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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westasien. — II. Die asiatische Türkei.

Ans dem Waldgebiete der Provinz Kastamuni.

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verschiedener baulicher Anlage. Die Bergviertel der Juden undTürken sind eng, schmutzig und unansehnlich, die am Ufersich ausbreitenden Stadttheile aber freundlicher, zum Theil vonmodernem Gepräge, mit bequemen Gassen, ansehnlichen Ge-bäuden, Läden, Hotels u. s. w. Smyrna ist der erste Handels-platz der Levante; von den Gewerben steht die Teppichfabri-kation obenan. Die Stadt ist Sitz vieler Consulate und ansehn-licher, von den europäischen Regierungen unterhaltener Bil-dungsanstalten. Alt-Smyrna war vermuthlich der HeimatsortHomer’s. — Von Smyrna gehen zwei Eisenbahnlinien ab,eine nach Allaschehr über Manissa und Sart (196 Kilo-meter lang), eine zweite über Ajasluk (Ephesus) nachAidin (118 Kilometer lang).

Im westlichen Kleinasien liegen ferner:

Manissa (Magnesia), einst eine berühmte Stadt, heute noch immer an-sehnlich (40.000 Einwohner) und sehr handelsthätig. Grosse Safranpflan-zungen.— Sart, ein elendes Dorf, an der Stelle des alten Sardes, der glanz-vollen Residenz des lydischen Königreiches, mit den Trümmern des be-rühmten Kybeletempels und dem kolossalen Grabhügel des Alyattes, Vatersdes Krösos. — Bergama, an der Stelle von Pergamum, neuerdings Fundortgrossartiger antiker Sculpturen (die „Gigantomachie” im Berliner Museum).

— Aidin (früher Tralles), blühende Industriestadt (Baumwollmanufacturen).—

Unweit des elenden Dorfes Ajasluk sieht man die Reste des einst be-rühmten Ephesus, etwas südlicher die Stätte von Milet. — Budrun, unansehn-liches Städtchen auf der Stelle von Halikarnass. — In der Troas sind die Stättenvon Jlion (Hissarlik) und andere Oertlichkeiten berühmt durch ihre Ver-gangenheit und die auf diesem Boden durch Schliemann angestellten For-schungen. Auf der asiatischen Uferseite der Dardanellen liegen verschiedeneKüstenschutzwerke, darunter Tschanak-Kalessi (Dardanellenstation derDampfschiffe) in der Mitte der Dardanellenstrasse und Kum-Kalessi, amsüdlichen Eingänge zu derselben.

Die grösste und wichtigste Stadt im nördlichenKleinasien ist

Skutari (75.000, mit den Vororten gegen 100.000 Ein-wohner), am Bosporus, die asiatische Vorstadt von Con-stantinopel (vgl. S. 164 und 165), mit dem grössten Fried-

hofe des türkischen Reiches, mit angeblich 3 MillionenGräbern. Eine Eisenbahn führt von dem östlich von Sku-tari gelegenen Dorfe Haidar Pascha nach Ismid. Skutarizunächst an Grösse und Bedeutung folgt

Brussa (37.000 Einwohner), das alte Prusa, Hauptstadtvon Bithynien, in anmuthiger und fruchtbarer Gegendam Nordfusse des (mysischen) Olymp, mit interessantenMoscheen aus der Zeit der ersten Sultane, deren ResidenzBrussa vor der Eroberung von Adrianopel und Constan-tinopel war. Die wichtigste dieser Moscheen ist Ulu-Dschamia, das Werk mehrerer Sultane, vollendet durchMohammed I. Obwohl dem Verfalle preisgegeben, istdieser Tempel noch immer bewunderungswürdig in Bezugauf seine innere Ausschmückung mit Fayencen und Por-zellan. Andere Moscheen von Bedeutung sind die derSultane Osman, Murad I. und Bajazid I. Ferner dieGrabmoschee Sultan Orchan’s. Hervorzuheben sind fernerdie vielen Karawanserajs und warmen Bäder. Die Stadtist geschmückt mit Springbrunnen, Kiosks und Gärten.Unter den Industriezweigen blüht besonders die Seiden-fabrikation. Brussa ward zu verschiedenen Zeiten vonheftigen Erdbeben (am schlimmsten 1855) heimgesucht.Brussa ist durch eine Eisenbahn mit Mudania am Marmara-meer verbunden.

Andere Oertlichkeiten im nördlichen Kleinasien sind:

Mudania, Hafenort für Brussa. — Isnik, kleines Dorf unweit dernoch immer grossartigen Ruinen von Nikäa. — Ismid, am innersten Endedes gleichnamigen Golfes, an der Stelle von Nikomedia. — Kastamuni(im ehemaligen Paphlagonien), mit lebhafter Industrie, sonst aber herab-gekommen. — Unweit hiervon Safranboiy, Mittelpunkt der anatolischenSafrancultur. — An der Küste des Schwarzen Meeres (von Westen nachOsten) liegen: Eregli (Heraklea Pontica), mit Steinkohlenlagern. — Sinub(Sinope), arg herabgekommenes Städtchen an Stelle des berühmten altenEmporiums, das seine Gründung auf die Assyrer zurückführt. Seeschlacht am30. November 1853 zwischen Russen und Türken. — Samsun (Amisos),bedeutende Handelsstadt.

Im Inneren von Kleinasien ragt durch geschichtlicheBedeutung über alle anderen Oertlichkeiten zunächst

Konia (wahrscheinlich nur 12.000 Einwohner) hervor.Es war der Mittelpunkt des Seldschukenreiches vonJkonium (Rumilien) und liegt in einer wohlbewässertenEbene. Die Ruinen des ehemaligen Sultanpalastes sindsehr ansehnlich. Bemerkenswerth sind: die MoscheenSelim's und Allaeddin’s, die „blaue Medresse” mit pracht-vollen Fayencetäfelungen, das durch den berühmtenDschelaleddin-Ruini im 13. Jahrhundert gegründete Klosterder Mewlewi-Derwische. Ungeachtet seines Verfalles istKonia wichtig durch seine Manufacturen, seinen Handelund seine zahlreichen muslimischen Unterrichtsanstalten.

Andere Oertlichkeiten im Inneren des Landes sind:

Angora, auf dem Hochlande von Galatien, unfern des Halys, Mittelpunktdes Binnenhandels zwischen Constantinopel und Armenien. Viele Armenier. AntikerAugustus-Tempel. — Amasia, am Yeschil Irmak, mit Castellberg und uralterNekropole, sehr malerisch in enger Thalschlucht gelegen. Seidenmanufacturen. Dasalte Amasia war Geburtsort Strabo’s. — Tokat, sehr handelsthätig und gewerb-fleissig. — Kaisarjeh (Caesarea), im ehemaligen Kappadokien, unfern des Halysund am Nordfusse des gewaltigen erloschenen Vulcans Erdjas (Argäus, 3841 Meter).Die Bewohner beschäftigen sich mit Wein- und Obstbau, mit Färbereien und Handel.— Kutaja, im ehemaligen Phrygien, ohne Bedeutung. — Afiun-Ivarahissar,Opiumcultur. Auf isolirtem Basaltkegel die Ruinen einer starken Citadelle. —

Anatolische Hütten.