Amerika. — Allgemeine Uebersicht.
303
3. Die Llanos des Orinoco. Sie erstrecken sich an derWest- und Nordwestseite des genannten Stromes, sind fast voll-ständig eben und nach der Regenzeit mit mannshohem Gras-wuchse bestanden. Das Orinocodelta bedeckt ein Urwald.Waldbestände kommen auch in den höher gelegenen Strichender Ebene vor; die Ufer des Stromes säumt dichtes Palmen-gestrüpp.
4. Das Urwaldgebiet des Amazonas, ein ungeheures Wald-land von der siebenfachen Flächenausdehnung des DeutschenReiches. (Ueber die Natur dieses Gebietes siehe unter „Floren-reiche”.)
5. Das Pampasgebiet. