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A. Westasien. — I. Das Kaukasusgebiet und Russisch-Armenien.
dort durch Vereinigungder Zweige wieder ge-schlossen werden. EineGliederung in Parallel-ketten, welche Gebirgs-züge für sich bilden (wiein den Alpen), kommtim Kaukasus überhauptnicht vor. Die örtlichenParallelketten, welchenamentlich im westli-chen und mittlerenThei-le des Kaukasus auftre-ten, haben keine selbst-ständige Entwickelung,sondern sind nur dieRänder von Hochthä-lern oder kurzen Zwi-schenplateaux. Darausfolgt der vollständigeAbgang von Längen-thälern, hingegen dascharakteristische Auf-treten von grossartigen,tief eingeschnittenenQuerthälern, welcheganze Abschnitte desKaukasus örtlich voneinander trennen undder Entwickelung vonParallelketten hinderndentgegentreten.
Der centrale Abschnitt des Kaukasus ist ausgezeichnetdurch seine enorme absolute Höhe, welche in seinen Gipfel-punkten zum Ausdrucke kommt. Der König unter allen kauka-sischen Gipfeln ist der Elbrus (5632 Meter), ihm zunächst stehtder Kaschtantau (5219 Meter) und der Dychtau, der umweniges niedriger ist als der vorgenannte; weiter folgt derKasbek (5043 Meter), hart an der grossen Kaukasuspassage,der „Dariel-Route”.
Der Elbrusstock hat eine sehr bedeutende Ausdehnung.Von dem gleichnamigen Gipfelpunkte gehen nach dem Kuban-und Terekgebiete mehrere.Querketten strahlenförmig aus. NachSüden gliedert sich der Elbrusstock nicht. Hier erstrecken sichdie Quellgebiete des Ingur, des Tscheknis Tskali und desRion in schmaler Stufenfolge zu einander, durch hohe, vonmächtigen Gipfeln gekrönte Kammgebirge von einander ge-trennt, welche in spitzem Winkel nahe bei einander das Haupt-gebirge treffen und hier einen gletscherreichen Knotenpunktbilden, welcher aus einer Höhe von 3600 bis 4200 Metern diedrei erwähnten Gewässer speist.
Der centrale Kaukasus reicht östlich nur eine kurzeStrecke über die Darielpassage hinaus. Am Schebulosmta(4502 Meter) ändert der Hauptkamm seine bisherige west-östliche Richtung in eine solche von Nordwest nach Südost,während eine mächtige Zweigkette die östliche Richtung bei-behält. Dadurch entsteht — mit Hinzuziehung der Küstenlinie
Der Elbrus.
des Kaspisees — ein breites, ausgedehntes, von Quer- undkurzen Längenthälern mannigfach durchrissenes Hochland,welches in zahlreiche einzelne Berggruppen von prismatischerGestalt zerfällt, oben flach, an den Seiten schroff und fast un-zugänglich, „ein Stück Abessinien’ 7 an der Schwelle vonEuropa. Dieses Hochland ist Daghestan, in welchem dieRussen langwierige Kämpfe mit den Bergvölkern auszufechtenhatten. Ein solches Hochland, dessen Wege gesimsartigenPfaden gleichen, die im Zickzack an furchtbar steilen Ab-gründen auf und ab laufen, ist leicht zu vertheidigen. Dienördliche Randkette des Daghestan nennt man das AndischeGebirge.
Ganz Daghestan ist von Erosionsthälern durchrissen, ein Beweis für das hoheAlter des Kaukasus. Im südlichen Daghestan tritt ein secundäres Längenthal auf —das des Samur. Nördlich der Mündung dieses Flusses tritt das Daghestan’scheHochland dicht an die Küste heran und bildet ein Uferdefile, in welches die StadtDerbend hineingebaut ist. Ihr Name kennzeichnet ihre Bedeutung als „Passsperre”.Im Alterthum nannte man diese Enge die „Albanischen Pforten”.
Das ausgezeichnetste Erosionsthal liegt aber im centralen Kaukasus. Es istdies der Tscherekschlund, welcher alle ähnlichen Bildungen in den Alpen ver-dunkelt. Die Seitenwände, zwischen welchen der Strom in schauerlichen Abgründentost, erheben sich bis zu 1500 Metern. Der Tscherek ist ein Nebenfluss des Terek.Auch dieser letztere bildet ein Querthal. Eine hervorragende Eigenthümlichkeit des-selben ist, dass der Fluss an der südlichen Vorkette entspringt und den Central-kamm durchbricht. Diese Erosionsthätigkeit bringt eine andere Erscheinung mit sich,die mit ersterer eng zusammenhängt. Im Kaukasus giebt es nämlich keine "Wasser-stürze und keine Seen — ein Hauptunterscheidungsmerkmal von den Alpen.
Was die Gletscher im 'Kaukasus anbetrifft, ist die Zahl derselben
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gering und wenige sind von einiger Bedeutung. Das rührt daher, dass dieSchneelinie bis zu 3700 Metern hinaufrückt. Eine weitere Ursache der geringenGletscherentwickelung ist die geringe Breite des Centralkammes und dieSchroffheit der Gehänge. Der grösste Gletscher, der Raltschi Don, be-findet sich am Nordabhange des Adai-Choch; er ist 450 Meter breit undsenkt sich bis zu 1740 Metern herab.
Die eigentliche Schneekette des Kaukasus ist auf die Strecke zwischenKasbek und Elbrus beschränkt. Der Kasbek (zuerst durch Freshfield am 2.9.und 30. Juli 1868 bestiegen) hat einen hufeisenförmigen Gipfel — einen zumTheil eingestürzten Kraterrand, wodurch der vulcanische Ursprung des Bergesunzweifelhaft ist. Der Kasbek wölbt sich zu einem imposanten Dome undendet in ein gut erhaltenes Kraterrund mit anstehenden alten Laven. DerNachbar des Elbrus ist der wenig niedrigere Kaschtantau, der sich überdem unzugänglichen Felsenkamme unersteigbar schroff erhebt.
Entgegen der grossen Zahl von Pässen, welche indie Alpenketten eingeschnitten sind, ist der Kaukasus —und das hängt mit seiner relativ bedeutenden Kammhöhezusammen — ungewöhnlich arm an solchen. Im Ganzensind kaum ein Dutzend Uebergänge von Belang, worunterindess nur die Hälfte nothdürftig dem Verkehr dienen.Die meisten Uebergänge kommen in dem niedrigeren west-lichen Abschnitte des Gebirges vor. Wir nennen die fünfwichtigsten derselben:
1. Der Pschechpass (1700 Meter), am weitestenim Westen, auf der Route von Jekaterinodar am Kuban,
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