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Australien und Oceanien. — Allgemeine Uebersiclit.
die Archipele und Inseln von Polynesien an. Sie bilden südlichdes Aequators einen fast geschlossenen Schwarm vieler grosserund kleiner Gruppen, welche vorwiegend Korallenbildungensind. Einige der wichtigsten Gruppen aber sind vulcanischenUrsprungs ; in erster Linie der von Polynesien weit abgetrennteArchipel der Sandwich-Inseln; mit seinen gewaltigen Vul-canen.
Diese Korallenbildungen gehören fast durchwegs zu der Kategorie der so-genannten Atolle oder Lagunenriffe (vgl. S. 13). Allen Atollen ist eine geringeHöhe über dem Meeresspiegel (selten über 4 Meter) eigen, und diesem Umstandeverdanken sie ihre Bezeichnung als „Niedrige Inseln”. Im Grossen Ocean giebt esderen mehrere Hundert; der Paumotu-Archipel allein zählt an achtzig solcherKoralleneilande. — Die Anordnung und Gestalt dieser Archipele giebt den sub-marinen Bodenverhältnissen des Grossen Oceans in jenem Bereiche ein bestimmtesGepräge, welches in hohem Grade charakteristisch ist. Es liegt in der Natur derSache, dass jene zahlreichen Inseln oberseeisch oder auf einer Landkarte betrachtetdie Täuschung bewirken, als wären sie nur die Gipfel aus grosser Meerestiefe empor-steigender submariner Berge. Das ist aber nur ausnahmsweise der Fall; in der Regelbesitzen ganze Gruppen eine Art Schemel — ein submarines Plateau — das derRichtung des betreffenden Archipels folgt. Es sind also förmliche submarine Rücken,welche von submarinen Bergen überragt werden. Nur die Gipfel dieser Berge tretenaus den Fluthen und bilden das mehrerwähnte Inselgewirr der Südsee.
Nach Darwin sind es die Korallenthierchen, welche in unendlichen Zeiträumenungeheure Massen fester Gebilde zusammengebaut, ganze Archipele gebildet habenund vermöge ihrer örtlichen Entwickelung noch Jahrtausende nach dem Versinkenoceanischer Inseln unter die Meeresfläche deren frühere Lage bezeichnen. Namentlichwaren es die Atollbildungen, die als Demonstrationsobjecte einen merkwürdigenphysikalischen Vorgang enträthselten. Die Schlussfolgerung, welche Darwin inBezug auf die Lagunenriffe zog, besteht darin, dass wir in letzteren die „Grabsteineversunkener Inseln” zu erblicken hätten.
Neben den „niedrigen Inseln” sind die „hohen Inseln” durchwegs Bildungenvulcanischer Natur. Die vulcanische Zone von Melanesien zieht sich bis zu denpolynesischen Schifferinseln hin. In der „Dampierstrasse” erhebt sich der kegel-förmige Inselvulcan Dampier. An der Westspitze von Neubritannien, zwischendiesem Archipel und der Rukinsel, erhebt sich ein circa 800 Meter hoher, un-erforschter thätiger Inselvulcan. Auf Neubritannien selbst sind drei Krater in Thätig-keit. Die Vulcanreihe setzt im Bogen durch die Salomon-Inseln nach denSanta-Cruz-Inseln fort. Hier ist es die Insel Tinakoro, die einen circa 800Meter hohen, thätigen Vulcan trägt; ein anderer Vulcan — Mendana — liegt ander Schwelle der Neuen Hebriden. Die Eilande Ambyn und Tanna haben jeeinen thätigen Vulcan. Auch die Samoa-Inseln zeigen vulcanische Thätigkeit. —Die Viti- und die Marquesas-Inseln, wiewohl vulcanisch, haben keine thätigenVulcane; desgleichen die Bonin-Inseln. — Eine der wichtigsten vulcanischenGruppen ist die, welche von den Sandwich-Inseln gebildet wird. — Ein andereshervorragendes Gebiet vulcanischer Thätigkeit ist die Doppelinsel Neuseeland.Die Nordinsel zeigt (nach F. v. Hochstetter) drei vulcanische Zonen: bei Auckland,um den Taugosee herum und am Mount Egmont. Auf dem engen Isthmus vonAuckland sind 63 selbständige Ausbruchstellen nachgewiesen, unter welchen derRangotito für den Hafen von Auckland das Wahrzeichen ist, wie der Vesuv fürdie Bai von Neapel.
Auch die Hohen Inseln sind meist von gefährlichen Korallenriffen umgeben.Die Canäle zwischen den 156 Eilanden des Viti-Archipels sind — um nur ein Bei-spiel zu geben — von Korallenriffen förmlich durchädert.
