D. Mittelasien.
I. Russisch-Turkestan.
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Kuldscha.
deti räuberischen Oasenstaat vor, erstürmten die Residenz des Khans und be-schränkten seinen Besitz auf die chiwesische Oase am unteren Amu-Darja. 1876ereilte auch das unruhige Khanat Kokand (oder Kokan) das gleiche Schicksalmit dem Unterschiede, dass es gänzlich dem russischen Reiche einverleibt wurde.Zuletzt endlich folgte das Land der räuberischen Turkmenen, welches theilserobert wurde (1881), theils freiwillig sich unterwarf (1883).
So ist Russland, mit Ausnahme der zwei selbständigen FürstenthümerChiwa und Buchara und des afghanischen Antheils an Westturkestan, in diesemganzen Gebiete Herr geworden.
Auf Grund dieser Verhältnisse zerfällt Westturkestan(mit Ausschluss des afghanischen Gebietsantheiles) in poli-tischer Beziehung in nachfolgende Theile:
1. Russisch-Turkestan,
2. das Khanat Chiwa ) . . ' ....... . -
3. das Emirat Buchara } in ruSS1Scher Abhängigkeit.
1. Russisch-Turkestan.
Flächeninhalt (ohne das Amurgebiet, welches seit 1881 administrativzu Turkestan gehört): 1,080.521 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (ohne Amur-gebiet): 2,647.000 Seelen. Hierzu kommt noch das seit 1884 Russisch-Turkestaneinverleibte Turkmenengebiet (Transkaspien), über dessen Flächeninhalt undBewohnerzahl zuverlässige Daten nicht vorliegen.
Zweige der hochasiatischen Rasse gewissermassen in Blutsverwandtschaft zu einandergedacht werden.
Die heutigen Bewohner Turkestans gehören ihrer über-wiegenden Mehrheit nach dem Turkstamme an. Die drei Haupt-zweige sind: die Kirgisen im Norden, die Turkmenen imSüden und die Uzbeken (Özbegen) in den Oasenstaaten. Indesswären, nach Fr. v. Hellwald’s Ansicht, die Uzbekenkeineswegs ein besonderer Volksstamm (als welchen ihnauch Vämbery erklärt), sondern — wie auch O. Pescheinachzuweisen suchte — jene Rasse, welche in dem auseinem Völkergemengsel gebildeten westlichen Mongolen-reiche von Kiptschak als herrschendes Element auftrat.„Uzbek” wäre also kein ethnographischer, sondern einpolitischer Begriff, und man hätte unter Uzbeken sonachein Gemenge von verschiedenen Völkern Mittelasienszu verstehen, die untereinander seit jeher nichts gemeinhatten, als ein historisches und politisches Band.
Nächst dem turko-tatarischen Volksstamme ist dasarische Element der Tadschik das wichtigste. Die Tad-schik sind iranischen Ursprungs und ihrem uralten Berufenach die ansässige ackerbautreibende Bevölkerung. InChiwa und Buchara bilden die Tadschik noch jetzt denangesehensten und einflussreichsten Theil der ansässigenBevölkerung. Diejenigen Tadschik, welche früh den Islamannahmen und hierauf unter den Einfluss der Uzbekengeriethen, nennt man Sarten. Sie sind sonach turkisirteIranier. Ihr türkischer Dialekt ist mit persisch-arabischen
Russisch-Turkestan zerfällt in administrativer Beziehungin nachfolgende Gebiete: Semirjetschensk, russisches Iligebiet,Syr-Darja, Sarafschan, Amu-Darja, Ferghana (Kokand). — Diekleinen Gebietsstrecken, welche Russland vor 1880 in Trans-kaspien besass, gehörten bis dahin zum Kaukasusgebiet; jetztist Transkaspien, nachdem es 1884 ganz unter russische Herrschaftgelangte, dem turkestanischen Verwaltungsgebiete einverleibt.
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Elementen stark versetzt.
Politische Eintheilung.
Seit Beginn der Sechzigerjahre war Russland unausgesetzt bestrebt, seineHerrschaft in Westturkestan auszubreiten. Von der grossen Kirgisensteppe aus dranges Schritt für Schritt gegen Süden vor, wobei es sich zuerst am unteren Syr-Darja,hierauf in den Städten Turkestan und Taschkend festsetzte. In den Jahren 1866und 1867 kam es zu erbitterten Kämpfen mit dem Emirate Buchara, in welchenletzteres unterlag, so dass die Russen 1868 sogar das heilige Samarkand annectirenkonnten. Im Jahre 1873 wurde eine alte Rechnung zwischen Russland und demKhanate Chiwa abgeschlossen. Die Russen drangen in mehreren Colonnen gegen
Tadschikweib.
Sartenweib.
Turkmenische Brücke über den Murghab.
Dieses Ver waltungsgebiet umfasst zwei Generalgouverne-ments: 1. das Generalgouvernement Turkestan; 2. das General-gouvernement der Kirgisensteppen.
1. Generalgouvernement Turkestan.
Es umfasst grosse Wüsten, doch auch reichlich Culturland;eine grosse Zukunft haben die am Syr und Amu liegendenLänderstrecken, besonders aber die schönen und fruchtbarenThäler von Ferghana. Ausser den vorgenannten Haupt-strömen ist noch der Ili zu nennen, der sich in den Bal-kaschsee ergiesst. Von den grossen Sandwüsten unterscheidetman: die Wüste Kyzil kum zwischen Syr und Amu, Karakum zwischen Amu und Kaspisee im Süden des Ust-Urt-Plateaus und die Wüste Ak kum zwischen Syr und Tschu.
Die Bewohner sind Kirgisen, Karakalpaken, Kiptscha-ken, Turkmenen und andere Nomaden und Halbnomaden;dann ansässige Tadschik, Sarten und Uzbeken. AusserdemJuden, Afghanen, Chinesen und Russen.
Die wichtigsten Städte sind:
Taschkend (100.000 Einwohner), Sitz des Generalgouver-neurs, ausgedehnte Stadt abseits des mittleren Syr-Darja, mitlebhaften Gewerben (Seiden- und Baumwollwebereien) undbedeutendem Handel. Taschkend war bis 1865 Hauptstadtdes gleichnamigen Khanats.
Turkestan (7000 Einwohner), mit starker Citadelle und schöner Hazred-moschee, aber mit engen finsteren Gassen. — Chodschend (30.000 Einwohner),gut befestigte Stadt am Syr-Darja mit lebhafter Seiden- und Baumwollindustrie.Schone Gärten umgeben die Stadt. — Perowsk (4000 Einwohner), am unterenSyr-Darja, Festung und Flottenstation. — Kokand (40.000 Einwohner), bis 1876Hauptstadt des gleichnamigen Khanats, nun Hauptstadt der „Provinz Ferghana”,an einem Nebenflüsse des oberen Syr-Darja gelegen und von alten Mauern umzogen
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