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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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E. Osteuropa. — Das russische Reich.

Andere Hauptstrassen sind: die beiden „Morskaja”, die „Admi-ralitätsstrasse”, die „Millionenstrasse” u. s. w. — Die vorzüg-lichsten Plätze sind: der Palastplatz, zwischen dem Winter-palast und dem Generalstabsgebäude; der Admiralitäts- undder Schlossplatz; der Petersplatz, auf welchem sich dasErzbild Peter’s des Grossen auf ungeheuerem Granitblockeerhebt. Hier steht auch die herrliche Isaakskirche. Auf demRumanzowplatze steht das Denkmal (Obelisk aus grünemMarmor) des Grafen Rumanzow, auf dem Marienplatze dasReiterstandbild des Kaisers Nikolaus. Am Ende des Mars-feldes erhebt sich die Statue Suwarow's.

Dank der gewaltigen Strombreite der Newa besitztSt. Petersburg unter allen europäischen Residenzstädten dieschönsten Brücken. Die grossartigste ist wohl die granitene„Newabrücke” mit den kolossalen thebanischen Sphinxen. Diezweitschönste Newabrücke ist die „Blagowjeschtschenski’scheBrücke” (auch Nikolaibrücke genannt). Die „ Anitschkin’scheBrücke” über den Fontankacanal ist mit vier bronzenen Pferdengeziert.

St. Petersburg besitzt eine grosse Zahl der vorzüglichsten öffentlichen Bauten.Hierzu zählen: die ungemein weitläufige Admiralität, deren vergoldete Thurm-spitze weithin sichtbar ist; im Inneren befinden sich grossartige Schiffswerften undein interessantes Marinemuseum. Die Akademie der bildenden Künste zeigt sichim Schmucke einer gewaltigen Minerva und zweier Sphinxe. Sehr wirkungsvoll ist

Kronstadt.

auch die Börse, ferner die Akademie der Wissenschaften, das Senats-gebäude, das Rathhaus, das Alexander-Theater, der Generalstabspalast(gegenüber dem Winterpalast) mit der 25*5 Meter hohen granitenen „Alexander-Säule” davor. Der weitläufige Kaufhof (Gostinoi dwor) enthält nicht weniger als350 Kaufläden, das prachtvolle neue Arsenal eine werthvolle Sammlung vonWaffen und Fahnen. Das alte Arsenal (aus der Zeit Katharina’s II. stammend)enthält eine Kanonengiesserei und eine Waffenfabrik. Ausserdem wären noch zahl-reiche andere öffentliche Gebäude zu nennen.

Unter den Kirchen von St. Petersburg ragen hervor: die Kasan’scheKathedrale in der Newski-Perspective und die aus Marmor und Granit aufgeführteIsaakskirche, mit hoher Kuppel und vier Säulenhallen — wohl der schönsteKirchenbau Russlands. Die Peter-Paulskirche (in der gleichnamigen Citadelle)enthält die Gruft der kaiserlichen Familie. Einen merkwürdigen Schmuck besitzt die„Preobraschenskij-” (Verklärungs-) Kirche: 300 französische und türkische Kanonenin ihrem Hofe. Andere Kirchen sind: die dem heil. Nikolaus, heil. Simeon und derVerklärung Christi geweihten. Das vor den Thoren der Stadt gelegene AlexanderNewski-Kloster ist merkwürdig wegen seines ungeheuren Umfanges und das Grabseines Patrons.

An wissenschaftlichen Anstalten, Sammlungen,Instituten u. s. w. ist die Czarenstadt so reich wie irgendeine andere europäische Grossstadt. Neben der Universität undmehreren militärischen Hochschulen glänzen: das Institut desIngenieurcorps, die Akademie der schönen Künste, die Schuledes Bergcadettencorps, in deren Mineraliencabinet sich selteneund kostbare Stücke befinden (ein, Malachitblock im Werthevon 125.000 Rubeln, eine Goldstufe von 100.000 Rubeln und einPlatinstück von 30.000 Rubeln); das orientalische Institut undzahlreiche Mittel- und Fachschulen. Auch die gelehrten Ge-

sellschaften sind sehr zahlreich. Unter den vielen Biblio-theken steht die kaiserliche öffentliche Bibliothek (850.000 Bände,28.536 Manuscripte und 75.000 Kupferstiche, Karten etc.) obenan.In der Eremitage befindet sich eine kleine Bibliothek von 15.000Bänden, welche insgesammt in russischer Sprache abgefasstsind, in der Akademie der Wissenschaften eine kostbare Samm-lung von orientalischen Handschriften, in der älteren Stern-warte der berühmte „Gottorp’sche Globus” (3*4 Meter Durch-messer). Von unschätzbarem Werthe sind die Kunstsammlungender Eremitage, wohl zu den reichsten Europas zählend. Nebenden zahlreichen Gemälden enthalten diese Sammlungen bei12.000 Handzeichnungen und circa 200.000 Kupferstiche. Zuden Specialitäten zählen die altrussischen und skythischenSammlungen des Taurischen Palastes (auch Sculpturen-museum), die orientalische Münzensammlung im asiatischenMuseum (die reichste dieser Art in der Welt), die mineralo-gischen Sammlungen des kaiserlichen Bergwerksinstitutes undvieles Andere.

