messing, Glas, Pottasche, Theer, Pech, Leder, Marmor,Mühlsteine, Pelzwerk, Thran.

Der Verkehr im Inneren des Landes ist nur im südlichen Theile der Halb-insel von Bedeutung. Besonders charakteristisch für denselben sind die Secundär-bahnen, welche durchwegs nach dem Schmalspursystem angelegt sind. Die Schmal-spurbahnen Schwedens und Norwegens, deren Hauptlinien mitunter die verhältniss-mässig enorme Länge von mehreren hundert Kilometern erreichen, sind der Boden-gestalt des Landes, der Natur und Bedeutung der Hauptverkehrspunkte, welche siemiteinander verbinden und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. Die klimatischenEinflüsse, die grosse Anspruchlosigkeit und Nüchternheit der Bevölkerung, die durchdie Landesnatur bedingte Form des Verkehrs sind die wesentlichen Factoren, welchezur Schaffung von Verkehrseinrichtungen geführt haben, welche selbst bei ähnlichenVoraussetzungen in den grossen Culturstaaten Europas nicht denkbar wären.

Gothenburg.

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Die grosse Kälte und die bedeutenden Temperaturextreme in den ver-schiedenen Jahreszeiten einerseits, sowie der grosse Holzreichthum andererseitsbringen es mit sich, dass die Anwendung des Eisens als Constructionsmaterialeine geringfügige ist. Die meisten Viaducte, Brücken und Stationsgebäudesind aus Holz. Die wichtigsten Linien laufen durch erz- und holzreiche Thälerund dienen fast ausschliesslich dem Vertrieb dieser Rohstoffe. — Der schmalenSpur entsprechend sind die Fahrbetriebsmittel in den Dimensionen sehrbeschränkt: ein Uebelstand, der namentlich bei den Personenwagen in fastbeängstigendem Grade zum Ausdrucke kommt. Ein Personencoup6 hat nurvier Sitze. Während des Winters, wenn die Reisenden in dicke, voluminöseKleider gehüllt sind, haben oft die zwei Inhaber der beiden Sitze auf dereinen oder anderen Coupeseite nicht Platz genug, um sich zwanglos bewegenzu können. Dass unter solchen Umständen eine Reise auf der 600 Kilometerlangen Linie Kongsvinger-Trondhjem — der längsten Schmalspurbahn inEuropa — kein besonderes Vergnügen sein kann, liegt auf der Hand. DieseEinrichtung ist überhaupt nur in einem Lande möglich, in welchem die Be-völkerung abgehärtet und anspruchlos ist und keinen Werth auf Comfort legt.Nur wenige der Schmalspurbahnen stehen mit der normalspurigen Hauptbahnin Verbindung; die meisten verbinden Industrieorte und Binnenplätze mit demMeere oder den Wasserstrassen, oder diese untereinander.

Die Königreiche Schweden und Norwegen bildenunter einem und demselben Könige zwei selbständige,von einander ganz unabhängige Staaten (Personalunion;Unionsacten vom 31. Juli und 9. August 1815). Jedes dieserKönigreiche hat für seine inneren Angelegenheiten eigeneVerfassung, Volksvertretung und Rechte. Die gemeinsame con-stitutionelle Monarchie ist in Norwegen aufs äusserste durchdemokratische Einrichtungen beschränkt. Die norwegischeVolksvertretung — der Storthing — besteht aus einer Kam-mer (mit zwei Abtheilungen: dem gesetzgebenden „Lagthing”und dem berathenden „Odelsthing”); der schwedische Reichs-tag besteht aus zwei Kammern.

1. Das Königreich Schweden (Sverige).

Fläche ninhalt: 450.574 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1885): 4,682.769(10 auf I Quadratkilometer). Fast die gesammte Bevölkerung bekennt sich zur luthe-

Paswig, nördlichster Fischplatz in Norwegen.

rischen Kirche; die Zahl der Reformirten und Katholiken beträgt nur etlichehundert, die der Andersgläubigen (Baptisten, Methodisten und Juden) etwa 57 °°*— Das Königreich ist (ohne die Hauptstadt Stockholm) in 24 Läne (Statthalter-schaften) eingetheilt. — Im Nachfolgenden halten wir uns an die geographischeEintheilung.

1. Svealand (Schweden im engeren Sinne).

Stockholm (216.000 Einwohner), in herrlicher Lage amMälarsee, von zahlreichen Inseln umgeben, wegen der Aehn-lichkeit seiner Lage mit der Lagunenstadt, das „nordischeVenedig” genannt, und gleich jenem von vielen Canälendurchzogen. Die eigentliche Stadt (Staden) liegt auf dreiInseln und ist von fünf Vorstädten umgeben, welche nichtsehr regelmässig gebaut sind. Der ziemlich geräumige Hafenwird durch die Forts Friedrichsburg und Waxholm ver-theidigt. An seinem Ende erhebt sich das grossartige könig-liche Residenz schloss mit der berühmten „Löwenterrasse”(Lejonbakken). Die Kathedrale St. Nicolai ist die Krö-nungskirche. In der Graumönchenkirche auf der FelsinselRiddarholm (Ritterinsel) ruhen (Gustav Wasa ausgenommen)die schwedischen Könige. Auf dem Platze vor der Kirchedie Bildsäule Birger Jarl’s, des Gründers Stockholms. DemKönigsschlosse gegenüber führt eine prachtvolle Brücke in dieVorstadt Norrmalm. Unweit der Llafenquais der grosse Platz