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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Australien.

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Im Allgemeinen kann Australien in Bezug auf seineFlora nach Hooker in drei Vegetationsgebiete ein-getheilt werden, ein nördliches (oder tropisches); ein süd-östliches und ein südwestliches. Auffällig aber ist ; dassdie Flora des Nordens, die der heissen Zone angehört,so wenig von der des Südens abweicht. Immerhin sinddem Norden tropische Typen eigenthümlich: die sonder-baren, unförmigen Adansonien, die Bäume „mit gicht-krankem Stamme”, Bangalapalmen, Pisang und Bam-bus en. Im Allgemeinen ist der Wald hier schattiger alsim Süden, und zwar gerade durch Eukalypten, derenschattenarme Stammesverwandten dort gefunden werden.— Im Westen ist der südwestliche Winkel der am reich-sten mit Vegetation bestandene. Der Osten wieder istausgezeichnet durch die gigantische Grösse der Formen;der Eucalyptus amygdalina erreicht 170 Meter Höhe. Erschlägt, was Höhe anbelangt, selbst die californische Wel-lingtons, nur erreicht der Eukalyptus nicht deren Dicke.Der schattenarme Eukalyptuswald ist die Ursache, dasssein Boden mit Wiesen bekleidet ist. Das „bewaldeteWiesenland” ist überhaupt eine Eigenthümlichkeit desaustralischen Bodens. Besonders schattenarm sind auchdie Casuarinen, deren Blätter nicht ausgebildet sind.

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Wie das Grasland der Segen des Landes ist, so ist der Skrub dessenFluch. „Eine unbenutzbare und undurchdringliche Einöde von Sträuchern,die selbst das Feuer zu vertilgen nicht im Stande ist, stellt sich der „Skrub” dermenschlichen Cultur oft als unbesiegbare Schranke entgegen. Er nicht minder, alsdie wasserlose Wüste, ist lange Zeit das Hinderniss gewesen, in das Innere desContinents einzudringen, ja nur die an entfernten Küstenpunkten auf blühenden An-siedlungen durch Ueberlandwege zu verknüpfen.” — Der Charakter des Skrub beruhtdarauf, dass der Boden unter Ausschluss von Kräutern und Gräsern dicht bedecktist mit verschlungenen Sträuchern. An manchen Orten werden diese Holzgewächsefünf und mehr Meter hoch.

Eine andere Eigenthümlichkeit Australiens ist, dass eskeine Nährpflanzen nach europäischen Begriffen hat. Das„Coolagras”, welches von den Eingeborenen gleich unseremGetreide behandelt wird, kann als Culturpflanze nicht gelten.Ausserdem giebt es noch eine Knollenfrucht in wildwachsendemZustande, die „Kalopflanze”. — Alle Culturpflanzen, welche denColonisten als Nährpflanzen dienen, sind mit den Europäern inAustralien eingewandert, als: Weizen, Gerste, 'Hafer, Kar-toffeln und Mais. Die Pflege der Culturpflanzen hat derartigenAufschwung erlangt, dass Australien häufig in die Lage kommt,die Kornpreise Europas zu beeinflussen. An diesem Aufschwüngeist nicht zuletzt Neuseeland betheiligt, und seine Weizen- undHaferproduction ist noch immer im Wachsen begriffen. — Da-gegen ist nach Dr. Jung die anfangs vielversprechende Baum-wollcultur in Neusüdwales und Queensland gegenwärtig nicht

Ein Eukalyptenwald.

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Kängurujagd.

mehr erwähnenswerth. Besser steht es mit der Cultur desZuckerrohres. Europäische Südfrüchte (Citronen, Orangenund Feigen) sind Gegenstand der Gartencultur und liefernvorzügliche Ernten, jedoch nur für den Localverbrauch. Besondersreich ist Tasmanien an herrlichen Obstfrüchten, und werdendieselben in grossen Mengen ausgeführt. Auch der Weinbauist in erfreulichem Aufschwünge begriffen.