St. Petersburg ist die erste Handelsstadt des Reiches undnächst Moskau die zweite Industriestadt desselben. Man zähltbei 650 Fabriken, welche circa 47.000 Arbeiter beschäftigen.Der Werth aller Erzeugnisse beläuft sich auf fast 100 MillionenRubel jährlich. Die wichtigsten Branchen sind: Spiegel, Krystall-

glas, Gobelins, Porzel-lan, Leinen, Bronzen,Maschinen u. s. w.

Die Umgebung von St. Pe-tersburg ist in landschaftlicherBeziehung mehr als bescheiden.Das Land ist flach wie eineTischplatte und jeder Hügelwird in der Phantasie der Be-völkerung zu einem Berge. DieVegetation wuchert nirgendsüppig; wo aber der Wald vonaltersher besteht und wo dieTriebkraft des Bodens von derlangen rauhen Jahreszeit nichtnachtheilig beeinflusst wird, hatman ausgedehnte Parks ange-legt, welche die einzige land-schaftliche Zierde im Bereicheder Czarenresidenz sind. DieInseln der Newa, die nörd-lichen Ufer derselben, vor Allemaber die Südküste des Fin-nischen Meerbusens, wim-meln von Sommersitzen, Villen,Schlösschen und Cottageanla-gen. Dampferrouten und Eisen-bahnlinien vermitteln den sehrregen Verkehr zwischen diesenAnsitzen und der Stadt währenddes Sommers und des Herbstes.Als Markpunkte in dem Meerevon Landsitzen stehen die kai-serlichen Lustschlösser.Ihre ausgedehnten herrlichenParks sind dunkle Waldinselnin der schmucklosen Ebene. DerResidenz zunächst liegt das kai-serliche LustschlossTschesma,in welchem sich eine merkwürdige Galerie der Monarchen Europas befindet. Einstkaiserliches Schloss, dient das Gebäude schon seit fünfzig Jahren als Militärversor-gungsanstalt. — Demnächst folgt die berühmte Sternwarte Pulkowa und weiterCzarskoje Selo, mit zwei kaiserlichen Schlössern und grossem Parke. Letzterer istmit künstlichen Felsen, Ruinen, Tempelchen und Pagoden geschmückt. In einerSchiffswerfte (mit künstlichem Bassin) befindet sich eine Halle mit den Modellen allererdenklichen Schiffstypen der seefahrenden Nationen. Das grössere Schloss zeichnetsich namentlich durch die Pracht seiner Räumlichkeiten aus. Der Prunksaal mitden Lapis Lazuliwänden, die Marmorgalerien mit den Bronzebüsten der berühmtestenMänner des Alterthums und der ungeheuere Ballsaal sind besonders bemerkenswert!!.

Unweit von Czarskoje Selo liegt Gatschina, die Lieblingsresidenz des KaisersAlexander III. Das Schloss hat ein gefälliges Ansehen, ist aber im Inneren von ge-ringerem Interesse, als beispielsweise das an der St. Petersburger Bahn gelegenePawlowsk mit dem berühmten Cabinet de r£union, wo alle Geräthe und Ver-zierungen von kaiserlichen Prinzessinnen gearbeitet sind. — Der grösste kaiserlicheSommersitz'ist Peterhof, am Finnischen Meerbusen. Es ist das russische Versaillesmit genauer Nachbildung all des Schnickschnacks, welchen die barocke Gartenkunstersonnen hat. Peterhof ist kein einzelner Palast, sondern eine ganze Gruppe vonGebäuden und Anlagen. „Monplaisir”, „Marly”, „Eremitage” und „Alexandria” sindeinzelne Lustschlösser, die zu den geräumigen Anlagen von Peterhof gehören. Dasschönste aber sind die drei Parks mit ihren Terrassen und Treppen und den be-rühmten „Wasserkünsten”. — Eine Strecke weiter östlich am Finnischen Meerbusenliegt Strjelna, wo sich gleichfalls ein kaiserliches Lustschloss befindet. Allenthalbenschauen über die dunkelgrünen Wipfel helle krönten von Schlösschen oder die Holz-giebel der Cottageanlagen. — Westlich von Peterhof liegt die kaiserliche VilleggiaturOranienbaum.

Im Gebiete von Ingermanland befinden sich noch: Kron-stadt (48.000 Einwohner), auf einer Felsinsel im FinnischenMeerbusen gelegen, erster Kriegshafen des Reiches, sehr stark