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Amerika. — Allgemeine Uebersieht.
wird. Die Coloradowüste erstreckt sich übrigens hauptsächlich längs des Unter-laufes des Coloradostromes, wo die Ufer bereits ganz flach sind. Wagt man sichüber die Ufer hinaus, so hat man es mit mehr als einem Schlucke des dicken,breiartigen Flusswassers zu thun. Es liegt schon in der Gegenwart dieses Wüsten-flusses etwas Furchtbares; die verrätherischen Wirbel seiner Strömung reissen denkühnsten und stärksten Schwimmer in die Tiefe. Selbst die Thiere fürchten denAnblick des Flusses und schnauben, wenn man den Versuch macht, sie in die Nähedesselben zu treiben, von instinctivem Grauen.
Die Sierra Nevada erreicht im Süden im CulminationsgipfelWhitey Peak 4541 Meter. Von hier zieht ein geschlossenerKamm nordnordwestlich und senkt sich bis in 40 0 Nordbreiteallmählich herab. In der Nähe desselben überschreitet die erstePacificbahn im Truckeepass (2194 Meter) das Gebirge. NachWesten — zur Joaquin-Sacramentoebene — ist die Ab-dachung sanfter als nach Osten und von vielen senkrecht zurKammlinie verlaufenden Thälern eingerissen. Sie sind aus-gezeichnet durch grosse Naturschönheiten, im Besonderen dasweltberühmte Yosemite-thal, das mit seinen viel-tausendjährigen Bäumen (Se-quoia gigantea), seinen Was-serstürzen und Seespiegeln,wie der Yellowstonepark, un-ter nationalen Schutz gestelltist. — Im Norden nähert sichdie Sierra Nevada dem Kü-stengebirge und umschliesstdas Sacramentothal. Höch-ster Gipfel in diesem Ab-schnitte ist der vulcanischeMountShasta (4400Meter).
—Das nämliche System einesvon einem Küstengebirgeund einem parallelen Hoch-gebirge eingeschlossenenniedrigen Längenthaies wie-derholt sich auch nördlichder Sacramentoebene. DieFortsetzung der Sierra Ne-vada heisst hier Cascaden-gebirge (nach den zahl-reichen Wasserstürzen undStromschnellen des Colum-biaflusses so genannt), mitvulcanischen Gipfeln, derenhöchster — der Mount Rai-nier — bis zu 4400 Meteransteigt. Das Cascadenge-birge läuft, vom 49 0 Nord-breite an dichter an die Küstesich anschmiegend, zumTheilin Inseln aufgelöst und späterohne eigentlichen Gesammt-namen, bis in die vulcani-schen Aleuten. Den südli-chen Theil der Küstenkettenennt man die südlichenSeealpen, den nördlichen(bis zum Vancouver- Archipel)die nördlichen Seealpen— das Ganze wohl auch „Nord-amerikanische Seealpen”. Siesteigen stellenweise zu be-sonders beträchtlicher Höhean; so der Mount Elias ander Grenze des Territoriums Alaska, dessen Gipfel 4562 Metererreicht (nach neueren Messungen 5950 Meter); noch höherist der ihm im Norden benachbarte Mount Wrangel (6222Meter), welcher jetzt als der höchste Berg Nordamerikas gilt.
Die Gipfel des Küstengebirges von Alaska sind durch-wegs Vulcane, von welchen eine stattliche Zahl noch thätigist: Pawlowski, Wenjaminow, Iljamna, Ujakuschutschund andere. Die westliche Fortsetzung der Vulcankette vonAlaska wird durch die noch viel bedeutendere Reihe derAleuten gebildet. Sie zählt nicht weniger als 48 thätige Vulcane.Die bedeutendsten sind: Unimak, Unalaschka, Junaska,Atcha, Tanaga und Semisopotschny. Der letztgenannteVulcan liegt genau am 180. Meridian.
B. Die östlichen (isolirten) Gebirgssysteme.
I. Das Kettengebirge der Appalachen (Alleghanies). Es ist ein ausgeprägtesKettengebirge und streicht in einer Längenausdehnung von 2500 Kilometern und
einer Breite von 200 bis 300 Kilometern, zu beiden Seiten von der Tiefebene be-grenzt, vom Lorenzostrome bis in das Gebiet von Alabama — also fast bis an den.Golf von Mexico. Die Streichungsrichtung ist eine von Nordost nach Südwest. DerHudsonfluss trennt das ganze System in einen kleineren nordöstlichen Theil (Berg-land von Neuengland und Akadien) und in einen grösseren südwestlichen Theil.An den Alleghanies lassen sich zwei parallele Hauptkämme unterscheiden, derenöstlicher die Bezeichnung Blaue Berge führt und im Black-Dome bis zu 2044Meter ansteigt. Der jenseits des Hudson gelegene Theil der Alleghanies culminirtim Saddleberg in 2100 Meter Seehöhe.