Was die Gruppirung der Archipele Polynesiens anbetrifft;diene vorläufig der nachfolgende Ueberblick zur allgemeinenOrientirung. — Südöstlich der Vitigruppe erstreckt sich derArchipel der Freundschafts-Inseln (Tonga). Nördlich an sieschliessen die Schiffer-Inseln (Samoa) mit den grösseren Ei-landen Sawaii; Upolu ; Tutuila und Manua ; vielleicht die schön-anschliesst. Die letztere Gruppe wird von zahlreichen; meist von Barriereriffenumgebenen Eilanden gebildet. Etwas südlicher erstrecken sich die KöniginCharlotte-Inseln, mit der Hauptinsel Wanikoro ; und einem halben Dutzendmeist kleiner vulcanischer Eilande. Noch südlicher stossen wir auf die maleri-schen Neuen Hebriden; eine dichte Gruppe von vielen grossen und kleinenEilanden vulcanischen Ursprungs, ab und zu von Korallenriffen gesäumt.
Die bisher genannten Archipele Melanesiens erheben sich auf einer undderselben unterseeischen Plateauzone, welche im Durchschnitte 2000 Meter unterdem Meeresspiegel liegt. Abgetrennt von dieser Plateauzone erheben sich dieGruppen der Viti-(Fidschi-)Inseln im Südosten und jene von Neucaledonienim Südwesten der Neuen Hebriden aus dem Ocean, beide aus der gleichenTiefe von 2000 Metern, aber von der vorgenannten Gruppe durch tiefere De-pressionen getrennt. Dies gilt besonders für Neucaledonien, das durch die imDurchschnitte 5000 Meter tiefe „Carpentertiefe” von den Neuen Hebriden ge-schieden ist.
Im parallelen Bogen, in nordöstlicher Richtung den Inseln Melanesiens vor-gelagert und in Bezug auf Nordost-Australien den „äusseren Inselgürtel” bildend,erstrecken sich die Archipele und Eilande von Mikronesien. Wie schon der Nameandeutet, sind alle diese Inseln von geringer Ausdehnung. Man unterscheidetfolgende Archipele: am weitesten gegen Norden vorgeschoben die Bonin-Inseln(oder Magalhaens-Inseln), etwas südlicher die Ladronen (Marianen); ferner, vonder letztgenannten Gruppe durch die „Challengertiefe” getrennt, die Carolinen(in der Mitte des eigentlichen mikronesischen submarinen Plateaus) und dieGilberts-Inseln im Südosten anschliessend. Am Westende des Plateaus stossenwir auf die Palau-Inseln und, abgetrennt von all den vorgenannten Gruppen,im Nordosten auf die Marschall-Inseln. Von Melanesien ist die InselweltMikronesiens durch die breite „Narestiefe” (durchschnittlich 5000 Meter) ge-schieden, während ostwärts der Uebergang nach Polynesien nur stellenweisedurch tiefe Depressionen unterbrochen ist. — Oestlich der Vitigruppe und süd-östlich des Gilbertsarchipels schliessen an Melanesien, beziehungsweise Mikronesien,
Das Eiland Pitcairn in der Siidsee.
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Gestade von Neucaledonien.
Von dem Theile des Grossen Oceans, der den OstrandAustraliens bespült, wird der nördliche Abschnitt die Korallen-see genannt. Hier erstreckt sich, von der Torresstrasse nachSüdosten fast parallel zur Küste des Festlandes verlaufend, ineiner Längenausdehnung von fast 2000 Kilometern das grosse„Barriereriff”, ein ungeheures, noch immer im Wachsen be-griffenes Korallenriff. Nur wenige Lücken unterbrechen diesesRiff, welches sich stellenweise bis auf 40 Kilometer der fest-ländischen Küste nähert, nirgends aber über 200 Kilometervon ihr entfernt. Der äussere Rand des Riffes steigt zu be-trächtlicher Höhe an. Während vom Aussenrande des Riffesder Meeresboden in Tiefen bis 1000 Meter abfällt, ist der Canalzwischen dem Riff und dem Festlande verhältnissmässig seicht,da seine durchschnittliche Tiefe circa 40 Meter beträgt.
Zum Continent Australien gerechnet wird auch noch diegrosse Doppelinsel Neuseeland, nächst Neuguinea die grössteInsel im Grossen Ocean. Sie besteht aus der „Nordinsel” undaus der „Südinsel”, zwischen welchen die an ihrer schmälstenStelle nur etwa 23 Kilometer breite Cookstrasse fluthet.
Was die oceanische Inselwelt anbetrifft, schliessen zunächstan Neuguinea die Archipele von Melanesien an, und zwar innordöstlicher Richtung die Gruppe der Admiralitätsinseln,schmale, langgestreckte, meist bergige und dicht bewaldeteEilande; nordwärts folgt die Inselgruppe Neubritannien (jetztBismarck-Archipel), ostwärts die Doppelreihe der Salomon-inseln, an welche nach Südosten hin der Louisiadenarchipel