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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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E. Osteuropa. — Das russische Reich,

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Der Kreml in Moskau.

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befestigt, mit Schiffswerften, Docks, Marinekaserne und Ge-schützgiesserei versehen. Die Aussenforts sind grösstentheilsauf Pfählen erbaut. Steuermannsschule, Station der russischenOstseeflotte.

Schlüsselburg (8000 Einwohner), an der Newa, wo diese aus dem Ladoga-see tritt, gelegen, mit isolirter Citadelle auf einer kleinen Insel. Schifffahrt undFischereibetrieb sind von Bedeutung. — Narwa (7000 Einwohner), ehedem starkeFestung, jetzt rege Handelsstadt. Sieg Karl’s XII. von Schweden über dieRussen (1700). — Jamburg (9500 Einwohner), gewerbthätiges Städtchen. —Sestrabeck, mit grosser Gewehrfabrik. — Ochta, eine Zimmermannsnieder-lassung, dicht - bei St. Petersburg. Hier befindet sich eine der grössten Pulver-fabriken des Reiches.

2. Die Ostseeprovinzen.

Die sogenannten „deutschen” Ostseeprovinzen Russlands waren durch fastsieben Jahrhunderte Herrschaftsbesitz des deutschen Ordens (Esthland) und desOrdens der Schwertbrüder (Livland und Kurland). Esthland und Livlandkamen zuerst an Schweden und 1721 an Russland, während Kurland erst 1795,nachdem es zuvor unter polnische Lehenshoheit getreten war, an Russland fiel.

— Da die nichtdeutsche Bevölkerung der drei Provinzen über 1,700.000 Köpfezählt, die deutsche aber nur 200. OÖO, ist die landläufige Bezeichnung jener Länderals „deutsch” nicht begründet. Esthland wird von Estken, Livland in der nörd-lichen Hälfte von Liven, in der südlichen von Lithauern und Letten bewohnt.Die ersteren zwei Völker sind tschudischen Stammes, die letzteren zwei sind denSlaven nahe verwandte Bruderstämme.

Der landschaftliche Charakter der drei Provinzen ist der weitgedehnterEbenen mit Sümpfen, Mooren, Wäldern und einzelnen Gebieten mit Acker- undWiesengründen. Die fruchtbarsten Theile besitzt Kurland, die unfruchtbarstenEsthland. Dieses ist wie besäet von erratischen Blöcken, den Sinkstoffen der nordi-schen Treibeismassen und Schüblingen der Gletscher aus der Eiszeit, beziehungs-weise aus der hierauf gefolgten Abschmelzungsperiode. Livland ist von unzähligenSeen bedeckt. — Gouvernements: Esthland, Livland, Kurland.

Die Hauptstadt von Esthland ist Reval (51.000 Einwohner),mit wichtigem Hafen, welcher einem Theile der russischenhlotte als Station dient, und mit besuchtem Seebad. Bemer-kenswerth sind die Ritterkirche und das Schloss, welche beideauf einem schroffen Felsen liegen. Die Olaikirche hat einenweithin sichtbaren altgothischen Thurm. Der Handel Revalsist sehr bedeutend.

Archangel.

Hauptstadt von Livland ist Riga (169.000 Einwohner),am rechten Ufer der Düna, unfern ihrer Mündung in dieOstsee, mit vortrefflichem Hafen. Die Stadt hat schöneGebäude, aber enge Strassen Bemerkenswerth sind: dergothische Dom, die Peterskirche mit dem höchsten ThurmeRusslands (143 Meter hoch), das Schloss der Ordensmeister,das Rathhaus, die Börse, der Kaufhof, das Arsenal u. s. w.Ueber die Düna führt eine 745 Meter lange Eisenbahn-brücke mit acht Pfeilern und eine 720 Meter lange Floss-brücke. Der Fluss ist von Anfang November bis Ende Märzmit Eis bedeckt. Riga ist eine der stärksten Festungendes Reiches und dessen zweitwichtigste Seehandelsstadt(Odessa geht voran). Viele wissenschaftliche Gesellschaftenund Studienanstalten.

Dorpat (30.000 Einwohner), die zweitgrösste Stadt Livlands, bildetden geistigen Mittelpunkt der deutschen Bevölkerung. Die Stadt war einstein Glied des hanseatischen Bundes. Hervorragende Universität. Die Stern-warte besitzt einen berühmten Frauenhofer’schen Refractor. Unter denmancherlei hervorragenden Gebäuden sind zu nennen: der hallen geschmückteKaufhof, das Museum und die neue russische Kirche. — Pernau (13.OOOEinwohner), wichtige Hafenstadt am Rigaischen Meerbusen, mit lebhaftemHandel. Festes Schloss.

Hauptstadt von Kurland ist Mitau (24.000Einwohner),in sumpfiger Ebene gelegen, mit dem Schloss der ehemaligenHerzoge von Kurland. Ziemlich ansehnliche Handelsthätigkeitund grosser Jahrmarkt.

Libau (11.000 Einwohner), handelsthätige Seestadt mit gutem Hafen. —Windau (4200 Einwohner), an der Mündung des gleichnamigen Flusses; Holz-handel. — Goldingen (4900 Einwohner), einst Sitz des deutschen Ordens-comthurs, gut gebaute Stadt an der Windau, mit altem Schlosse. Starke Fischereiund Branntweinbrennerei. — Jakobstadt (4600 Einwohner), Lederfabrikation.

Astrachan.

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3. Westrussland.

Dieses Gebiet umfasst Lithauen, Wolhynien und Podolien, beziehungs-weise die Gouvernements: Witebsk, Wilna, Kowno, Grodno, Minsk, Mohilew, Wol-hynien und Podolien. Es erstreckt sich zwischen dem Königreich Polen im Westen,den Ostseeprovinzen im Norden, Grossrussland im Osten, Galizien und dem oberenDnjestr im Süden. Das Gebiet ist in seinem mittleren Theile von den un-geheueren Rokitnosümpfen (am Pripet) erfüllt, besitzt aber auch ertrags*reichen Ackerboden, sowie ausgedehnte Wiesengründe und Wälder.

Die hervorragendste Stadt ist Wilna (94.000 Ein-wohner), einst Hauptstadt des Grossherzogthums Lithauen,in hügeliger Gegend und von malerischer Lage. DieSanct Stanislauskathedrale (mit dem 1500 Kilogrammschweren silbernen Sarge des heil. Kasimir) ist eine derschönsten Kirchen des Reiches. Das alte Schloss derGrossherzoge ist in eine Citadelle umgewandelt worden.Besonders bemerkenswerth sind mehrere Kirchen vonbedeutender Grösse, dann das Schloss der Jagellonen,viele Privatpaläste polnischer Geschlechter, das Rathhaus,das Zeughaus. Wilna ist ein bedeutender Stapelplatz fürden westrussischen Binnenhandel.

Kowno (43.OOO Einwohner), Gouvernementshauptsladt, am Njemengelegen, mit bedeutendem Handel. Schönes Rathhaus. — Grodno (35.OOOEinwohner), mit neuem Schloss. — Brest-Litowsk (40.000 Einwohner),stark befestigte Stadt mit blühendem Handel. — Bielostok (37.000 Ein-wohner), sehr regelmässig gebaute handejsthätige Stadt mit schönem Schlosse.— Witebsk (41.000 Eimvohner), an beiden Ufern der Düna, Tuchfabrika-tion. — Dünaburg (65.000 Einwohner), stark befestigte Stadt mit gross-artigem Brückenkopf. Handel, Schifffahrt und Schiffbau. — Mohilew (42.000

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