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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Ostasien. — I. Das Kaiserreich Japan.

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Japanische Landschaft (Hakonesee).

Städten Kioto und Osaka vorbeifliesst und sich in die Buchtder letzteren Stadt ergiesst. — Der Tenriogawa, aus dem SeeSuwa in der Landschaft Schinano kommend, ergiesst sich inder Provinz Totomi mit drei Mündungsarmen ins Meer; er istsehr breit und reissend. — Aragawa, mit dem HauptarmeTodagawa, der bei Tokio mit einem Delta mündet. — DerTonegawa nimmt den zweiten Hauptarm des Aragawa auf,spaltet sich aber selber in zwei Arme, von denen der eine indie Bucht von Tokio, der andere in den grossen See Kasmigo-Ura — das Sammelbecken vieler Flüsse — fällt.

Klima. Das Klima Japans ist, wohl unter dem Einflüsseder vorerwähnten nordäquatorialen Meeresströmung des GrossenOceans, viel milder als das des ostasiatischen Festlandes ingleicher Breite. Die Temperaturextreme sind dort viel geringerals hier. Während z. B. Yokohama die Wärme Verhältnisse vonTriest zeigt, das io° nördlicher gelegen, übertrifft PekingsSommerwärme diejenige von Neapel, aber den Winter hatPeking mit dem südlichen Schweden gemein. Yokohama (in35‘5° Nordbreite) hat eine mittlere Jahrestemperatur von -4-14*3°,des Januar +4*1°, des Juli -J— 25*6°.

Bewohner. Nach W. Doenitz (in Yokohama) wären dieJapaner ein Mischvolk, hervorgegangen aus drei Elementen,nämlich: 1. einem mongolischen, 2. einem Ainu-Element, 3. einemmalayischen. Nach allgemeiner Ansicht gelten die noch heutein überwiegender Mehrzahl die Insel Jesso besiedelnden Ainu(oder Aino) — wahr-scheinlich ein Stammder Kurilier — fürdie wahrscheinlicheUrbevölkerung desjapanischen Archi-pels. Die Ainu-Kuri-lier gehören zur ark-tischen oder Hy-perboreerrasse.

Seiner äusseren Er-scheinung nach macht derJapaner einen entschie-den besseren Eindruck alsder ihm verwandte Chi-nese. Mit seiner durch-schnittlich kleinen .Statur(kleiner als die Repräsen-tanten der germanischenRasse) verbindet der Japa-ner eine grosse Elasticitätund physische Stärke, ohneplump oder robust zu sein.

Sein Körper zeichnet sichvielmehr durch Schlankheitund Ebenmässigkeit aus,sein Gesicht ist nicht auf-gedunsen wie beim Chine-sen, und seine Augen sindnur unmerklich schief ge-schlitzt. Von besonderenVorzügen ist das Antlitzdes japanischen Mannesgleichwohl nicht; um soansprechender, einnehmen-der ist die Japanerin derbesseren Stände. Die An-muth scheint ihr angeboren

und das offene, kindliche Gesicht ein Spiegel ihres ganzen Wesens zu sein.Die etwas schief stehenden Augen sind glänzend schwarz und besitzen einenschelmischen Ausdruck. Die Zähne sind tadellos weiss, durch Zwischenräumegetrennt und etwas vorstehend. Das zumeist sehr reiche Haar wird nachrückwärts gekämmt, zu einem Knoten geschlungen und mittelst langer Nadelnund Stäbe festgehalten. Ein Uebelstand ist das starke Schminken. Etwasschwerfällig ist die Kleidung, zumal der Kirimon: eine Art Schlafrock,welcher die Beine derart knapp umschliesst, dass die Frauen im Gehen ge-hindert werden. Um die Taille wird der Kirimon durch den Gürtel (Obi)festgehalten. Als Unterkleider benützt man lange, baumwollene Jacken. Inneuester Zeit hat die europäische Frauenkleidung mehrfach Eingang gefunden.

Der Japaner ist in der Regel heiteren Temperaments, fleissig, an-stellig, genügsam und mit aussergewöhnlicher Kunstfertigkeit bedacht. SeineSorglosigkeit ist sprichwörtlich. Nach Baron Hübner wären die Japaner das-jenige Volk, dem es, wie keinem anderen auf der Erde, Bedürfniss sei,Alles und Jedes auf — das Zwerchfell wirken zu lassen. Die Neugierde derFrauen soll ganz masslos sein, und ein Mädchen findet es durchaus nicht un-anständig, diese Neugierde gegenüber einem Europäer selbst auf dessenTaschen sich erstrecken zu lassen.

Mancherlei Uebelstände, welche die altjapanischen Sittengesetze mitsich bringen, wurden in den letzten Jahren theilweise oder völlig ausgemerzt.Es sind nacheinander verschiedene Regierungsdecrete erflossen, welche Fragensocialer Natur regeln. Eines der bahnbrechendsten Decrete war jenes vom15* Mai 1873, durch welches dem Gatten das Recht genommen wurde, dieFrau gegen ihren Willen zur Aufrechterhaltung des Ehebündnisses zu zwingen;die Entscheidung wurde der Competenz des Gerichtes anheimgegeben. Währendfrüher alle Japaner dem Brauche huldigten, im öffentlichen Leben niemals inGesellschaft ihrer Frauen zu erscheinen, hat man neuerdings wenigstens in denhöheren Ständen mit dieser Gewohnheit endgiltig gebrochen. Mädchenschulensind förmlich aus dem Boden gewachsen. Uebrigens kann fast jeder Japaner lesenund schreiben.

Bis vor Kurzem zerfiel die Bevölkerung Japans in socialer Beziehung, in achtClassen, und zwar: in die alten Lehensfürsten, in den Adel ohne Grundbesitz, diePriester, die Krieger, die Beamten und Aerzte, die Kaufleute und Grosshändler, dieHandwerker und Künstler, die Landleute und Taglöhner. Die Classenabsonderunghat heute wohl kaum mehr scharfe Grenzen; eine besondere Kriegerkaste bestehtseit dem Jahre 1873, in welchem die allgemeine Wehrpflicht ein geführt wurde, nichtmehr. — Die Repräsentanten des japanischen Adels zeichnen sich durch eineselbstbewusste Haltung, einen stattlichen Wuchs und grosse Sorgfalt in deräusseren Erscheinung aus. Ihrer helleren Hautfarbe und anderer physischenMerkmale halber hatten europäische Forscher die Samuraikaste für eine besondereNationalität angesehen (etwa wie einzelne Kasten unter den Hindu), doch ist dieserIrrthum wiederholt von berufener Seite widerlegt worden. Auch ist es ein Irrthum,wenn man den japanischen Adel als ein Hinderniss im modernisirten StaatswesenJapans bezeichnet. Oppositionell ist nur der kleine Adel gesinnt, der seit Umwand-lung des alten Feudalstaates in eine constitutionelle Monarchie und Abschaffung desVasallenthums seine früheren Einkünfte verlor und dafür schmale Staatspensionenerhielt.

Religion. Die älteste Religion der Japaner war die Ver-ehrung der Naturkräfte, des Himmels und jener Mächte, welcheden Verkehr zwischen der Gottheit und den Menschen ver-mitteln. Diese Vermittelung besorgen der erhabenen und un-nahbaren Sonnengottheit unterstehende göttliche Wesen, so-genannte Schutzgötter oder Kami. Ihr Cultus reicht zurückbis zu den Anfängen der japanischen Geschichte, ist aber durchdie später aufgetretenen religiösen Anschauungen modificirt

Japanische Dschonken.

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