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Asien. Allgemeine Uebersicht.
Küstenumrisse und Inseln.
Golf von Iskanderun (Syrien).
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Kanaan”. Da giebtes Myrten und Gra-naten, Platanen, ver-einzelte Palmen, Fei-gen- und Olivenhaine.
In dersonnigenEbeneliegen Hirtendörferund dazwischen wei-den die Heerden hartan den Ufern desmelodisch dahinströ-menden Flusses. ImHintergründe streichtder imposante Haupt-zug des Taurus, biszu 3500 Meter hohenGipfeln ansteigend,auf seinen TerrassenWaldungen von Ce-dern und Schwarz-föhren tragend.
Die Küste gehtwestwärts zunächstin die mit Ruinenförmlich besäete Ge-stadeebene von Ada-lia über; die Stadtliegt imHintergrundedes gleichnamigenGolfes und hat west-wärts das rauhe Al-penland Lykien, mitSteilufern und Klip-pen, zur Seite. Vom Cap Chelidonia geniesst man einenüberraschend schönen Ausblick auf das imposante, in Terrassenaufsteigende Hochland.
Jenseits dieses Hochlandes treten wir in das eigentlicheCulturgebiet von Kleinasien ein. Es sind die Gestade, welcheden griechischen Inseln und Küsten zugekehrt sind. Vielfachdurchbuchtet, besitzt die Westküste von Kleinasien prachtvolleNaturhäfen, von denen freilich einige durch den Erhebungs-process der Küsten versandet sind oder vollends trocken liegen,wie der Hafen von Milet. Die schönsten Golfe sind jene vonKo, Mendelia, Scalanuova und Smyrna, Bergama undEdremit. Grosse, schlammreiche Flüsse — wie der Menderes,der Gedis — tragen gleichfalls dazu bei, das Uferwasser zuverseichten. Die intensive Deltabildung des Gedis, der in denGolf von Smyrna mündet, droht sogar letzteren ganz ab-zuschnüren und den Golf in einen Binnensee zu verwandeln.
Der Südküste von Kleinasien liegen nur zwei Inseln vor, das grössere Cypernund das kleinere Rhodos. Die Westküste dagegen ist theils von einzelnen grösserenEilanden, theils von ganzen Schwärmen umlagert (vgl. S. 51, wo über die Naturdieser Inseln das Wissenswerthe erwähnt wurde). Die grösseren Eilande sind: ganzim Norden Mytilini (Lesbos), etwas südlicher Chios — das Citronenparadies —südöstlich hiervou Samos. Die vielen kleinen Eilande vor der Südwestecke vonKleinasien fasst man mit der Bezeichnung „Sporaden” zusammen. Die vorzüg-lichsten derselben sind: Nikaria, Patmo, Lero, Kalymno, Ko, Nisiro, Tilo, Simi,Karpatho u. a.
Das Schwarze Meer. Zwei See-strassen mit einem kleinen Binnen-meer dazwischen stellen die Verbin-dung zwischen dem Mittelmeer unddem Schwarzen Meer her. Den Zugangzu dem Binnenmeer — Marmarameer(Propontis) — bildet der schmale, kaum2 Kilometer breite Hellespont, oderdie „Strasse der Dardanellen” (vgl.
S. 165). Aus dem Marmarameere führtder Bosporus (vgl. S. 164) in dasSchwarze Meer (Pontus Euxinus).
Die Südküste desselben bis zum inner-sten östlichen Golf zeigt bei einerLänge von 1350 Kilometern nur wenigGliederung, ist aber reich an gutenHäfen. Das Küstengebiet von dernördlichen Bospormündung bis Sinub(Sinope) — Paphlagonien im Alterthum— ist Waldgebiet. Die ungeheurenBestände von Buchen, Eichen, Lär-chen und Pinien bedecken den ganzenRaum vom Gestade bis Angora, tiefim Inneren von Kleinasien. An der
Küste schliesst an die Waldregion ein Streiten dichter Garten-vegetation.
Wahrhaft romantisch ist der östliche Küstenabschnitt, dessen Glanzpunkt dasaltberühmte Trapezunt ist. Während am Gestade alles Land unter Weingärten undOelhainen verschwindet, Myrte, Lorbeer blühen und die Citronenblüthen duften,sind die Alpenstriche des Küstengebirges mit herrlichen Azaleen und der berühmtenpontischen Alpenrose geschmückt. Herrliche Vegetation zeichnet auch andere Küsten-punkte aus: Unie, Ordu, Kerasunt, Tripoli. Da giebt es überall Platanen, Feigen,Myrten, Granat-, Nussbäume und Lorbeer — in den Flussebenen Sykomoren,Cypressen, Kirschlorbeer, Maulbeer- und Erdbeerbäume und undurchdringlichesDickicht wilder Weinreben. Jene Flüsse sind Jeschil Irmak (Iris) und KyzilIrmak (Halys), welche interessante Deltabildungen aufweisen. Zwischen beiden Mün-dungen liegt Samsun, innerhalb eines Kranzes von Lorbeerhainen. Für die Hebungs-erscheinungen an diesem Küstenstriche spricht die Thatsache, dass der Hafen dereinstigen milesischen Coloniestadt Amisos derzeit trocken liegt und ein Saat-feld bildet.
Der Ostrand des Schwarzen Meeres — soweit er zu Asiengehört — weist zwei gänzlich verschiedene Küstenbilder auf.Der äusserste Osten des Gestades, wo Kleinasien und KaukasienZusammenhängen, ist flach; es ist das Mündungsgebiet des Rion(Phasis) — ein Dünen- und Sumpfland, mit daranstossendenweiten Strecken üppigster Vegetation — das antike Kolchis.Die Küste des eigentlichen Kaukasus ist meist steilufrig undhafenarm, in ihrem mittleren Theile landeinwärts von denmächtigen Hochzügen des Kaukasus abgeschlossen. Dieserbergige Hintergrund fällt aber successive ab, je mehr die Küste
sich der Strasse von Ivertsch-Jeni-kaleh (vgl. S. 52) nähert. Diese letzterewird auf asiatischer Seite durch dieHalbinsel Taman gebildet, welcheganz dem mächtigen Delta des Kubanangehört. Dieser Strom mündet theilsin das Schwarze Meer, theils in dasAsow’sche Meer.
Von letzterem gehört der ganzeflache Ostrand zu Asien, nämlich biszur Mündung des Don, welcher denwestlichen Manytsch aufnimmt. Dieangenommene Grenzlinie zwischenAsien und Europa bilden nämlich diehydrographisch merkwürdigen Fluss-läufe der beiden Manytsch, welchedurch eine, fast genau in der Mittedes flachen Isthmus von Ciskauka-sien stattfindende Bifurcation Zusam-menhängen, wobei der „westliche”Manytsch dem Don, der „östliche”Manytsch dem Kaspisee zuströmt.
Budrun (Halikarnass).