B. Südasien.
IV. Der ostindische Archipel.
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Papuarasse. Es ist jedenfalls auf-fällige dass sie alle jene Inseln be-völkert, welche in terrestrischer undpflanzenphysiognomischer Beziehungzum australischen Welttheile ge-hören.
Hinsichtlich des Verhältnisseszwischen den Eingeborenen und denEuropäern bemerken wir in KürzeFolgendes: Auf Sumatra haben dieHolländer meist nur die Küstenstri-che in Händen, und halten die grim-migen (malayischen) Battak, unterdenen der Cannibalismus noch invollerBlüthe steht, das Inneregegenjeden Zugang gesperrt. Ganz auf dernordwestlichen Spitze der Insel er-streckt sich das Sultanat Atschin,bekannt durch seine kriegerischenVerwickelungen mit den Holländern.
— Auf Borneo hausen, und zwarim Inneren und an allen Küsten, wodie Colonialherrschaft der Europäereine fragwürdige ist, die kriegeri-schen Dayak, ein schöner, kräf-tiger Menschenschlag, dem Intelli-genz und Anstelligkeit nachgesagtwird. — Minder Günstiges ist vonden Alfuru auf Celebes zu sagen.
Sie theilen übrigens das Land mitmalayischen Stämmen und den ausbeiden Rassen hervorgegangenenMischlingen. Aehnliche Verhältnisseherrschen auf den Molukken, sowieauf den zahlreichen übrigen Inselnund Eilanden zwischen Borneo, Neu-
Guinea und den Philippinen. Hier finden wir die Tagalen,welche theils Katholiken, theils Islamiten sind. Im Inneren ein-zelner Inseln wohnen unabhängige, rohe Papuastämme. DieYgorrotes auf Luzon gelten für einen chinesisch-indischenMischstamm.
Die politische Herrschaft im Archipel fällt theils ein-heimischen Regenten zu, theils wird sie — und zwar vor-wiegend — von den europäischen Colonialstaaten ausgeübt,deren erster Repräsentant Holland mit seinem weitläufigenBesitz auf Java, Sumatra, einem Theile von Borneo und denMolukken und vielen anderen Inseln ist. Die Philippinen ge-hören fast ganz den Spaniern, während ein dritter Repräsen-tant — Portugal — aufTimor, ein vierter — Eng-land — in Theilen vonBorneo festsitzt.
(Ueber die geographi-sche Eintheilung des Ar-chipels siehe S. 199.)
1. Die grossen Sundainseln.
a) Sumatra ( 443- 2 34 Quadrat- jkilometer, 3,800.000 Bewohner). Manunterscheidet den unmittelbaren Besitzder Niederlande und die Gebiete un-abhängiger Stämme. Das kleine ReichAtsch in (6500 Quadratkilometer) istholländischer Vasallenstaat. Der ganzeunter directer niederländischer Ver-waltung stehende Theil der Insel zer-fällt administrativ in die Provinz derWestküste: Padang, Bengkulen,
Palambang und Banka. Die bedeu-tendste Stadt ist Palambang (30.000Einwohner), mit lebhaftem Handels-verkehr in Gewürzen und Zinn.
b) Java (131.733 Quadratkilometer, 19,840.000Bewohner) gehört ganz den Holländern. DieHauptculturpflanzen sind: Reis, Kaffee, Zucker-rohr, Indigo, Cochenille, Pfeffer. Die Insel ist in 23Residentien eingetheilt. Hauptstadt ist Batavia(fast 100.000 Einwohner), die „Perle des Orients”,an der Nordküste gelegen, das erste Handels-emporium des ostindischen Colonialreiches derNiederlande, aber in ungesunder Lage. — Sa-marang (68.000 Einwohner), an einer tiefenBucht der Sundasee, mit blühendem Handel(Metalle, Leder, Zucker, Baumwolle). — Sura-baya (122.000 Einwohner), die volkreichsteStadt der Insel, mit schöner Rhede, Seearsenal,Werfte. Sie ist der erste Handelsplatz Javas.(Zu Java gehört auch noch die Gruppe derMadurainseln.)
c) Borneo (736.450 Quadratkilometer,1,850.000 Bewohner), die grösste der Sunda-inseln, von welcher aber nur der grössere süd-liche Theil, die Ostküste und ein Theil der West-küste niederländisch ist. Die Insel Labuan ander Nordostküste gehört den Engländern. Dieunabhängigen Gebiete sind das KönigreichBrunei (46.000 Quadratkilometer, 125.000 Ein-wohner) mit der gleichnamigen, auf Pfählengebauten Hauptstadt und Residenz des Sultans.— Das Gebiet von Sawarak (90.000 Quadrat-kilometer, 250.000 Einwohner), welches unterder Verwaltung des Engländers James Brookesteht, der in Folge eines Dienstes vom Sultanvon Brunei damit beschenkt wurde. — Gebietdes Sultans von Sulu an der Ostküste (27.000Quadratkilometer, 75.000 Einwohner).
d) Celebes (200.132 Quadratkilometer,I Million Einwohner), meist holländischer Besitz(in manchen Theilen noch unerforscht), mitMangkassar (8000 Einwohner) als Hauptsitz.Zu Celebes gehören noch zahlreiche kleine Inseln.
2. Die kleinen Sundainseln.
König der Insel Timor.
Sie bilden eine Schnur kleiner Inseln,welche sich östlich von Java erstrecken. DieI wichtigsten sind: Timor (zur Hälfte portugiesisch, zur Hälfte niederländisch),Flores, Sumbawa, Lombok (mit dem 4200 Meter hohen Vulcan Rindjani)und Bali.
3. Die Molukken
oder „Gewürzinseln” (53.000 Quadratkilometer, 500.000 Bewohner), eine Gruppevon zahlreichen Inseln, theils mittelbar, theils unmittelbar unter niederländischerHerrschaft stehend. Die grösseren Inseln sind: Gilolo (Dschilolo), Ceram (nochwenig erforscht), Amboina (Mittelpunkt der Gewürznelkencultur) mit der gleich-namigen Hauptstadt. Zur kleinen Gruppe der Bandainseln gehören eine Mengekleiner Inseln, welche sehr ungesund sind und häufig von furchtbaren Erdbebenheimgesucht werden.
4. Die Suluinseln.
Sie liegen zwischen Borneo undden Philippinen und sind von see-räuberischen Piraten, welche untereinem mohammedanischen Sultan ste-hen, bewohnt. Im Jahre 1876 hat Spa-nien seine Suprematie über diese Inselnausgedehnt. Hauptort ist Puerta-Princesa auf Palavan.
5. Die Philippinen.
Die Gruppe (295.585 Quadrat-kilometer mit 7,450.000 Einwohnern)besteht aus mehr als 300 Inseln undEilanden, deren wichtigste Luzon,Mindanao, Samar, Mindoro, Ne-gros und Zebu sind. Hauptstadtist Manila (182.000 Einwohner), imHintergründe einer grossen und schö-nen Bai, mit grossartiger Cigarren-fabrikation. Hauptausfuhrartikel sind:Manilahanf, Zucker, Tabak, Cigarren,Kaffee, Indigo und Farbhölzer. Vielestattliche Häuser, Palast des General-capitäns, Theater, grosse Zuckeriaffi-nerie, mehrere Schulen und viele reichausgestattete Kirchen.
Dorf auf Luzon.