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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Amerika. — Allgemeine Uebersicht.

gerüstet, aber ihr Leiter war ein Italiener, der Florentiner Yerazzano. Zehn Jahre später suchteCartier dieselben Gestade von Nordamerika auf, welche sein Vorgänger entdeckt hatte (eswaren dies hauptsächlich die Küsten der heutigen Unionsstaaten), doch drang er weiter gegenNorden vor, wobei er den Golf, in welchen sich der St. Lorenzostrom ergiesst, sowie die Küstevon Canada entdeckte (1534). Labrador war von Cabot entdeckt worden. Im Jahre 1610 entdeckteHudson die nach ihm genannte Strasse und Bai, 1616 Baffin die seinen Namen führende Bai.In welcher Weise die vorstehend gemachten Entdeckungen erweitert und die mit ihnen ver-bundenen Eroberungen besiedelt und staatlich organisirt wurden, wird bei den einzelnen Ländernzur Sprache gebracht werden.

Grösse. Die Gestalt Amerikas, das sich in zwei in sich abgegrenzteTheile gliedert, welche durch die Landenge von Panama miteinander inVerbindung stehen, empfiehlt es, Grösse und Ausdehnung jedes einzelnenTheiles besonders anzugeben. Die grösste Längenausdehnung von Nord-amerika beträgt vom Cap Lisburne am Arktischen Ocean (im Terri-torium von Alaska) bis zur südöstlichsten Spitze Floridas am Bahama-canal 6802 Kilometer; die grösste Breite vom Cap Charles in Labradorbis zur Küste der mexicanischen Districte Sonora und Cinaloa, westlichvon Villa-del-Fuerte, 5210 Kilometer. Die grösste Längenausdehnung vonSüdamerika beträgt von der Küste nordöstlich von La Hacha amCaribenmeere bis zum Cap Froward an der Magalhaesstrasse 6686Kilometer; die grösste Breite vom Cap St. Rochus in der brasiliani-schen Provinz Rio Grande do Norte bis zur Spitze Malabriga, nord-westlich von Truxillo in Peru, 4870 Kilometer.

Mit Ausschluss des arktischen Archipels und Grönlands beträgt derFlächeninhalt:

für Nordamerika . . . 19,929.060 Quadratkilometer

„ Centralamerika . . 547.308 „

„ Westindien . . . 244.478 „

„ Südamerika . . . 17,752.292 „

Sieht man von den Inseln ab und schlägt man, was geographischunanfechtbar ist, Centralamerika zum nördlichen Theil des amerika-nischen Continents, so stellt sich das Verhältniss der Flächenausdehnungbeider Haupttheile von Amerika zu einander wie ungefähr 5:4 (genauer5 ' 1: 4 ' 4 )-

Küstenumrisse und Inseln.

Christoph Columbus. (Nach einem alten Kupferstich.)

Amerika wird im Westen vom Grossen Ocean bespült,im Osten vom Atlantischen und einem Theile des ArktischenOceans, im Norden vom Arktischen Ocean. Im äussersten Südenläuft der Continent mit Hinzuziehung des Archipels von Feuer-land in eine Spitze aus, an der sich die Fluthen des Atlan-tischen und Grossen Oceans miteinander vereinigen. Von diesemPunkte aus, und zwar auf der atlantischen Seite, wollen wirdie Küstenumrisse des neuen Erdtheiles schildern.