Merkwürdiger noch als in Bezug auf das Pflanzenleben ist Australien hin-sichtlich seiner Thierwelt. Es hat sich aus der Tertiärzeit nicht nur seine eigen-thiimliche und fremdartige Vegetation gerettet, sondern von seinen 131 Landsäuge-thieren gehören nicht weniger als 102 den Beutelthieren an, die in Europa inder Tertiärzeit noch vorhanden waren, jetzt aber völlig ausgestorben sind; in Amerikahat sich eine einzige Gattung erhalten. Von Tasmanien behauptet Oskar Peschei,dass es sich bereits zu einer Zeit von Australien abgesondert haben muss, als diesesnoch einen Zusammenhang mit Südasien besass. Die Landvögel und Süsswasserfischeder Insel, die Säugethiere, namentlich aber die Seltenheit von Vertretern der placen-talen Ordnungen lassen obige Annahme berechtigt erscheinen.

Nach Wallace ist die Thierwelt Australiens scharf unter-schieden von derjenigen der übrigen Erde durch das gänzlicheFehlen aller Ordnungen von Landsäugethieren, welche in deralten Welt zahlreich Vorkommen, mit Ausnahme der Fleder-mäuse und der Nagethiere. An Stelle der Affen, Raub-undHufthiere, welche in grosser Verschiedenartigkeit in allenübrigen Thierregionen Vorkommen, besitzt Australien zwei neue Ordnungen:Beutel- und Schnabelthiere. Die Beutelthiere treten als Raubthiere,Grasfresser, Fruchtfresser, Nager etc. auf. Unter den Vögeln fehlen dieFinken, Spechte, Geier, Fasanen; dafür sind von eigenthümlichen Familienvorhanden: schwarze Schwäne, Paradiesvögel, Leierschwänze, Honigsauger,Kakadus, Pinselzungen, Erdsittiche, Kasuare. Unter den Reptilien fehlen dieKrokodile. Zwei Drittel aller Schlangen gehören den giftigen Elapiden an,so dass Australien reicher an Giftschlangen ist als irgend ein anderes Reich.Unter den Südwasserfischen ist der alterthümliche Ceratodus merkwürdig.

Dagegen sind alle unsere Haus- und Nutzthiere aus Europa eingeführt. Aebnlicb wie in derPflege der Culturpflanzen haben die australischen Colonien in der Entwickelung der ViehzuchtGrossartiges geleistet. Kein Land der Welt beherbergt so grosse Schafheerden, wie man sie inAustralien und auf Neuseeland findet. Die Schafzucht ist gerade hundert Jahre alt. Am 20. Januar 1788kam der erste Viehtransport, darunter 29 Schafe, aus Europa in der Botanybai an; heute wird derBestand der Heerden auf 60 Millionen Schafe beziffert; die Zahl der Rinder beträgt 8 Millionen,die der Schweine 800.000, der Pferde 1 Million. Der Viehstand der Colonien ist so bedeutend,dass auf 1000 Bewohner circa 3000 Rinder und 27.OOO Schafe kommen. Daher die starke Ausfuhran Wolle, Talg, Häuten, Fleisch und Fleischextract, mit welchen Artikeln Australien die Märktebeherrscht. Der Werth der ausgeführten einheimischen Wolle betrug 1883 über 430 Millionen Mark,1886 über 395 Millionen Mark.

Ebenso reich ist Australien an Mineralien. Südaustralien ist eines deran Kupfer reichsten Länder der Erde; Steinkohlenlager finden sich ingrosser Ausdehnung in Neusüdwales; in Bezug auf die Ausbeute an Goldrangirt Australien nach Californien und Russland. Die Goldlager befindensich in den australischen Alpen und wurden 1851 entdeckt. Anfangs lohntedie einfache „Wäsche” reichlich, in der Folge aber musste zum bergmänni-schen Betriebe geschritten werden. Die Entdeckung der Goldlager war eineder hauptsächlichen Ursachen der freiwilligen Einwanderung, welche bis zujenem Zeitpunkte eine sehr spärliche war, da bis 1851 die Colonien alsDeportationsstätten dienten.

Die Industrie hat in den letzten Jahren einen bewundernswerthen Auf-schwung genommen, einzelne Zweige sind zu so erfreulicher Entwickelunggelangt, dass sie den inländischen Bedarf vollständig zu decken vermögen,als: Bierbrauerei, Zuckerraffinerie, Wollweberei und Spinnerei. In Bezug aufviele Fabrikate, zumal Maschinen, sind die Colonien noch auf die Einfuhraus dem Mutterlande angewiesen.

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