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Amerika. — Allgemeine Uebersicht.
Giantbai in der Juan de Fucastrasse.
pfeife
Wüste ohne geringsten wirthschaftlichen Werth. Die Engländer,welche aus naheliegenden Gründen gegen den Besitzwechselwaren, nannten das Land ein „Stück gefrorenen Schlammes,an dessen Rändern man hie und da Seemuscheln finde”.
Das Territorium von Alaska bildet den nordwestlichenhalbinselartigen Theil des amerikanischen Continents und wirdim Süden, Westen und Norden vom Meere bespült, und zwarsüdlich der Beringstrasse vom Grossen Ocean, nördlich der-selben vom Arktischen Ocean. Der westliche Rand desTerritoriums ist mannigfaltig durch vorspringende Halbinseln,welche geräumige Buchten zwischen sich haben, gegliedert.Die auffälligste unter den Halbinseln ist die, welche den NamenAlaska führt. Ihre insulare Fortsetzung ist der Archipel derAleuten, die Grenzlinie zwischen dem Grossen Ocean unddem Beringmeer. In diesem letzteren liegen die Bering-inseln und die Kupferinseln. (Ueber die Natur des Innerenvon Alaska siehe unter „Bodengestalt”.)
Arktischer Ocean. Der amerikanische Continent wirdim Norden, bei einer Küstenentwickelung von rund 10.000 Kilo-metern, auf dieser ganzen ungeheuer langen Erstreckung von denFluthen des Arktischen Oceans (oder nördlichen Eismeeres)bespült. Da der diesen Küsten vorliegende, zumeist im ewigenEis starrende' reichgegliederte Archipel von grossen und kleinenInseln zur nördlichen Polarregion gehört, haben wir uns inden nachfolgenden Zeilen nur auf die festländischen Küstenzu beschränken.
Das auffälligste Detail am Kartenbilde der arktischenKüste von Amerika ist die ungemein ausgedehnte südlicheEinbuchtung im Westen von Labrador, ein Golf von der bei-läufigen Flächenausdehnung des Deutschen Reiches, welcherden Namen Hudsonbai führt. Nach dem feststehenden Begriffevon einer „Bai” ist jene Bezeichnung unzutreffend. Zieht manvon der Südspitze von Grönland zur Ostspitze von Labradordie ideale Grenzlinie zwischen dem Atlantischen Ocean und demnördlichen Eismeere, so gehört auch die ganze Nordküste vonLabrador zur arktischen Region. Sie ist völlig starr und leblosund nur an den Mündungen der Flüsse ringen verkrüppelte Ge-hölze um ein trauriges Dasein. Der Verkehr durch die Hudson-strasse (zwischen Labrador und dem arktischen Baffinlande)ist nur einige Wochen im Hochsommer ohne Gefahr möglich.
Gegenüber der Nordküste von Labrador, welche wenigüber den 6o° Nordbreite hinausrückt, ist das nördliche Küsten-land von Nord west-Amerika, dessen Gestadelinie ungefähr mitdem 70 0 Nordbreite zusammenfällt, noch viel schlimmer daran.Es ist ein zweites „Sibirien” nicht nur in klimatischer, sondernauch in bodenplastischer Beziehung. Der Mackenziestrom,welcher sich in das nördliche Eismeer ergiesst, ist jedem der jgrossen Flüsse Sibiriens ebenbürtig. Wie hier, ist auch in der iarktischen Region von Nordamerika der Boden mit Morast- |steppen überzogen und werden die unabsehbaren Wiesensteppen jvon Jagd- und Fischernomaden durchstreift. Das Renthier ist !hier ebenso einheimisch wie in der Tundrenregion von Nord-asien. Aussergewöhnlich ist der Reichthum an Pelzthieren. DasHinterland der Küste ist reich an Seenspiegeln, welche zu jZeiten von Schaaren von Wasservögeln belebt werden. Der jGrosse Bärensee, der zum Flussgebiete des Mackenziestromesgehört (er besitzt indess auch zwei von diesem Strome unab-hängige Abflüsse, welche unmittelbar ins Eismeer fallen), istvon October bis Mitte Juli mit einer 2 bis 3 Meter dicken Eis-
decke überzogen. Die Küste bildet stellenweise einemehrere hundert Meter hohe öde Kalkstufe, wie beispiels-weise bei der Smithbai.
