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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Amerika. — Allgemeine Uebersicht.

Uferdämme des Mississippi.

Golf von Honduras zwischen dem unentwickelten Halbinsel-lande Honduras und der Halbinsel Yucatan ; nächst Labradorder grössten des amerikanischen Continents. Im Hintergründedes letztgenannten Golfes liegen die Freistaaten Honduras undGuatemala. Yucatan ist bereits mexicanisches Gebiet und west-wärts seiner Nordspitze — Cap Catoche — öffnet sich dasweite Rund des Golfes von Mexico, des grössten von allenGolfen Amerikas. Die tiefe Einbuchtung nach Süden, gleichjenseits von Yucatan, ist der Golf von Campeche.

Der Golf von Mexico wird durch die beiden HalbinselnYucatan und Florida zangenförmig geschlossen und hat vorseinem Ostausgange die Insel Cuba liegen. Zwischen den west-indischen Inseln, der westlichen Hälfte der Nordküste vonSüdamerika und dem Theile der atlantischen Küste von Central-amerika zwischen der Landenge von Panama und dem CapCatoche auf Yucatan erstreckt sich das Caribische (oderCarai'bische) Meer, ein grosses geschlossenes Becken, welches,in Verbindung mit dem Golfe von Mexico, mitunter das„Amerikanische Mittelmeer” genannt wird.

Der Küstenrand von Mexico ist fast durchwegs flach undbesitzt ausgedehnte Lagunenbildungen, die sich auch jenseitsder Mündung des Rio Grande del Norte — der politischenGrenze zwischen dem mexicanischen Freistaate und den Ver-einigten Staaten von Nordamerika— erstrecken. Solche Lagunensäumen das ganze Südgestade der Union bis zur HalbinselFlorida. Dieser Uferstrich ist aufsteigendes Land, währendan der Küste von Mexico weder Hebungs- noch Senkungser-scheinungen beobach-tet werden.

Die in geophysikalischerBeziehung bemerkenswerthesteOertlichkeit am Uferrande desGolfes von Mexico ist die Mün-dung des Mississippi, ein Deltavon riesiger Ausdehnung. Soweit der Blick schweift: nichtsals Sumpf, Wasser und Himmel.

Kein Baum, kein Strauch zeigtsich dem über das im Windeleise raschelnde Schilf hinglei-tenden Auge, das vergeblicheinen Ruhepunkt sucht. Einähnlich rauschender, nur etwastieferer Ton wird vom Golfeherübergetragen, in regelmässigwiederkehrenden Pausen an-schwellend und sanft verhallend.

Es ist die Brandung, welcheträge an die schlammigen Uferder die einzelnen Mündungs-arme des Mississippideltas tren-nenden Barren schlägt. EndloseZüge von Wasservögeln belebendie Einsamkeit. An den Ein-fahrten in die Canäle liegenRudel von Alligatoren im Zwie-lichte des dicken, feuchten undschwülen Dunstes, der über demStrome und den Ufersümpfenlagert.

Weiter stromauf ändertsich die Landschaft und zu bei-den Seiten des Fahrwasserszeigen sich Lichtungen im Röh-richt. Es kommen grüne Sa-

vannen und Zuckerrohrplantagen in Sicht, welche mit ausgedehnten Weiden-gebüschen abwechseln. Im Fahrwasser aber sitzen hunderte von Baumstämmenfest — die berüchtigten „Snags” — welche auffahrenden Schiffen den Untergangbringen. Die Snags stecken meist in den sogenannten „Mud-Lumps”, eigen-tümlichen Lehm- und Schlammhügeln, welche von Zeit zu Zeit plötzlich ausdem Flussbette aufsteigen.

