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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Südasien. — II. Vorderindien.

Qunthe/ikückeSen.

welche er nach 300 Kilo-meter Lauflänge in einesüdliche ändert. BeiHaidarabad beginnt dasmeist aus seichten Mün-dungsarmen bestehendeDelta. Die Gesammt-länge des Indus wirdmit 3 180 Kilometern an-genommen; sein Strom-gebiet mit 960.000 Qua-dratkilometern. Ausserdem Indus ist noch dieNarbada erwähnens-wert!^ welche in denGolf von Cambay, einenTheil des ArabischenMeeres, mündet

In den Golf vonBengalen münden: derKaweri, welcher dieGebiete von Maisur,

Koimbatur und Karna-tik durchfliesst; der Pa-nar, dessen Quellen imHochlande von Maisurliegen; der K i s t n a(Krischna), die LänderBedschapur und Hayda-rabad durchfliessend; erist reich an Diamantenund Edelsteinen und hat

mehrere ansehnliche Nebenflüsse. — Der Godaweri entspringtin der Provinz Aurengabad, durchfliesst diese und die ProvinzBerar und mündet in mehreren Armen.

Der Ganges. Er ist der heilige Strom der Inder, verklärtvon den uralten Schöpfungssagen. Seine Quelle liegt auf derSüdseite des Himälaya, so dass dieser Strom keinen Durch-bruch zu bewirken hatte. Sein Hauptzufluss ist die Dschamna,welche den Ganges fast von der Quelle als ebenbürtigenParallelstrom begleitet und gleichzeitig mehrere andere Himä-layaströme in sich aufnimmt. Von Allahabad an schiffbar,nimmt der Ganges oberhalb Patna die mächtige Gagra, weiterunten Gandak, Koschi und andere Gebirgsflüsse in sich auf,während von rechts nur ein Zufluss — der Schon — in denHauptstrom sich ergiesst. Dieser hält seine südöstliche Lauf-richtung ein, bis er auf den mächtigen Brahmaputra stösst,worauf beide vereint nach Süden wenden und ein ungeheures Delta (dasgrösste der Erde, achtmal grösser als das Nildelta) bilden (vgl. S. 10). —Der Brahmaputra ist der zweitgrösste Strom Indiens. Er entspringt unweitder heiligen Seen im tibetanischen Hochlande, dieses von West nach Ostdurchziehend, wendet hierauf nach Süden, wobei ein grossartiger Durch-bruch des östlichen Himälaya und zugleich der Eintritt in indisches Gebieterfolgt. Im Mittelläufe ist der Brahmaputra ein in viele Inselarme ge-spaltener Strom, der in südwestlicher Richtung abfliesst und bis hochhinauf mit Dampfschiffen befahren wird. Die Länge des Ganges-Brahmaputrawird, da man den Oberlauf des Schwesterstromes nicht kennt, mit 3000 Kilo-metern, das Stromgebiet mit 1,294.000 Quadratkilometern angegeben.

Klima. Die Bodengestalt Vorderindiens bedingt mancherlei klimatischeEigenthümlichkeiten. In seiner Gesammtheit fällt das Land in die Monsun-zone mit regelmässig eintretendem zweifachen Wechsel der Jahreszeiten.Der mächtige Gebirgswall des Himälaya mit seiner 5000 Meter hohenKammlinie entzieht Vorderindien den continentalen klimatischen EinflüssenInnerasiens in bedeutsamer Weise, so dass manche Gegenden am Fusse desGebirges ein sehr warmes Winterklima haben. Im Pendschab z. B. herrschtim Januar eine Temperatur von durchschnittlich 12". Auffällig ist fernereine grosse Gleichheit der mittleren Jahrestemperatur trotz grosser Breiten-unterschiede. Für die meisten Gegenden ist der Mai der trockenste Monat.Die Regenmenge ist sehr bedeutend; sie beträgt in Bombay 1800, inKalkutta 1680, in Madras 1440, im mittleren Gangesthal 300—1000 Milli-meter. Am meisten mit Niederschlag bedacht sind die Küstenränder,während das innere Hochland von Dekan den gleichen Segen nicht em-pfängt; daher das Steppenland, das sich da und dort ausbreitet. Eineandere gesetzmässige Abnahme der Regenmenge ist thalauf des Gangeszu bemerken: von Niederbengalen, wo sie sehr bedeutend ist, bis zumPendschab, wo die Niederschlagsmengen beträchtlich geringer sind.

Bevölkerung. Die Bewohner Ostindiens gehören verschiedenen Völkernan, die Hauptmasse derselben machen jedoch die Hindu und Dravidaaus, nämlich sechs Siebentel der Gesammtbevölkerung; ein Siebentel bildeneingewanderte Völkerstämme, als Araber, Afghanen, Türken, Arme-nier, Syrer, Perser, Abessinier, Juden, Chinesen, Europäer.

Kantschindschinga.

Vor der Einwanderung der Arier in Indien war letzteres in seiner ganzenAusdehnung von der autochthonen Dravidarasse besiedelt. Als dann etwa um2000 v. Chr. die arische Einwanderung erfolgt war, wurde die Urbevölkerung nachSüden gedrängt. Dadurch wurde Indien zum Sitze zweier Rassen: der Dravida-rasse und der „Indischen Familie” der Arier, schlechtweg Inder genannt. — Dassdiese beiden Elemente im Laufe der Zeit vielfache Vermischungen erfuhren, liegt inder Natur der Sache, und der Ethnograph Friedrich Müller geht so weit, die Indervom Standpunkte der Rasse nicht für Mittelländer, sondern für eine Mischrasse an-zusehen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Dravida. Der reine dravidische Stammfindet sich nur mehr im Inneren von Dekan und unterscheidet sich wesentlich vondem in Mittelindien siedelnden Mundastamm. Rechnet man die autochthonen Be-wohner von Ceylon — die Singhalesen — hinzu, so sehen wir die Dravidarassein drei Zweige gespalten, eine Spaltung, die ebenso ethnologisch als sprachlich ge-rechtfertigt erscheint.

Aber selbst der Dravidastamm im Inneren von Südindien zerfällt sprachlichin mehrere grosse Gruppen. Diese Zweigfamilien sind: 1. die Tarn ulen, welcheeinen grossen Theil der Osthälfte Südindiens einnehmen. — 2. DieTelinga, welchenordwärts an die Tamulen anscliliessen. — 3. Die Gon da, nördlich von den Vor-

Dorf im Himälaya.