D. Mittelasien. — 2 . Die Oasen-Fiirstenthümer.
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Aul (Zeltlager) in der Kirgisensteppe.
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ruugsanlagen liefert das Landvorzügliche Ernten. Weizen,Reis und Hülsenfrüchte sinddie wichtigsten Nährpflan-zen. Ausserdem gedeiht Baum-wolle, Hanf, Krapp, Tabakund Flachs. Von vorzüglicherQualität ist auch das Obst,welches durch zahlreiche Artenvertreten ist.
Hauptort des Kha-nats — das in den letz-ten zehn Jahren vonden Russen räumlichmehr und mehr einge-schränkt wurde — istChiwa (angeblich 20.000Einwohner), von einerhohen Lehmmauer um-zogen und durch eineCitadelle, welche denPalast des Khans ein-schliesst, vertheidigt.Grosser Bazar, lebhafteHandelsthätigkeit. —Urgendsch, Stapel-platz am unteren .Amu-Darja, mit dem es durcheinen Canal verbundenist. — Kungrat, Haupt-ort der Karakalpaken.
2. Das Emirat Bu-chara.
„Sara Kaissak”, d. i. „Kosaken der Steppe”, oder auch Kirgis-Kaissaken. Dieöstlichen, in den hochasiatischen Gebirgsgegenden hausenden Kirgisen werden„Schwarze Kirgisen” genannt. Sie sind echte Kirgisen, da nur sie sich so nennen,während die Kirgis-Kaissaken sich selber immer „Kaissaken” nannten und nennen;die Bezeichnung als Kirgisen verdanken sie den Kosaken, welche diesen Namen,nachdem sie die echten Kirgisen kennen gelernt hatten, auch auf die Kaissakenanwendeten.
Die Kirgisen sind noch immer ein Nomadenvolk. Zwar ziehen sie heute nichtmehr in grossen Horden umher; wenn aber mehrere Familien ihre Lagerplätzewechseln, ereignet es sich häufig, dass sie auf der Wanderung wieder mit anderenZusammentreffen und dann eine Zeitlang vereint an einem Orte bleiben. Gewöhnlichwechseln die Kirgisen zweimal im Jahre ihre Lagerplätze; einmal mit dem Eintritteder kalten Jahreszeit, wo sie ihre ständigen Winterlager aufsuchen, das anderemalzu Sommers Anfang, mit dem es nach den Weideplätzen geht. — Alle Kirgisen sindMohammedaner, doch ist der Islam unter ihnen entartet und mit heidnischen, ausdem Lamaismus bezogenen Elementen durchsetzt.
Nach „Familien” in Bezirke getheilt, leben die Kirgisen in Aulen (Dörfern),die aus einer grösseren Zahl (selten über hundert) von Filzzelten, „Kascha genannt,bestehen. Das Modell dieser mobilen Wohnung ist bei allen asiatischen Steppen-völkern das gleiche — die „Owa” des Turkmenen, die „Jurta” des Kalmüken, die„Kascha” (oder Kibitka) des Kirgisen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Einsolches Zelt besteht aus einem 3—5 Meter hohen Holzgerüste, das eine Fläche voncirca 15—20 Quadratmetern bedeckt; das Stabgerüste wird verschnürt und mitzolldicken Filzdecken bekleidet. Im Winter, der in der Steppe mit grosser Strengeauftritt, werden mehrere solcher Filzlagen verwendet und überdies das Zelt ringsum,wo es am Boden aufsteht, mit einer gestampften Schneeschichte hermetisch abge-schlossen. Das Leben in einem solchen „Aul” ist von denkbarster Einförmigkeit.Im Winter, der schneereich ist, sind die Heerden ganz auf sich angewiesen undwerden von Hunger und Kälte decimirt.
Die wichtigsten Oertlichkeiten sind:
Omsk (33.000 Einwohner) — eigentlichschon in Westsibirien — Hauptstadt desGebietes, am Irtysch gelegen, mit Befesti-gungen. — S emip alatinsk (15*000 Ein-wohner), am Oberlaufe des Irtysch; Wer-noje (18.000 Einwohner), am nördlichen Ab-hange des Ala-Tau; Uralsk (18.000 Ein-wohner), am Ural, Hauptort im Bezirke deruralischen Kosaken, mit ertragsreichen Fi-schereien und bedeutender Viehzucht; Gur-jew, kleines Städtchen an der Mündungdes Ural, mit circa 3000 Bewohnern, die sichvorwiegend mit Fischerei beschäftigen.
