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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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E. Osteuropa. — Das russische Reich.

Viehzucht und Ackerbau sich zu be-fassen begannen. Dass der Strom bereitsin den ältesten Zeiten die mannig-fachen Völker, welche an seinen Ufernhausten, in innigen Verkehr zu ein-ander brachte, liegt auf der Hand. —

Diese Bedeutung hat der Strom durch-aus nicht eingebüsst, denn er ist heutenoch immer eine Hauptverkehrsader,trotz aller Chausseen und Eisenbahnen.

Das zeigt schon ein Blick auf das Le-ben, welches mit der Wolga verknüpftist. Riesige „Barschen” (Frachtschiffe)befahren, neben vielen Dampfern, inungeheurer Anzahl den Strom. Sieführen sibirisches Gold und Platina,kaukasischen W ein,Cholm ogoner Kühe,chinesischen Thee und Seide, Moskauerund Petersburger Porzellan, Wladi-mirer Baumwollstoffe, Eisen vom Uralund hundert andere Rohproducte undIndustrie-Erzeugnisse.

Ein Uebelstand von Belang, dermit dem Strome verbunden ist, liegtin den Sinkstoffen, die er mit sichführt. Der Boden der Wolga bestehtdurchwegs aus Flugsand, welcher, vonden Fluthen fortbewegt, die mannig-fachsten Veränderungen in den Tiefen-und Uferverhältnissen nach sich zieht,welche der Schifffahrt Hindernisse bereiten. Ein zweiter Uebelstand sind die mitunglaublicher Heftigkeit ’wüthenden Stürme, welche die Stromfluthen haushoch auf-thürmen.

Bei Zarizin spaltet sich die Wolga in zwei fortan getrennteFlussläufe, welche noch immer einen Weg von 375 Kilometernzurückzulegen haben. Der Nebenarm heisst Achtuba. Dasganze Gebiet des Doppelstromes ist Steppe oder Sumpfland.Zahlreiche Wasserarme ^durchkreuzen den Raum zwischenbeiden Flussläufen. Das eigentliche Wolga-Delta beginnt nureine kurze Strecke oberhalb von Astrachan, also etwa 75 Kilo-meter vom Rande des Kaspi-sees entfernt. Ausser den Ar-men mit fliessendem Wasserfindet man im Wolga-Deltaauch ausgetrocknete Bettenin grosser Zahl, deren sichvielfach verzweigende Rin-nen beweisen, dass das Deltaeinst von einem ungleichcomplicirteren Netzwerk vonW asseradern durchzogenwar. Das Delta ist fortgesetztim Wachsen begriffen, undzwar ebenso in Folge dermächtigen Ablagerungen vonSinkstoffen als wegen desfortgesetzten Sinkens desKaspisees. Dadurch tretendie Wolga-Alluvien immermehr über den Wasserspiegelhervor.

Von Kostroma ab ist dieWolga mit dichten Wäldern bestan-den. Die gebahnten Wege, durchwelche die einzelnen Ortschaften mit-einander in Verbindung stehen, be-stehen meist aus sogenannten Knüp-peldämmen. Eine Strecke weiter liegtdie berühmte Messstadt Nischnij-Nowgorod, wo die Oka sich in dieWolga ergiesst. Von hier ab erhebensich die Ufer und bei Kasan erhaltensie bereits ein malerisches Gepräge.

Unterhalb von Kasan nimmt derStrom die Kama auf. Sie ist ein ge-fährlicher Strom, mit vielen Untiefenund von heftigen Stürmen heimgesucht.

Die bergigen Ufer reichen bis Zari-zin. Bei Sys ran wird die dortselbst1500 Meter breite Wolga von einergrossartigen Eisenbahnbrücke gequert.

Die Brücke ist — da sie über dasganze Inundationsgebiet führt — ioKilometer lang, also eine der läugstenBrücken der Welt.

Zum Wassergebiete desKaspisees gehören noch: dieKuma, welche am Nord-hange des Kaukasus ent-springt, und der Terek,

Ein Wolgahafen.

Wald an der Wolga.

dessen Quellen am Kasbek-stock liegen. Er hat ein sehransehnliches Delta und meh-rere wasserreiche Zuflüsse;

Seen. Wie bereits er :wähnt, hat Russland in sebnem nördlichen Theile diegrössten Landseen Europas.Der bedeutendste ist der La-dogasee (18.130 Quadrat-kilometer Fläche), der grössteSee unseres Erdtheiles. Ihmzunächst kommt derOnega^see mit 9752 Quadratkilo-meter W asserfläche und einer1 i 7 QuadratkilometergrossenInsel. Andere grössere Seensind: derPeipus-, derllmen-und Weisse See, die beidenletzteren im GouvernementNowgorod, u. a. m. Bemer-kenswerth ist der grosse Salz-see Elton auf der Ostseiteder unteren Wolga. Ausser-dem giebt es zahlreiche kleinere Salzseen und Strandseen,welche eine unermessliche Menge Salz liefern. — Zu erwähnenist noch die Finnische Seenplatte (das „Land der tausendSeen 77 ), ein niedriges Granitplateau, bedeckt mit noch unent-wickelten Flusssystemen und Wasserfällen, hauptsächlich aberWasserspiegeln in enormer Zahl. In Lappland befindet sich derziemlich bedeutende See Enare.

Canäle. Das europäische Reich hat das grösste Canal-system Europas. Sein Gründer war Czar Peter I., in dessenSinne die Arbeiten von seinen Nachfolgern fortgeführt wurden.

Man unterscheidet ein drei-faches Canalsystem, wel-ches auf drei verschiedenenWegen die Ostsee mit demKaspisee verbindet. — Diewichtigsten Canäle sind:1. der Canal von Wischnij-Wolotschok, welcher dieWolga mit der Newa ver-bindet. — 2. Der Marien-canal, mit gleicher Verbin-dung, und 3. der Tichwin-sche Canal, welcher dieWolga mit dem Ladogasee(aus welchem die Newa ent-strömt) verbindet. — DerLadogacanal verbindet diedreigenanntenCanalstrassen.— Eine künstliche Wasser-strasse von grosser Bedeu-tung ist der Jekaterinen-canal. Er verbindet dieKama (Nebenfluss derWolga)mit der in die Dwina strö-menden Wytschegda, ver-bindet also das Weisse Meermit demKaspisee. Einezweitesolche Verbindung stellt derKubenische Canal her. —Die Verbindung zwischen derOstsee und dem SchwarzenMeere endlich wird durchfolgende Canalstrassen be-wirkt: durch den Beresina-canal (zwischen Düna undDnjepr); den Ogniskicanal(zwischen Njemen und Pripet-Dnjepr); den Königscanal(zwischen Bug und Pripet).— Andere Canäle sind vonblos localer Bedeutung.

Klima. Wir haben bereitserwähnt, dass das europäi-sche Russland in seinerNord-südausdehnung alle europäi-schen Klimate vertreten hat.