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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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D. Mittelasien. — I. Russisch -Turkestan.

Ansehnlicher Gewerbfleiss undlebhafter Handel. — Samar-’kand (40.000 Einwohner), bis1868 zum Emirat Buchara ge-hörig, in der schönsten GegendTurkestans und am »Sarafschangelegen. Die Stadt war unterTimur (der hier seine Moscheeund sein Grab hat) Mittelpunkteines Weltreiches und nochunter den Seldschukiden eineglanzvolle Grossstadt. Halb ver-fallene Gebäude und Ruinenerinnern an Samarkands einstigeGrösse. Grosse Bazare und Ka-rawansarajs. Die Gewerbthätig-keit (Seiden- und Baumwoll-fabrikate) ist nicht ohne Belang.

Berühmte mohammedanischeHochschule.

Transkaspien. —

Bis zum Jahre 1879 be-sass Russland nur eini-ge Striche am Ostuferdes Kaspisees. In FolgelangjährigerBelästigun-gen durch den benach-barten Turkmenen-stamm der Achal-Tekeüberzog ein russischesExpeditionsheer daswestliche Transkaspienmit Krieg, eroberte diestarke Festung Gökte-pe und Askabad, dieHauptstadt der Achaloase (1881). Vier Janre später unter-warfen sich die den Achal-Tekes benachbarten Merw-Turk-menen freiwillig der russischen Herrschaft.

Das transkaspische Gebiet besteht vorwiegend aus Wüsten (Kara kum), welcheden ganzen Raum zwischen dem Amu-Darja und dem Kaspisee einnehmen. AmSüdrande der Wüste befinden sich drei Oasen, jene von Achal, von Tedschenund von Merw. Die Achaloase ist 220 Kilometer lang und 7 — 16 Kilometer breitund war bis 1881 von circa 35.OOO Tekes (Tekinzen) bewohnt. Der wichtigste Ortwar das stark befestigte Göktepe mit 15. OOO Bewohnern. Die Tedschenoase istbedeutend kleiner als jene von Achal, aber dichter bevölkert, da sie wie diese35.000 Bewohner hat. — Die wichtigste Oase ist jene von Merw, eines der „Thorenach Indien”. Schon zu Alexander’s des Grossen Zeiten berühmt, war sie unter denArabern der Mittelpunkt der Wissenschaften und zählte 700.000 Einwohner. Dschin-giskhan hat für sich den Ruhm, „die Königin der Welt” in Trümmer geschlagenzu haben. — Die Oase wird vom Murghab, der vom Hindukuh herabkommt, undvon zahlreichen Canälen bewässert.

Andere wichtige Oertlichkeiten in Transkaspien sind:

Kyzil Arwat, in der Achaloase; Tschardschui (30.000 Einwohner), un-weit des Amu-Darja; Krasnowodsk, am Kaspisee, befestigt; Mihailowsk, unfernder vorgenannten Stadt mit dem Hafen von Uzun-Ada, dem Ausgangspunkte der

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Das befestigte Lager der russischen Garnison in Merw.

transkaspischen Eisenbahn. Dieselbe ist 997 Werst lang, wurde während des Turk-menenkrieges 1879 begonnen, 1884 von Kyzil Arwat aus weitergeführt und 1886 bisTschardschui vollendet. Sie verbindet sämmtliche turkmenischen Oasen untereinanderund wird über Buchara nach Samarkand weitergeführt. Von Tschardschui nachKodscha Saleh ist eine Zweigbahn am linken Ufer des Amu im Bau. Im Ganzenzählt die Hauptbahn zwischen Uzun-Ada und Tschardschui 48 Stationen (bis Saniar-kand 64); sie ist eine Militärbahn und steht in Verwaltung des russischen Kriegs-ministeriums.

2. Generalgouvernement der Kirgisensteppen.

Die grosse kirgisische Steppe, welche im Mittel 100 Meterhoch ist, bildet eine ungeheure, von Terrainwellen durchsetzteebene Fläche. Kein Baum, kein Strauch ist zu erblicken; dieSteppe gleicht einem unabsehbaren Meere. Nur die Muchad-scharischen Berge (eine Verlängerung des Ural), welche dieSteppe von Norden nach Süden durchschneiden, machen eineAusnahme; indess ist die höchste Spitze derselben, der Airuk,kaum 300 Meter hoch.

Ausser dem Aralsee, der zum Steppengebiet der Kirgisen

Kirgise.

gehört, ist der Balkaschsee derbedeutendste unter den vielenSeen, welche über den östlichenTheil des Steppenlandes vertheiltsind. Oestlich vom Baikaschliegen in sandiger Steppe dieReste seiner ehemaligen Fort-setzung, der Sassy-Kul undder Ala-Kul. Mit dem letzterenhat der Baikasch noch in histo-rischer Zeit ein Becken gebildet.

Westlich der in den Bal-kasch mündenden Lepsa be-ginnt das „Siebenstromland” —S emirjetschenskij Krai —dessen bedeutendste Flussläufe(ausser der Lepsa) der Ak-Su,der Karatal und der Ili sind.Das Gebiet ist fruchtbar und hatein angenehmes Klima.

Die Bewohner des Steppengebietesim engeren Sinne sind die Kirgisen, dasweitaus zahlreichste Volk türkischer Rasse(über 800.000 Seelen). Sein Verbreitungs-gebiet reicht von der Wolga (wo es aufeuropäisches Gebiet übergreift) bis nachHochasien hinein. Man theilt die Kirgisen,die auf asiatischem Boden siedeln, in dreiHorden ein; die „kleine Horde” reichtvom Uralflusse bis zum Syr-Darja; die„mittlere Horde” von Omsk bis zumBalkaschsee; die „grosse Horde” noma-disirt zwischen dem Baikasch und demIssyk-Kul. Die Kirgisen nennen sich selber

Kirgisin.