Vor der Regulirung der Mississippimündung wurden die Niederungen deran ioo englische Meilen langen Deltalandschaft durch verheerende Ueber-schwemmungen heimgesucht. Bei ungünstigen Wasserständen (oder widrigenWinden) mussten die Schiffe tagelang vor der Barre der sogenannten „Süd-westpassage” — des westlichen der drei Mündungsarme — liegen bleiben. Vonden enormen Wassermassen, die anderwärts der Schifffahrt auf diesem Stromezugute kommen, war im Unterlaufe, namentlich aber im Delta, nichts zu ver-spüren. Die schlammigen Fluthen vertheilten sich auf ein weites Gebiet (3,185.933Hektaren nach Lyell) und der Strom, der auf hunderte von Kilometern einedurchschnittliche Tiefe von 20 Metern besitzt, war im Mündungsbereiche so seicht,dass die Oceandampfer immerwährend der Strandungsgefahr ausgesetzt waren.

Die Verschlammung und Verseichtung des Mississippideltas scheint mitden Hebungserscheinungen daselbst zusammenzuhängen. Nach der Richtung,welche der Mississippi verfolgt, schliesst H. Birnbaum, dass Nordamerikas Er-hebungsachse mit der des Felsengebirges zusammenfällt; denn statt seine Uferauf der rechten Seite anzugreifen (wie das auf Grund der Einwirkung derErdrotation geschehen sollte), untergräbt der Mississippi vorzugsweise die Hügelder linken Seite seines Flussbettes. Im Flachlande seines Deltas schlägt er sogareinen nach Südost gerichteten Lauf ein, parallel mit der gleichfalls hier vor-kommenden Beugung der Felsengebirge und parallel mit den kleinen Flüssenvon Texas. Man darf also annehmen, dass alles Flachland Nordamerikas in derRichtung nach Westen emporgehoben wird, weil alle Ströme, welche das Tieflandsüdwärts durchfliessen, ein Streben nach östlicher Ablenkung an den Tag legen. —Für das Vorrücken des Mississippideltas hat Dr. Beaumont das Maximum von350 Metern im Jahre aufgestellt.

Der Golf von Mexico wurde bis in die jüngste Zeit irrthürmlicherweise als dieGeburtsstätte des Golfstromes angesehen. Maury hatte in seiner „Physik des Meeres”auf den wohlthätigen Dienst des Golfstromes hingewiesen, der darin bestehen sollte,dass er die im Golf von Mexico angesammelte Wärme fortschafft und sie in Regionenträgt, wo sie die Winterkälte erheblich mindert. Maury hatte ferner berechnet, dassdie Quantität der täglich vom Golfstrome ausgehenden und über den AtlantischenOcean verbreiteten Wärme ausreichen würde, ganze Gebirgsmassen von Eisen zumSchmelzen zu bringen und einen Strom von diesem geschmolzenen Metalle in Flusszu erhalten, der in allen Dimensionen dem Mississippi gleichkäme. Nach den Messungenund Berechnungen, welche Capitän Livingstone angestellt hat, führt der Golfstrom beiseinem Austritte durch das Thor zwischen Florida und der Bahamabank tausendmalso viel Wasser, als der Mississippi bei seinem Eintritte ins Meer. Thatsache ist aber,dass im Golfe von Mexico nur ein ganz unbedeutender Strom kreist.

Ein Gebiet anderer Art, aber nicht minder interessant, istder Küstensaum der grossen Halbinsel Florida. Den Nordenund die Mitte derselben bedecken unermessliche Waldungen,der Süden ist ein einziger ungeheurer Sumpf, der bald vomOcean, bald von Winterregen überschwemmt wird; süsses undsalziges Wasser vermischen sich hier und bilden ausgedehnteBrackwasserbecken. Sie bilden — mehr noch aber die eigent-lichen Süsswassersümpfe — die berüchtigten „Everglades”,Wasserwüsten mit gefährlicher Fieberluft, in der nur die vorder Civilisation zurückweichenden Indianer zu existiren ver-mögen. Die Ueppigkeit der Vegetation, namentlich der Wasser-pflanzen, ist für Florida in so hohem Maasse charakteristisch,dass wir über sie kaum weitere Worte zu verlieren brauchen.

Die Mündung des Amazonas.

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