E. Osteuropa. — Das russische Reich.
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Zusammenfluss der Oka und der Wolga bei Nischnij-Nowgorod.
Grösse. Von der Ausdehnung des russischen Reiches be-kommt man erst durch Ziffern die richtige Vorstellung. DasGesammtreich umfasst 22,116.143 Quadratkilometer; hiervon ent-fallen auf:
1. das europäische Russland (Stammland) . 4,888.714 Q.-Km.
2. das Königreich Polen. 127.310 „
3. Finnland (in Personalunion mit Russland) 373.604 „
zusammen . 5.389.628 Q.-Km.
4. das asiatische Russland (ohne Kaspisee [439.418 Q.-Km.] und
Aralsee [66.998 Q.-Km.]).16,726.515 Q.-Km.
Ausserdem stehen in Asien Gebiete in der Ausdehnungvon circa 297.000 Quadratkilometern unter russischem Einfluss.
Küstenumrisse siehe S. 51, 52 und 54.
Bodengestalt siehe S. 56, 57 und 60.
Die hydrographischen Verhältnisse Russlands sind, demgewaltigen Erdraume entsprechend, von grossartiger Gestaltung,namentlich was das Flussnetz anbetrifft, welches die grösstenStröme des Erdtheils in sich begreift. Die grossen Seen inNordrussland gehören gleichfalls zu den grössten von Europa.
Flüsse. Sie gehören vier Wassergebieten an: dem nördlichenEismeere, der Ostsee, dem Schwarzen Meere und dem Kaspisee.
1. In das nördliche Eismeer münden:
Die Petschora (1560 Kilometer Lauflänge), welche amUral entspringt, die Wüsteneien der Gouvernements Wologdaund Archangelsk durchfliesst und die Ussa als grössten Neben-fluss aufnimmt. — Die Dwina (1220 Kilometer Lauflänge),welche aus der Vereinigung der Suchona und Wytschegdaentsteht. — Die Onega, unweit des gleichnamigen Sees ent-springend, und der Mesen. Letztgenannte Flüsse münden indas Weisse Meer, welches nichts Anderes als ein Abschnittdes Arktischen Oceans ist.
2. In die Ostsee münden:
Die Torneä, welche eine Strecke weit die Grenze zwischenRussland und Schweden bildet. — Die Newa, Abfluss desLadogasees, von kurzer Lauf länge aber beträchtlicher Wasser-menge. Sie mündet in den Finnischen Meerbusen, dort, wo sichSt. Petersburg ausdehnt. — Die Düna (840 Kilometer Lauf-länge), welche unweit der Wolgaquelle im GouvernementTwer entspringt. Die Nebenflüsse sind unbedeutend. —
Der Njemen (704 Kilometer Lauf länge); der Unterlaufgehört zum Deutschen Reich. — Die Weichsel (1050 Kilo-meter Lauf länge), im Oberlaufe zu Oesterreich-Ungarngehörend, durchströmt das Königreich Polen, tritt imUnterlaufe in das Deutsche Reich ein und mündet miteinem Arme in das Frische Haff (vgl. S. 104). Der be-deutendste Nebenfluss ist der Bug (rechts); ausserdemPilica und Bzura (links).