Atlantischer Ocean. Die Ostküste von Patagonien— dem südlichsten halbinselartigen Theile von Südamerika

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Amerigo Vespucci. (Nach einem alten Kupferstich.)

ist flaches, im Sinken begriffenes Land. Dahinter erstreckensich hohe, wellenförmige Plateaux. Gegen Norden gehen dieseHochebenen in vollständige Ebene — das Steppengebiet derPampas — über. Ebenfalls flach sind die stellenweise ziemlichausgiebig durchbuchteten Küsten. So ist beispielsweise derRio de la Plata („Silberfluss”) kein Fluss, sondern eine tiefin das Festland vordringende, ungeheuer breite Mündungsbuchtund zugleich das Abflussthor für das nach dem Amazonas-gebiete ausgedehnteste Stromgebiet Südamerikas. In die LaPlatabucht mündet der ungeheure Paranästrom und in eineSeitenbucht der nicht minder wasserreiche Uruguay. Im Hintergründe derLa Platabucht liegt Buenos Aires, an der Nordküste derselben, bereits vomOcean bespült, liegt Montevideo. Hier hat die „Mündung” des La Plataeine Breite von nicht weniger als 100 Kilometern. Der Parana mündetmit einem Delta, das so ausgiebigen Umgestaltungen unterliegt, dass„eine Karte vom Delta, welche man heute entwirft, nach wenigen Monatennicht mehr richtig ist”. Im Ganzen zählt man 14 Deltaarme. Viele Eilandewerden zur Hochwasserzeit vom Strome ganz weggerissen; dafür bildetletzterer an anderen Stellen neue Inseln. Die bedeutenden Wassermassenund Sedimentmengen, welche der Parana dem Meere zuführt, erklärensich aus den ausgiebigen tropischen Regen in Brasilien und aus dem ab-schmelzenden Schnee in den Anden.

Nördlich vom Rio de la Plata wird der Küstenrand von Lagunenbegleitet, deren bedeutendste jene von Los Patos ist. Weiter folgt eineinförmiges Gestade mit wenigen Baien und Buchten. In einiger Entfernungvon der Küste aber schliesst das Gestadeland mit einer mehr oder minderhohen, mehrfach unterbrochenen Vorstufe ab.

Die schönste Bucht an der brasilianischen Küste ist diejenige, an welcher Rio de Janeiroliegt. Der grossartige landschaftliche Hintergrund dieser Bucht besteht aus stattlichen Höhenzügen.Die prächtige Scenerie wird wesentlich verschönt durch gewaltige, mitunter seltsam gestaltete Granit-felsen, welche zu beiden Seiten des Hafeneinganges natürliche Mauern bilden. Die Bucht von Riode Janeiro hat eine Länge von 45 Kilometern, eine Breite von 3 ° Kilometern und nimmt eineMenge von Flüssen und Bächen auf. Ueber die weite .Wasserfläche ragen Inseln und Felseilande,die Stadt selbst schmiegt sich hauptsächlich an das westliche Ufer der Bai und ist mit ihrem älterenTheile über eine, auf zwei Seiten von Felshügeln begrenzte Ebene ausgebreitet.

Nicht minder malerisch präsentirt sich das eine Strecke weiter nördlich gelegene Bahia.„Die Stadt liegt ähnlich wie Lissabon weit am Meere hingelagert, auf einer langgestreckten Hügel-kette, und bietet einen wundervoll schönen und malerischen Anblick. Das Meer hat eine smaragd-grüne Färbung und ein tiefblauer klarer Himmel lässt Licht und Schatten so markirt erscheinen,wie man es in Europa nicht kennt. Die See ist hier fast beständig ruhig, da der Hafen durch einemit Zuckerplantagen bebaute Insel abgeschlossen ist” . . . Minder malerisch ist Pernambuco, eineStrecke weiter nördlich, doch ist das Gestade ausserordentlich reizvoll, wozu die herrlichen Pinien-und Palmenwälder wesentlich beitragen.

Nördlich von Pernambuco — beim Cap Branco — wendet die atlan-tische Küste Südamerikas, welche bis dorthin von Südwest nach Nordostverläuft, nach Nordwest und behält diese Direction im Grossen und Ganzenbis in die Nähe der Landenge von Panama. Da zwischen dem Cap Brancoin Brasilien und dem Cap Palmas in Westafrika die ideale Grenze zwischen