Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
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Der Baikalsee.

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§ 5 #;;

E. Nordasien.

Sibirien.

Lage und Grösse. Dieses Gebiet — grösser als Europa —nimmt weit über den vierten Theil der Bodenfläche Asiens einund erstreckt sich in longitudinaler Richtung vom Uralgebirgebis zur Beringstrasse. Im Norden wird es vom ArktischenOcean bespült, im Süden reicht es bis zum Nordrande vonHochasien und bis zum Amurstrome.

Nordasien, welches in politischer Beziehung ein einheit-liches Gebiet — Sibirien — bildet, bedeckt einen Flächen-raum von 12,495.000 Quadratkilometern, in welche Ziffer dasAmurgebiet (449.500 Quadratkilometer), das seit Mai 1881administrativ zum Generalgouvernement Turkestan gehört, mit-inbegriffen ist. •

Bodengestalt. Nordasien ist nur in den östlichen und süd-östlichen Theilen gebirgig. Es erstrecken sich hier weitePlateauflächen von geringer mittlerer Erhebung nach Norden,auf denen zahlreiche Bergrücken sich nach allen Richtungenhinziehen. Am besten bezeichnet man die Plateaux nach densie durchziehenden Flüssen, und zwar:

1. Das Aldanplateau, welches den sanftgeneigten nord-westlichen Abhang des Stanowoigebirges (vgl. S. 204) ein-nimmt. Ueber dieses Plateau führt von Jakutsk (98 Meter) dieHauptstrasse über einen 1200 Meter hohen Pass nach Ochotsk,an der Küste des ochotskischen Meerbusens.

2. Das Witimplateau, westwärts an das Aldanplateauanschliessend, getrennt vom Amurgebiet durch den niedrigenBergrücken, welcher das Stanowoigebirge mit dem Jablonoi-gebirge verbindet. Das letztere streicht als schmale Kette von

mässiger Höhe von Nordost nach Südwest bis zur sibirisch-chinesischen Grenze, wo sich eine Gruppe von kleinen Höhen-zügen erhebt, die ihre Ausläufer nach der Wüste Gobi vor-schiebt. Die im Nordwesten des Witimplateaus streichenden Ge-birgszüge umschliessen den in eine förmliche Kluft eingebet-teten langgestreckten Baikalsee (390 Meter). Die südlicheRandkette dieses Beckens ist das Sajan’sche Gebirge, dassich bis zum Oberlauf des Ob erstreckt und vom Jenisseidurchbrochen wird. Der östlich streichende Hauptzug culminirtin dem 3490 Meter hohen Munku Sardik. Im Süden desoberen Jenissei streicht (auf chinesischem Gebiet) eine Parallel-kette zum Sajan'schen Gebirge, vom hochgelegenen (1680 Meter)Kossogolsee im Osten bis zum Altai im Westen.

3. Der Altai erhebt sich zwischen dem oberen Jenisseiund Irtysch. Er besteht aus einem beträchtlichen Massiv, vondem fast strahlenförmig mehrere Gebirgszüge ausgehen, undzwar: der Ala-tau nach Norden bis Tomsk; das Tannu-olanach Osten; der dsungarische Ala-tau (3500 Meter) nachSüden. Das centrale altaische Alpenland culminirt im Bjelucha(3352 Meter, hiervon 1000 in der Region des ewigen Schnees).Im Süden hängt der Altai nur lose mit der westöstlich streichen-den Kette des Taarbagatai zusammen, indem der SchwarzeIrtysch die verbindenden Rücken durchbricht und einen be-quemen Ausgang aus dem Becken der Mongolei in dieKirgisensteppe bietet.

Die Tiefebenen Sibiriens sind über das ganze Gebietungleich vertheilt, indem sie — auf Grund der geographischenConfiguration des Landes — im westlichen Theile des-selben einen bedeutenden Flächenraum in Anspruchnehmen, einen geringeren in der mittleren Zone, einennoch geringeren im östlichen Drittel, wo Sibirien zwischendem nördlichen Eismeer und dem ochotskischen Meer-busen sich wenig über 10 Breitengrade erstreckt (inWestsibirien über 25, in Mittelsibirien — zwischen demLena-Delta und dem Amur — über circa 20 Breiten-grade). — Den ganzen Nordrand des sibirischen Tief-landes nehmen die Tundren ein.

Die Tundra begleitet die Nordküste Sibiriens in einem Streifen von300 bis 500, selbst 800 Kilometern Breite. Das Wort Tundra bedeutet nachDr. Finsch so viel als „waldloser Ort” und ist ähnlich wie das englische„barren grounds” für die ähnlichen Striche Nordamerikas sehr bezeichnend.So weit das Auge reicht, hat es nichts als eine unendliche, ockerbräunlicheoder weissfahle Moosfläche vor sich, oder die gleichmässig grünen Streckender mit Zwergbirken bewachsenen Flächen, jenem krüppelhaften, am Bodenhinkriechenden Pflanzengebilde, das man kaum Strauch nennen kann. Kahle,grauliche oder gelblichfahl erscheinende Hügelreihen stimmen mit dieser Ein-öde so recht überein. Nur die meist mit vielen kleineren und grösseren, 30 bis120 Centimeter hohen Strauchweiden bewachsenen Ufer klarer Teiche undSeen geben eine dem Auge wohlthuende Abwechslung.

Noch bedeutend schneller als das Auge ermüdet der Schritt des Wan-derers, denn es werden ihm hier die grössten Zumuthungen gemacht. Nirgends

Eisfuchs und Lemminge.