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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C- Ostasien. — I. Das Kaiserreich Japan.

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Der Fujiyama.

worden. Der KamicultUvS — nach dem chinesischen Ausdruckauch Sinto genannt — war bis vor Kurzem die StaatsreligionJapans. Der Kamicultus ist der Ausfluss des japanischen Volkesund mit dessen socialen und staatlichen Einrichtungen innigverknüpft, gerade so wie die Lehre Kong-fu-tse’s mit denchinesischen Sittengesetzen und den patriarchalischen Einrich-tungen in Staat und Familie.

Auf die Sintoreligion gründete sich die an Stelle derMilitärautokratie getretene Sintotheokratie, welche nachmalsdem Buddhismus weichen musste. Dieser letztere trat inJapan um die Mitte des 6. Jahrhunderts auf und liess sichmit seinem unbeschränkten Götterschwarm auf den Inseln desSonnenaufgangreiches nieder. In Japan hat die buddhistischeAbgötterei zu den grössten Verirrungen geführt; noch immerist der Tempel der 33.333 Götzen zu Kioto der Stolz des Volkes,das so geschickt zwischen Kamidienst, Buddhacult und derLehre des Kong-fu-tse ohne Gefährdung seiner irdischen undüberirdischen Glückseligkeit hin und her zu gaukeln versteht.ImUebrigen sind die Japaner in Glaubenssachen das tolerantesteVolk der Erde. Mit der Ausübung ihrer religiösen Uebungennehmen es die Japaner nicht besonders ernst. Die Priester,sowohl die der Sinto- als der Buddhareligion, recrutiren sich zumTheil aus den höheren Ständen, zum Theil aus der Bürgerschaft,wodurch sie gewissermassen ein verbindendes Glied zwischenden beiden grossen Gruppen der Gesellschaft bilden. Die Sinto-priester wohnen in kleinen, bei den Tempeln erbauten Häusern;sie lassen sich in ihren gottesdienstlichen Functionen durchihre Frauen assistiren und werden theils durch die öffentlichenCassen, theils durchStiftungen und mildeGaben erhalten. Weitbesser leben die Prie-ster der verschiedenenbuddhistischen Secten.

Ihr Einkommen ist be-deutend und die Bon-zerien sind luxuriöseingerichtet. U eber diemoralischen Eigen-schaften der Bonzenlässt sich indess wenigGutes sagen.

Das japanische Reichwird noch von einer zweitenRasse bewohnt, nämlich vonden Ainu, deren weiter obengedacht wurde. Es wird an-genommen, dass die vom Fest-lande her eingewanderten Ja-paner die autochthone Bevöl-kerung allmählich verdrängten,ohne dass es hierbei zur An-wendung von Gewaltmittelngekommen wäre. Noch heutewird der Ainu vom Japanermild behandelt, wenn auch fürdessen geistige Bildung nichtsgeschieht. Die Ainu werdenvor Betrügereien geschützt undes gehört zu den grösstenGeschmacklosigkeiten in Ja-pan, sich über die älteren,

geistig und sittlich um so Vieles tieferstehenden Mitbewohner lustig zumachen. Man hört daher niemals über diese gutmüthigen, aber beschränktenund äusserst unreinen Naturmenschen ein verächtliches Wort fallen.

Die Ainu bewohnen die Insel Jesso und andere nördliche Eilande (dieKurilen inbegriffen) und zählen höchstens 50.000 Köpfe. Charakteristisch anihnen ist das aussergewöhnlich üppige, struppige Haar und die kupferbrauneHautfarbe. Die Kopfbildung hat mit jener der Chinesen und Japaner nichtsgemein und nähert sich jener der Europäer. Die Kleider der Ainu bestehenaus Thierfellen und Vogelbälgen; in Wohnung und Bewaffnung gleichen sieden Kamtschadalen. Die Ainu, über deren Religion Näheres nicht bekanntist, haben weder Tempel noch Priester.

Die Gesammtbevölkerung des japanischen Reichesbetrug 1885 rund 38,500.000 Seelen.

Culturverhältnisse. Obenan steht die Bodencultur,welche mit grosser Ausdauer und viel Sorgfalt betriebenwird. Dieselbe ist aber noch grosser Entwickelung fähig,da es im Reiche derzeit keinen Viehstand und keineWeiden giebt und der Landmann seinem Felde jährlichnur so viel entnimmt, als er demselben an Stoff ersetzt.Hierbei ist man auf Verwendung von Menschendüngerangewiesen. Jenem Vorgang verdankt die japanischeBodencultur neben der Spatenwirthschaft und der grossenTheilung der Grundstücke die Erfolge, welche das Staunenund die Anerkennung fremder Sachverständiger jederzeiterrungen haben.

Unter den einer grossen Ausbeutung fähigen Naturpro-ducten des Landes müssen die Mineralien besonders erwähntwerden. In allen Theilen des Landes sind Erze irgend einerArt zu finden, überall stösst man auf Spuren von Bergbau,viele Stollen sind aber verlassen. Man zählt ungefähr 2000 con-cessionirte Bergwerke, doch fehlt es deren Leitung noch allent-halben an den wissenschaftlichen Hilfsmitteln. Unter den Montan-producten steht das Gold obenan; es wird hauptsächlich inSatsuma gewonnen; mehrere Flüsse führen Goldsand. Gleichreich ist die Ausbeute an Kupfer. Die bedeutendsten Kupfer-minen befinden sich in der Centralregion der Insel Sikok, aufdem Eilande Sado und im nördlichen Theile von Hondo. DasGesammterträgniss beträgt etwa 3000 Tonnen, wozu nochweitere 1200 Tonnen der Minen auf den verschiedenen kleinenInseln kommen. — Eisen wird, obwohl das Land viele Eisen-lager besitzt, wenig ausgebeutet. Man hat sich in Japan an dieumfassende Verwendung des Kupfers so gewöhnt, dass manviele Gegenstände aus diesem Metall verfertigt, zu welchemwir Eisen verwenden. Gleichwohl ist der japanische Stahl vonaussergewöhnlicher Güte.

Andere Montanproducte sind: Zinn, Blei, Quecksilber,sehr viel Schwefel und Alaun. Auch Erdöl wird vielfachgewonnen. Von unschätzbarem Werthe für die Zukunft Japanssind jedoch seine reichen Steinkohlenlager. Das grosseKohlenbergwerk von Takassima wird schon seit Anfang derSiebzigerjahre mit Dampfmaschinen betrieben. Das Erträgnissist etwa 300.000 Tonnen jährlich.

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Ansicht des Nakasendo bei Matsuida.