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Uebersicht.
Chinesischer Segelwagen.
puppt. Das Wort „Paradies” ist ohnedies eranischen Ursprungs und heisst hierParadhika, d. i. „umschlossener Hain”.
Die weiteren Anknüpfungen sind wahrhaft überraschend: sie führen uns directnach Indien. Bekanntlich erwähnen Bibel und Keilschrifttexte die Paradiesesflüsse„Pischon” und „Hawila”. Pischon — payasvan, der „milchreiche” — ist der Gangesund Hawila (sanvira) ist das westliche Indien, vermuthlich gleichbedeutend mit demGoldlande „Ophir” der salomonischen Ueberlieferung. Bemerkenswerth aber ist, dassder Paradiesesmythus in Indien nicht bestand, so lange dieses nur von der Ur-bevölkerung besiedelt war. Eingang hat der Mythus durch die arischen Inder ge-funden, welche in einer näher nicht bestimmbaren Zeit die Gebirge des westlichenHochasien überschritten und sich zunächst im oberen Industhale niederliessen. DieVorstellung von diesem Whnderzuge hat sich im ältesten Schriftthum der Inder er-halten. Manu, der Stammvater der Menschen und des arischen Geschlechts — derglücklich aus der Sintfluth Gerettete — überschritt, als die Wasser gesunken waren,das „nördliche Gebirge”. Im Norden dieses Gebirges lag das „Land der Glück-seligkeit”.
Es frägt sich nun, was damit gemeint war. Eine allgemein bekannte, neuer-dings durch sprachliche Untersuchungen erhärtete Anschauung lässt die „arischenStämme” (oder wie man sie früher nicht genug scharf bezeichnend nannte: die Indo-germanen) gemeinsam im Inneren Asiens, wahrscheinlich nördlich des Hindukuschzwischen Oxus und Iaxartes und in den Quellländern des Indus und Hilmend, wohnen.Das liebliche Kaschmir ist noch heute ein Paradies auf Erden, und das gemässigteKlima des südlichen Turkestan erweist sich als geeignetste Urheimat jener Völker,welche nachmals — wie die Kelten, Germanen, Slaven, Gräko-Italiker — nachEuropa ausgewandert sind.
enn man auf einer Karte den Erdtheil Asien betrachtet, erkennt man sofort, dassihm — im Vergleiche zu Europa — einzig und allein die Bedeutung als „Con-tinent” zukommt. Europa giebt sich, wie bereits einmal erwähnt, nur als diewestlichste peninsulare Fortsetzung des asiatischen Welttheiles. Mit der territo-rialen Angliederung hängt auch die Entwickelung des Völker- und Culturlebenszusammen, denn weit früher als unser Ertheil hat Asien mächtige Reiche er-blühen und bereits wieder verschwinden gesehen, ehe im fernen Westen der„alten Welt” die Nebel einer unerforschten, in Bezug auf die Bewohner jeden-falls die tiefste Stufe der Gesittung einnehmenden Vorgeschichte sich aufzuhellenbegannen.
Der asiatische Welttheil repräsentirt die grösste Festlandsmasse und seine Natur ist jedenfalls dieimposanteste und mannigfaltigste, welche unser Planet aufzuweisen hat. Dazu kommt, dass wir in Asiendie Wiege des Menschengeschlechts erkennen dürfen. — Die Forschung hat ergeben, dass auf einemgrösseren Erdraume, z. B. der alten Welt, die sagengeschichtlichen Ueberlieferungen eine gleichartige Färbunghaben, also nothwendigerweise gleichartigen Ursprungs sein müssen. Auch die antiken Religionen weiseneinen solchen inneren Zusammenhang auf. Der lange als isolirt gehaltene hellenische Götterhimmel wurzeltmit seinen Personificationen in denselben Kosmogonien und Theogonien, welche den Indern und Eraniern,den Assyrern und Aegyptern, ja sogar den alt-nordischen Völkern Europas ihre unsterblichen Schicksals-lenker gegeben hatten. Solche Thatsachen können heute, nachdem die Gesetzmässigkeit in der Fort-gestaltung aller Lebenserscheinungen durch unzählige Beweise erhärtet ist, Niemanden mehr überraschen.Die Entwickelungsgeschichte kennt kein sprungweises Vorgehen, und nachweisbar hat ja auch der Mensch,soweit man seine Erdenexistenz nach rückwärts verfolgen kann, allmählich, aber stetig aus den rohestenZuständen sich herausgearbeitet.
Zunächst hat die epigraphische Forschung (namentlich die Entzifferung der Keilschrifttexte) ergeben,dass die Bibel in Bezug auf die Schöpfungsgeschichte, das Paradies, die Sintfluth u. s. w. an chaldäischeVorbilder sich gehalten hat. Die Chaldäer aber waren — wie alle alten Culturvölker — „Wandervölker”,d. h. die Sitze, in welchen sie ihre Civilisation erlangten, sind nicht zugleich ihre ursprünglichen Heimsitze.Wenn die Bibel also die Ursagen der Menschheit aus chaldäisch-assyrischen Urtexten entlehnt hat, fragt essich, ob diese letzteren nicht gleichfalls eine ältere Provenienz aufzuweisen haben. Da auch die Semiten einaus Inner-Asien ausgewandertes Volk sind, ist es erlaubt, weiter nach Osten zu rücken. In der That treffenwir auf dem Boden Erans nach urparsischer Vorstellung dieselben Schöpfungssagen, so dass also dasassyrisch-babylonische Schöpfungssystem sich als ein Niederschlag eranischer genetischer Vorstellungen ent-
In der That liegen hier die Wurzelstöcke einer Völkergemeinschaft, welchebeweiskräftig genug sind. Wenn die arischen Inder pätär (pitar) für Vater, mätar fürMutter, swästar für Schwester, bhrätar für Bruder sagten, ergiebt sich die Schluss-folgerung auf die lautliche Aehnlichkeit dieser Whrte in den jetzigen arischenSprachen Europas von selbst. Die altindische oberste Gottheit djäus erkennen wirim Griechischen „Zeus”, den djäus-pitar („Gott-Vater”) im Lateinischen „Jupiter”wieder. Das vedische Angiras entspricht dem griechischen Angelos, dem deutschen„Engel” u. s. w. Nach Aryana — dem Lande der Arier — gehen also die ältestenund allen arischen Völkern gemeinsamen Erinnerungen zurück.
Das Festland von Asien liegt noch ganz auf der nörd-lichen Halbkugel und greift nur mit dem ostindischenArchipel auf die südliche über. Die Nordspitze Asiens
das Cap Tscheljuskin — liegt 77° 43’5' Nordbreite, dieSüdspitze — das Cap Buru — i° 5' nördlich vom Aequator.Der Südrand Javas reicht aber noch bis zum 9. 0 Südbreite.— Die Westspitze ist Cap Baba (am Südeingange zu denDardanellen) unter 26° Ostlänge; da das Ostcap derTschuktschenhalbinsel sich bis 190*5° Ostlänge erstreckt, sindbeide Punkte um 164 Längengrade von einander entferntund beträgt der Zeitunterschied zwischen beiden äusserstenPunkten 4 Minuten weniger als 11 Stunden, also fast einenTagesbogen.
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