2. Die Oasen-Fürstenthümer.
1. Das Khanat Chiwa.
Flächeninhalt: circa 100.000 Quadratkilometer;
Bewohnerzahl: circa 700.000 Seelen turkmenischen Stam-mes, ausserdem Tadschik und Perser. Das Land erstrecktsich zu beiden Seiten des unteren Amu-Darja und bestehtaus Wüsten, Salzsümpfen und ausgedehnten Morästen, inner-halb welcher sich die durch ein aus dem Amu abgeleitetesCanalnetz bewässerte Oase befindet. Dank diesen Bewässe-
Flächeninhalt: 240.000 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 2,130.000. Eszerfällt in das östliche Hochland und in das westliche Tiefland; ersteres wird nurim Sommer von Yiehnomaden bewohnt. Das Tiefland wird vom Sarafschan be-wässert und ist stellenweise von gartenähnlicher Ueppigkeit. Das Emirat erstrecktsich zwischen dem Amu-Darja im Westen und Süden und dem Pamirplateau imOsten, während im Norden eine bestimmte Grenze nicht anzugeben ist.
Viehzucht ist das Haupterwerbsmittel der Nomadenstämme, welche einenbeträchtlichen Theil der Bevölkerung ausmachen. Die sesshafte Bewohnerschaft be-schäftigt sich mit Ackerbau, welcher hauptsächlich auf die Cultur des Weizens,der Gerste, der Hirse und des Reises sich erstreckt. Obst giebt es in Fülle und sindmanche bucharesische Arten in ganz Mittelasien berühmt und gesucht. Unter denIndustriepflanzen steht die Baumwolle obenan. Die Industrie ist sehr ansehnlich:sie erzeugt Baumwoll- und Seidenstoffe, Shawls, Papier, Stahlwaaren und Schmuck-gegenstände.
Unter allen Völkern Mittelasiens zeichnen sich die Bucharesen ganz besondersdurch ihren Handelsgeist aus. Handelsleute aus Buchara durchziehen ganz Asienund haben zahlreiche Handelsniederlassungen in der Fremde gegründet.
Noch vor zehn Jahren war das Khanat Buchara dasmächtigste selbständige Reich in Mittelasien. Durch das Vor-drängen der Russen ging diese Macht allmählich in die Brüche.Im Jahre 1885 starb der letzte unabhängige Emir — MozaffarEddin — und sein Sohn Abdul Ahad (der jetzige Emir) hatsich den Russen so weit gefällig zeigen müssen, dass er ihnenden Weiterbau der transkaspischen Eisenbahn durch sein Ge-biet gestattete.
Buchara, die Hauptstadt (70.000 Einwohner) des Emirats,ist ein altberühmter Sitz der Wissenschaft.Mit Recht heisst sie die Stadt der Tempel,denn sie besitzt 360 Moscheen, dazu 160 Me-dressen (Koranschulen). Buchara gilt auchals Tauschplatz zwischen Peschawar undNischnij Nowgorod, also zwischen Russlandund Indien. ImUebrigen ist die Stadt eine un-geheure Anhäufung von kleinen und schlechtgebauten Häusern, in welchen eine äusserstbunt durcheinander gewürfelte Bevölkerunghaust: Uzbeken, Tadschik, Turkmenen, Hindu,Juden und Russen. Das wichtigste Gebäudeist der Palast des Khan, innerhalb derCitadelle gelegen, welche von mässiger Höheaus die Stadt beherrscht. Das Abdullah-Karawansaraj gilt für das grösste Gebäudedieser Art in Asien.
Die Umgebung von Buchara wird vomSarafschan bewässert. Aber der Flugsandder Wüste rückt immer weiter vor und be-droht nun sogar die Stadt. Reclus vergleichtdie bucharesischen Wanderdünen mit den„Landes” in der Gascogne. Ausser Bucharasind noch die Städte Aksetsch, Kermine,Kara-Kul und Karschi zu nennen.
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Eine Hofsklavin aus Buchara.
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