Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
215
JPEG-Download
 

A. Westasien. — I. Das Kaukasusgebiet und Russisch-Armenien.

215

Ossete.

Die kaukasischen Völker.

A. Nördliche Familie.

I. Oestliche Abtheilung.

a) Tschetschenzen. Sie zer-fallen in mehrere Stämme mitsprachlichen Unterscheidungs-merkmalen. Ihr Heimsitz istdie „Tschetschna” zwischendem Terek im Norden unddem Andischen Gebirge imSüden.

b) Daghestaner, Bewohner desDaghestan. Bei einer Gesammt-zahl von nicht ganz einer hal-ben Million Bewohnern zähltman nicht weniger als 27 Spra-chen und Dialekte. Als Col-lectivname für alle Daghesta-ner wird gewöhnlich die Be-zeichnung „Lesghier” ange-wendet.

c) Chefsuren westlich des Da-ghestan.

d) Pschawen.

II. Westliche Abtheilung.

a) Adighe, welche in Tscher-kessen und Kabardiner zer-fallen.

I. Tscherkessen. Sie sind fast aus-nahmslos ausgewandert und im ottomanischen

Reiche angesiedelt.

Mingrelierin.

2. Kabardiner. Man unterscheidet: die eigentlichen Kabardiner (in dergrossen und kleinen Kabarda); Ab äsen, im Quellgebiete des Kuban, bis in dieNähe des Elbrus; Abadsechen, westlich von den Vorgenannten, und die Barakai,nördlich von den Letzteren. Weiter schliessen nach Westen hin (immer an der Nord-seite des Gebirges): die Bscheduchen, in der Kubanebene; Schapsuchen undNatuchaizen, in den Gebirgen um Anapa am Schwarzen Meere; Schanejewzen,im Kuban-Delta.

b) Abchasen. Südlich des Kaukasus. Man unterscheidet:

Dschigiten und Zebeldiner, beide in Abchasien im

engeren Sinne; Ubychen, nördlich von den Dschigiten;

Bzyben, östlich von den letzteren.

Selbstverständlich haben die Namen fast aller dieser Stämme und ihrer Heim-sitze nur historisches Interesse, denn mit Ausnahme der Kabarda und einiger Strichesüdlich des mittleren Kuban, nördlich des Kaukasus und Abchasiens, kann voneiner kaukasischen Bewohnerschaft nicht mehr die Rede sein. Viele Bezirke sindvöllig entvölkert, in anderen, welche durch die Emigration frei wurden, hat dasRussenthum nachgedrängt. Wenn freilich die meisten ethnographischen Karten indem ehemaligen Tscherkessengebiete eine geschlossene Volksmasse russischer Natio-nalität darstellen, ist das nicht in dem Sinne zu nehmen, als ob jeder Fleck dichtvon russischen Colonisten besiedelt wäre. Auf manchenKarten findet man statt des Farbentones, welcher dieAusbreitung des Russenthums andeuten soll, einen —weissen Fleck, was unseres Erachtens den thatsäch-lichen Verhältnissen entspricht.

III. Mittlere Abtheilung.

Swanethier, im Hochthale desIngur.

B. Südliche Familie,

Hierzu gehören alle Bewohner dertranskaukasischen Ebenen und daranstossenden Uebergangsgebiete nach Ar-menien. Man unterscheidet:

a) Georgier, Bewohner des eigent-lichen Georgien (Grusien);

b) Im er et in er, in Imeretien, westlichvon Georgien;

c^ Mingrelier, in Mingrelien, west-lich von Imeretien;

d) Gurier, südlich des unteren Rion,in Gurien;

e) Adscharen, im Thale und imQuelllande des Adschar-Su und amTschuruchflusse. Sie sind eng ver-wandt mit den Lasen, welch letz-tere aber auf türkisch-asiatischemBoden siedeln.

Von den indo-europäischen Völkern(Ariern) sind ausser den Kurden, Persern undArmeniern, welche in den nächsten Abschnittenbehandelt werden, nur die Osseten ganz auf kauka-sisches Gebiet beschränkt. Sie sind das einzige Volk

iranischer Abkunft unter den kaukasischen Bergstämmen. Es siedelt vorwiegend anden nördlichen Abdachungen des centralen Kaukasus — rings um das Massiv desKasbek — und längs der Darielpassage. Aeusserlich geben die Osseten kein vor-theilhaftes Bild ab; sie sind das verlumpteste Volk unter den Kaukasiern. Selbstdie Vornehmen tragen mit Vorliebe schäbige Kleidung zur Schau. Eine gewisseEigenart kommt auch an den Wohnstätten zum Ausdrucke, namentlich im Gebirge.Hier kleben die steingebauten, flachdachigen Hütten an schroffen Abhängen, so dassdas Dach der unteren Hütte vor der nächst höher gelegenen als Terrasse figurirt.

Zur ural-altaischen Rasse — und zwar zum Stamme derAltaier — gehören:

a) Die Kumüken, im Daghestan, an der Küste des Kaspi-sees, nördlich und südlich von Petrowsk;

b) die Nogaier, zwischen Kuma und Terek in Ciskaukasien;

c) die Tataren, nördlich der Kuma, zu beiden Seiten desöstlichen Manytsch, dann in Transkaukasien zwischenKur und Aras, und südlich des Samur am Kaspisee;

d) die Karatschai (oder „basianischen Türken”), im cen-tralen Kaukasus, zwischen den Swanethiern und Osseten;

e) die Kirgisen, am östlichen Ma-nytsch.

Alle diese Völker gehören zumfinnischen Zweig der Altaier.Ausserdem:

f) Die Kalmüken — vom mongoli-schen Zweig der Altaier — welcheam westlichen Manytsch siedeln.

(Ueber die Kirgisen und Kalmüken siehe denAbschnitt „Mittelasien”.)

Culturverhältnisse. In Bezug auf dieFruchtbarkeit des Bodens und die Be-triebsamkeit der Bewohner herrscht, wiebei einem so ausgedehnten Gebiete vonso abwechslungsreichem Naturcharakternicht anders zu denken, die grössteMannigfaltigkeit. In Ciskaukasien sindnur die Russen (Kosaken) das ackerbau-treibende Element. Die Kirgisen undKalmüken sind Nomaden und betreibendie Viehzucht, letztere auch die Tata-ren. Die Daghestaner sind fleissigeAckerbauer und betreiben nebenhermanches Gewerbe, das sie weit undbreit im Kaukasus berühmt gemachthat. Man schätzt die daghestanischenSäbelklingen, die guten Gewebe undallerhand Stahlarbeiten.

Die Tschetschenzen der Ebenebefassen sich mit Ackerbau, doch ver-danken sie die Erfolge dieser Betrieb-Chefsurin. samkeit vorwiegend der Fruchtbarkeit

54