Von der Mündung des Andersonflusses zieht sichbis zum i32 , 6° Westlänge und bis nahe an den 70° Nord-breite ein Meeresarm, welcher, mehrere Kilometer breit,die Insel Gibb und das von Petitot Ile de la Societede Geographie genannte Eiland vom Festlande trennt.Es ist dies der Eskimocanal. Im Bereiche des Mackenzie-deltas breiten sich grosse Lagunen aus. Der ganze lang-gedehnte Küstenstrich vom Cap Barrow, unfern derBeringstrasse, bis zu den Gestaden der Hudsonbai istoffene, waldlose Einöde — „Barren Grounds”— auf welchemRen, Wolf und Polarfuchs umherstreifen. In den süd-licheren Strichen der Hudsonbai-Uferländer tritt diePrairieauf und beginnt jener unermessliche Waldgürtel, der sichvon hier quer durch den ganzen Norden von Amerika bisin die Felsengebirge erstreckt.
Der arktische Norden des Continents ist reich angrossen und kleinen Inseln und hat zahlreiche Meer-strassen. An der festländischen Küste sind zu nennen:der Mackenziebusen, an der Mündung des gewaltigenMackenzieflusses; die Liverpoolbai, zwischen dem Mackenzieund dem Cap Bathurst; die Franklinbai, östlich vom CapBathurst; der Georg IV. Krönungsgolf, an der Mündungdes Kupferminenflusses. Die grössten Einbuchtungen der Hud-sonbai sind: die Chesterfieldeinfahrt, der Wagerfluss (sogenannt, weil dieser Meereinschnitt an seiner Einfahrt dieGestalt einer Flussmündung hat) und die Repulsebai gegenNordwesten, die Jamesbai gegen Südosten. Zwischen Grönlandund der Nordostküste von Labrador erstreckt sich die ungemeinbreite Davisstrasse.
Die Inseln. Obgleich in den vorstehenden Auseinandersetzungen mehrfach derdem amerikanischen Festlande vorgelagerten Inseln gedacht wurde, erscheint esdennoch nothwendig, eine zusammenfassende Darstellung von der Lage und Gruppi-rung der amerikanischen Inselwelt zu geben.
Zum Atlantischen Ocean gehören:
1. Der Archipel von Neufundland, aus den Inseln Neufundland, PrinzEdward (St. Johns), Cape Breton und Anticosti bestehend.
2. Die Bermudagruppe, mit den Hauptinseln Bermuda und St. Georg.
3. Die Grossen Antillen, mit den Hauptinseln Cuba, Haiti (St. Domingo),Jamaica und Puertorico.
4. Die Kleinen Antillen, eine Anhäufung von zahlreichen grösseren undkleineren Eilanden, welche im Osten des vorgenannten Archipels beginnen und miteinem nach Osten gerichteten Bogen bis in die Nähe der Nordküste von Südamerikareichen. Die wichtigsten der Kleinen Antillen sind: Trinidad, Martinique undGuadeloupe. Die Grossen Antillen und die Kleinen Antillen fasst man in der Regelunter der Bezeichnung Westindien zusammen.
5. Die Bahamainseln (im Nordosten von Cuba), mit den Hauptinseln Gross-Inagua, Andros, Gross-Abaco und Gross-Bahama.
6. Einige Eilande an der Mündung des Amazonas, unter denen Ilha de Marajöam grössten; Fernando de Noronha, 375 Kilometer nordöstlich vom Cap Branco,und Santa-Catarina in der gleichnamigen Provinz Brasiliens.
7. Die Falklandsinseln oder Malvinen, aus zwei Hauptinseln (Falklandund Soledad) und etwa 90 kleinen Eilanden bestehend.
8. Die Feuerlandsgruppe (auch Magalhaes-Archipel genannt), mit denHauptinseln Feuerland und Southdesolation, welche mit dem südamerikanischen Fest-lande die Magalhaesstrasse einschliessen. Auf der erstgenannten Hauptinsel ist derVulcan Sarmiento bemerkenswerth. Die kleineren Inseln sind in besonders benannteArchipele geschieden, wie: „Grafton-Inseln”, „Camden-Inseln”, „Hermite-Inseln” und„Diego Ramirez-Inseln”. Die wegen ihres hohen Vorgebirges merkwürdige InselHoorn gehört zur Hermitegruppe.
Sitka im Territorium Alaska.