3. In das Schwarze Meer münden:
Der Kuban (651 Kilometer Lauf länge), der am Nord-hange des Kaukasus entspringt und sich mit einem an-sehnlichen Delta in das Azow'sche Meer ergiesst. — DerDon (1700 Kilometer Lauf länge), der fünftgrösste StromEuropas, dessen Hauptnebenfluss (rechts) der Donez ist.Andere Zuflüsse sind (links): Woronesch, MedweditzaundManytsch, letzterer in Ciskaukasien. Dieser wird voneinigen Geographen als natürliche Grenzlinie Europas(statt des Kaukasus) angenommen. Der Don mündet unter-halb Stari Tscherkask in das Azow'sche Meer. — DerDnjepr (2000 Kilometer Lauf länge), der viertgrösste Strom
Europas. Er entspringt aus den Sümpfen am südlichenAbhange des Wolchonskywaldes (unweit der Wolgaquelle),fliesst anfangs südlich, dann in einem grossen Bogennach Westen, sodann abermals südlich, zuletzt mit einemscharfen Bogen nach Osten ausgreifend. Er durchströmtGross- und Kleinrussland, hat ein starkes Gefälle mit zwölfSchnellen, wird bei Cherson schiffbar und mündet in dentiefen Liman, der nach dem Dnjepr den Namen hat (un-weit von Odessa). Seine Breite wechselt zwischen 100 und400 Metern. Das Gebiet, welches er entwässert, ist nahezuso gross wie das Deutsche Reich. Von seinen Nebenflüssendurchfliesst der Pripet die ungeheuren, meist mit un-betretenen Waldungen bedeckten Rokitnosümpfe imnördlichen Wolhynien. Andere Nebenflüsse sind (rechts):Beresina, Teterew; (links): Desua, Sula, Psiol, Wors-kla und Orel. — Der Dnjestr (1050 Kilometer Lauflänge),der aus Oesterreich-Ungarn kommt. Zwischen Dnjepr undDnjestr fliesst der Bug. — Russland hat auch Antheil an derDonau, und zwar an deren nördlichem Delta-Arm (Ast vonKilia). Der Donau gehört auch der Grenzfluss Pruth'an.
4. In den Kaspisee münden;
Der Ural (auch Jaik genannt, 2328 Kilometer Lauf-länge), eigentlich ein asiatischer Strom. Er - entspringt am Ost-hange des nach ihm benannten Gebirges. Seine wichtigstenNebenflüsse sind: die Sakmara (rechts) und der Ilek (links).— Die Wolga (3183 Kilometer Lauf länge), der grösste Stromunseres Erdtheils, von den ural-altaischen Völkern „Itil” (oderAtel) genannt, mit einem ungeheueren Stromgebiete von 1,460.000Quadratkilometern.
Die Wolga ist die wichtigste Verkehrsader für einen grossenTheil des europäischen Russland. Von der Gesammtlänge desStromes sind fast vier Fünftel schiffbar. Es giebt wohl keinenzweiten Fluss in Europa, den das Volk so liebt, wie das russischeseine Wolga, denn es nennt sie mit wahrhaft kindlicher Zärtlich-keit „Matjuschka, Kormilitza” — Mütterchen, Ernährerin. Invielen grossrussischen Liedern wird die Wolga gepriesen undverherrlicht. Sie entspringt in der Waldaihöhe im Gouverne-ment Nowgorod. Auf ihrem langen Laufe nimmt die Wolgamehrere bedeutende Nebenflüsse auf. Die bedeutendsten sind(rechts): Oka und Sura, dann (links): Twerza, Mologa,Scheksna, Kama (mit der Wjatka und Bjelaja) und Samara.Die Sura hat eine Lauflänge von fast 580 Kilometern und führtdem Hauptstrome eine ungeheuere Wassermenge zu. Doppeltso lang ist die Oka, noch bedeutender aber die Kama, dieeine Lauf länge von ungefähr 1580 Kilometern hat und derWolga so bedeutende Wassermengen zuführt, dass diese ge-zwungen wird, ihre westöstliche Richtung zu verlassen undsich nach Süden zu wenden. Um sich von der Wassermengeder Wolga nach Aufnahme ihrer Nebenflüsse eine richtigeVorstellung zu machen, genügt zu erwähnen, dass ihre Breiteim mittleren Laufe während des Sommers durchschnittlich 5,häufig aber auch 10 Kilometer, ihre Tiefe bis 30 Meter beträgt.Während des Hochwassers bildet der Riesenstrom (namentlichim Unterlaufe) einen See von 25 bis 30 Kilometern Breite..
Die ungeheure Länge der Wolga, bei ihrer aussergewöhnlichen Tiefe, hattesie schon in grauer Vorzeit zur Hauptverkehrsader des Landes gemacht. Die wildenVolksstämme mussten erkennen, dass sie die Wolga nährte, denn sie bot nicht alleindurch ihren Fischreichthum die Möglichkeit, sich auf leichte, fast gefahrlose Weisereichlich mit Nahrungsmitteln zu versorgen, sondern sie befruchtet auch die Gegenden,durch welche sie strömt. Dies mussten die Völker sofort wahrnehmen, als sie mit
Steppe am Dnjepr.
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