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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
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A. Westasien. — I. Das Kaukasusgebiet und Russisch-Armenien.

des Bodens. Die Bergtsche-tschenzen treiben nur Vieh-zucht. Die Haupteinnahmebringt die Schafwolle unddas aus ihr erzeugte Fabri-kat. Letzteres besteht inTuchen, Teppichen und Ka-puzenmänteln; das Ledergiebt ein vorzügliches Saf-fian. Die Arbeit besorgennur die Frauen, während dieMänner arge Faulenzer sind,oder sich die Zeit mit Jagdvertreiben.

Die Chefsuren betrei-ben einigen Feldbau, oblie-gen aber mit Vorliebe derJagd. Den Weibern fällt, mitAusnahme des Ackerns undder Heumahd, alle Arbeitzu. In noch höherem Maasseist dies bei den Ossetender Fall. Hier schaffen dieFrauen von Früh bis Abends,denn ausser der eigentlichenHauswirthschaft haben siealle Professionen zu vertre-ten. Sie mahlen in der Mühle,erzeugen Stoffe, fertigenKleider und Schuhe, stickenin Gold und Seide. DerSommer ist die einzige Zeit,in der auch die Männer zu-langen, und zwar bei denFeldarbeiten, die sie denFrauen, welche vollauf vonden häuslichen Arbeiten inAnspruch genommen sind,abnehmen.

Alles hier Vorgebrachtegilt im Grossen und Ganzenauch von den anderen Berg-stämmen.

In Transkaukasien herrschen inBezug auf die Culturverhältnisse völligandere Verhältnisse. Der Mingrelierbeispielsweise kümmert sich wenig um

die Arbeit, da ja das milde Klima seiner Heimat das Schaffen allenthalben ent-behrlich macht. Er wandelt im Schatten riesiger Nuss- und Kastanienbäume, unddie pontische Riesenrebe, die oft schenkeldick die höchsten Baumwipfel erklimmt,liefert ihm Früchte im Ueberfluss. Alle Mingrelier sind arm und das Gemeinwesenist bei ihnen wenig entwickelt.

Von diesem Extrem giebt es zwei Uebergänge: den einen zu der meist armenund bedürfnisslosen Bevölkerung Guriens mit dem Hauptorte Batum, das auchHandelscentrum der pontischen Lasen ist; den anderen nach den höher gelegenenLandschaften Imeretiens. Hier lebt die Bevölkerung nicht so dicht, sondern meistweithin zerstreut in den reizenden Berggegenden. Gleichwohl gruppiren sich hier dieGemeinden um einzelne Culturcentren, während im mingrelisclfen Tieflande, wo ge-schlossene Dörfer von Ackerbauern fast ganz fehlen, nur Einzelwirthschaften existiren.

In Georgien ist eine weitaus grössere Arbeitslust und Regsamkeit wahr-zunehmen. Weiter gegen Osten und Südosten siedeln die Tataren, die kein ge-schlossenes Gemeinwesen kennen und acht Monate des Jahres auf den Hochweidendes Karabagh zubringen.

Die Vegetationsverhältnisse vonTranskaukasien liefern kein einheit-liches Bild. Die Wälder des westlichenDrittels des Gebietes sind weit üppigerals die des mittleren Drittels (Geor-gien). Das östliche Drittel ist vorwie-gend Steppe, mit nackten Gebirgenzur Seite. — Von grosser Bedeutungist die Weincultur, welche bis incirca 1000 Meter Meereshöhe in denThälern betrieben wird. Ein Weinlandpar excellence ist Kachetien. Der„Kachetiner” ist stark und feurig,entbehrt aber der Blume. Die lichteSorte hat eine röthlich-gelbe Färbung,die dunkle Sorte unterscheidet sichäusserlich wenig von unseren dunklenWeinen; er ist aber sehr dick undtanninhaltig und fällt schwer auf dieZunge. Ein anderer schätzenswertherkaukasischer Wein ist der „Muchran-ski”, der die Mitte zwischen Rhein-wein und Burgunder hält.

In Russisch-Armenien wirdfast nur Viehzucht getrieben. Das

rauhe Klima ist für den Ackerbau,der nur in der Araxesebene und ineinigen Thälern Verbreitung findet,das natürliche Hinderniss.

Ein sehr schätzenswerthes Natur-product in Transkaukasien ist dasNaphtha von Baku. Die täglicheMenge des hier gewonnenen Roh-materials beträgt ungefähr 120 Tonnen.Seit 1871 ist die Naphtha-Ausbeuterussisches Kronmonopol.

Der Handel von Trans-kaukasien begreift haupt-sächlich Naphtha und Seidein sich. Tiflis ist der grössteStapelplatz im Lande, dannEriwan. Die Eisenbahn, wel-che ganz Transkaukasien vonPoti (und Batum) am Schwar-zen Meere bisBaku amKaspi-see durchzieht, hat neuer-dings in letzterem Orte einewichtige Kopfstation erhal-ten, da von hier eine directeSchifffahrtslinie nach Uzun-Ada, an der Ostseite desKaspisees, eröffnet wordenist. Von Uzun-Ada bestehtseit December 1886 eine 1000Werst lange Eisenbahn, wel-che ganz Transkaspien durch-zieht und in den nächstenJahren bis Samarkand fertig-gestellt sein wird. (Ueber die-sen wichtigen Schienenwegsiehe „Mittelasien”.)

Administrative Eintheilung.

Ivaukasien und Russisch-Armenien sind in 15 Ver-waltungsgebiete eingetheilt.Das Gesammtareal der-selben beträgt 800.000 Qua-dratkilometer, die Bewoh-Tschetschenze. nerzähl 5,800.000. Die wich-

tigsten Oertlichkeiten sind:

I. In Ciskaukasien. Stawropol (circa 35.000 Einwohner),ziemlich hübsche Stadt mit breiten Strassen und ansehnlichenGebäuden. — Jekaterinodar (33.000 Einwohner), Hauptortder Tschernomorskischen Kosaken. Schöne Kathedrale, Kriegs-hospital. — Wladikawkas (32.000 Einwohner), „die Zwingedes Kaukasus”, am Ausgangspunkte der grusinischen Militär-strasse, befestigte Stadt am Nordfusse des Kaukasus. — Mos-dok (13.000 Einwohner), an der Tereklinie, wichtige Militär-station.

II. Im Kaukasus. Im Gebiete der Kumüken: Enderi, Mess-ort. — Im Daghestan: Derbend (17.000 Einwohner), am Kaspi-see, mit Handel und Fischfang. — Kubitschi, mit Wafien-

und Tuchfabrikation. — Su-chum-Kaleh, in Abchasien,als „Dioskurias” im Alter-thum berühmter Handels-platz. — An der kaukasischenSchwarzen Meerküste liegendie Militärstationen Golo-winsk, Anapa und anderekleinere Orte.

III. In Transkaukasien.

liflis (104.000 Einwohner),malerisch am Kur gelegen,wichtige Fabriks- und Han-delsstadt, mit der unansehn-lichen und schlechtgebautenAltstadt und der schönen,ganz modernenNeustadt. Dieletztere hat breite Strassen,schöne Plätze, grosse Kaser-nen, geräumige Waarenhäu-Baku. ser und ansehnliche Regie-

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