2. Das Kettengebirge der Grossen Antillen. Es ist, im Gegensätze zu denKleinen Antillen, nicht vulcanischer Natur. Jede der Inseln der Grossen Antillenträgt eine Anzahl von Parallelketten, welche mit den Längenachsen der Inseln zu-sammenfallen. Das Hauptgebirge von Haiti — die Cordillera do Cibao — hatGipfel bis zu 3000 Meter. Die Gebirge Jamaicas erreichen noch 2000 Meter Höhe,ebenso die Sierra Madre an der Südostküste von Cuba. Der grösste Theil derInsel Cuba ist hingegen wellenförmiges Land ohne nennenswerthe Erhebungen.
3. Die Sierra Nevada de Santa Marta. Sie ist von den nördlichsten Aus-läufern der Anden durch einen grossen Querbruch getrennt und erstreckt sichzwischen dem Magdalenenstrom und dem Golfe von Maracaybo, mit Gipfeln bis zu
5700 Meter, welche die Schneeregionerreichen.
4. Das Hochland von Guyana.
Dasselbe ist ein rings von Tiefebenenumschlossenes Granitplateau, eine un-geheure Insel, Skandinavien an Flächen-raum weit übertreffend. Die Ränderdieses Plateaus tragen Bergzüge, derenhöchste im Norden liegen. EinzelneGipfel steigen bis 2500 Meter an.
5. Das Gebirgssystem von Bra-silien. Es nimmt fast den sechstenTheil von ganz Südamerika ein undbildet ein zwischen Amazonas undLa Plata sich erstreckendes Plateaumit meist nordöstlich streichenden auf-gesetzten Ketten. Die Grundform desGebietes ist ein stumpfwinkeligesDreieck, dessen Basis der atlantischenKüste zugekehrt ist. Hier bilden ge-schlossene Küstenketten den Rand desPlateaus. Die innere Parallelkette derSerra do Mar erreicht im Itatiaia,dem höchsten Berge des brasiliani-schen Hochlandes, 2712 Meter. Dergrössere nördliche Abschnitt der Serrado Mar ist von dem Längsthal derParahyba begleitet, einer Senke, jen-seits welcher das Plateau von MatoGrosso sich ausdehnt. Der plateau-artige Charakter des Gesammtgebietesmit seinen hohen Rändern verursacht,dass die vielen aus dem Inneren desHochlandes hervorbrechenden Flüsse— darunter die meisten Nebenflüssedes Amazonas — entweder gar nichtoder nur stellenweise schiffbar sind.
Das Tiefland. Es um-fasst ungefähr zwei Dritt-theile des ganzen Continentsund nimmt, vom mexicani-schen Golfe und dem Cari-benmeere unterbrochen, dieMitte von Nord- und Süd-amerika ein. Beide Continen-talhälften ähneln einanderdarin, dass ihre Ebenen imNorden mit der baumarmenSteppe anheben, in der Mittedie höchste Pracht der Pflan-zenwelt (in der südlichenContinentalhälfte Urwald)erreichen und beide nachihrem südlichen Ende undzum Theile auch nach Westen hin wieder in das Steppenlandübergehen.
Man unterscheidet die nachfolgenden grossen Tiefebenen:
1. Die arktische Ebene, im Grossen und Ganzen das Beckendes Mackenzieflusses umfassend. Sie ist im südlichen TheilePrairie, theils mit sehr fruchtbarem Boden, theils sumpfig odersandig; nach Norden hin wird sie von Waldstrecken unter-brochen und setzt sich dann weiter bis zum Grossen Sklaven-see fort. Der nördliche Strich, zunächst dem Polarmeere, bestehtaus offenen, waldlosen Einöden. Alles Uebrige ist Waldgebietund erstreckt sich dasselbe von Canada bis in die Felsengebirgeund an einzelnen Stellen bis ans Polarmeer.
2. Das Becken des Mississippi, den fünften Theil der Ober-fläche von Nordamerika umfassend, nur am nördlichen Missis-sippi mit Wald bestanden, sonst offenes Savannenland(„Prairie”), das sich hauptsächlich westlich des Missouri unddes unteren Mississippi erstreckt.
Der Thurmgeyser im Yellowstone-Nationalpark.
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