Amerika. — Allgemeine Uebersicht.
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Das Westende der Magalhaesstrasse.
dem südatlantischen und dem nordatlantischen Becken zieht,treten wir aus dem ersteren in das letztere über und kommenalsbald in den Bereich des Königs aller Ströme der Erde —des Amazonas (oder Maranon). Das Delta des Amazonashat, wie nicht anders zu denken, eine ungeheure Ausdehnung.Man könnte wochenlang die vielen Canäle und Stromaderndurchschiffen, ohne alles gesehen zu haben. Der Strom er-giesst sich mit fünf grossen und unzähligen kleinen Armen fastunmittelbar am Aequator (etwas südlicher) in eine 80 Kilometerbreite Mündungsbucht, in welcher in einem ganzen Archipel vonEilanden die grössere Insel Caviana liegt. Das Einströmender gewaltigen Süsswassermenge ist so ausgiebig, dass dasSeewasser noch auf 300 Kilometer Entfernung von der Mün-dungsstelle des Stromes brackisch ist. Die südliche Haupt-mündung des Amazonas, welche die grosse Insel Marajo um-strömt, ist 20 Kilometer breit.
Der von der Amazonasmündung aus im weiteren nord-westlichen Verlaufe der Küste anschliessende Uferstrich istder von Guyana, eine feuchte, schlammige und im hohenGrade ungesunde Gestade-Ebene. Wo sie endet, breitet sich dasweitläufige Delta des Orinoco — es hat einen Flächenraumvon circa 40.000 Quadratkilometern — aus. Die Fluthwelle desOceans geht bei niedrigem Wasserstande des Stromes bis zuder 40 Kilometer vom Küstenrande entfernten Stadt Angosturahinauf. Der ganze Raum nördlich und westlich des Orinoco istFlachland, jenes üppige Grasland, welches man die „Llanos”nennt. Vom Orinoco ist das Steppengebiet durch mächtigeWaldungen getrennt.
Das Küstenland vonVenezuela wird imSüden durch eine ineiner Entfernung von 20Kilometern streichende,im Durchschnitte nur450 Meter hohe Küsten-kette begrenzt. In ihrenThälern giebt es Zucker-und Cacaoplantagen, inden höher gelegenenStrichen W aldbestände,deren Werth sich nachvielen Millionen bezif-fert. Eine nördlich vor-gelagerte Parallelkette— die Silla de Cara-cas — erhebt sich beiCaracas bis zu 2750 Me-ter. Oestlich bei Cumanasteigt der Piomia 2048Meter über dem Meeres-spiegel auf. Nördlich derKüste von Venezuelazieht die Kette der In-seln unter dem Win-de von den kleinen An-tillen bis zum GolfevonMaracaibo. Dieserletztere schliesst sichim Süden bis auf ein
schmales Eingangsthor, von dem aus der ungemein ausgedehnte,fast seeartig geschlossene Lago de Maracaibo (eine südlicheFortsetzung des vorgenannten Golfes) sich öffnet. Der See vonMaracaibo ist, wenn auch nicht die grösste, so doch geschütz-teste unter allen Meeresbuchten Amerikas.
Im Westen des Golfes von Maracaibo fällt die Küste nachSüdwesten ab und schliesst an die Landenge von Panamaan. Das Knie, wo dieser Bruch der Küstenlinie erfolgt, ist diePunta Gallinäs, die nördlichste Spitze von Südamerika. DieKüste westwärts dieses Vorgebirges gehört zu Columbien.Das Gebirge, welches jene begleitet und deren Hänge seeseitssteil ins Meer abfallen, ist die Sierra Nevada de SantaMarta. Ueber ihre Kammlinie steigen da und dort einzelneSchneegipfel empor.
Mit einem Blicke überschaut man Regionen vom heissen tropischen Tieflandebis zu den eisbedeckten Berggipfeln. An dieser Küste mündet der gewaltige Magda-lenenstrom, ein echter Tropenfluss, geschmückt mit den berauschendsten Scenerien.„Im Westen schwimmen rosenrothe, dunkelrothe und purpurne Wolken auf orangen-farbenem Grunde, der allmählich in ein helleres Gelb verläuft, während das Firma-ment im Zenith tiefblau ist. Nach und nach schwächen sich alle Farbentöne ab,das Rosa geht in Lila, das Roth in Violett über und das purpurne Gewölk wirdblaugrau, bleibt aber von einem goldenen Rande ein gesäumt ... In der Abendstillehört man die Baumgrille zirpen und der Regulus singt eine förmliche Tonleiter.Aus dem Schilfe ertönt der Ruf der Otter, in der Ferne verhallt das Gebrüll desJaguars, während am Ufer die Kaimans mit den Kinnladen klappern und das Faul-thier seine weinerliche Stimme vernehmen lässt.”
Noch zaubervoller nimmt sich das Bild in den Morgenstunden aus, wenn diewürzige Luft von der sangesfreudigen gefiederten Welt und von den Prachtexemplarentropischer Schmetterlinge erfüllt ist. Im Dickichte flattern dann Papageien lärmendumher und in den Baumwipfeln finden sich paarweise die blauen, rothen und grünenAras ein. Dazwischen schwebt schwerfällig der Pfeffervogel oder tummeln sichSchwärme von Sperlingen, die hier ein buntes Gefieder besitzen. Der Cardinal lässtseine pfeifenden und zischenden Töne vernehmen, und schmucke Witwenvögelschaukeln sich auf den Stauden. Nicht minder herrlich nehmen sich die Pracht-schmetterlinge aus: die goldgelben Callidryas, die prächtigen Hymeniten und dergrünblaue Morpho Menelaus.
Ueber den Golf von Darien — an der Grenze von Süd-und Centralamerika — hinaus, gelangt man aus dieser zauber-vollen Tropenlandschaft in eine andere, die zwar nicht mindertriebkräftig, aber weit weniger einladend ist. Es ist dies dieLandenge von Panama, das Bindeglied, mittelst welchem diebeiden Landgebiete des amerikanischen Continents Zusammen-hängen. Ueber den (an seiner schmälsten Stelle nur 49*3 Kilo-meter breiten) Isthmus breitet sich streckenweise eine dichteVegetation, die so triebkräftig ist, dass beispielsweise ein einzigerRegenguss genügt, die Geleise der Panamabahn mit spann-hohem Unkraut überwuchern zu lassen. Das Klima aber isteines der bösartigsten in der heissen Zone.
Im Nordwesten der Landenge von Panama, durch welchejetzt ein grossartiger Schifffahrtscanal gebaut wird, dehnt sichim weitgestreckten Bogen der Columbusgolf mit den Küstenvon Costa Rica und Nicaragua aus. Sein Seitenstück ist der
Die Bai von Rio de Janeiro,
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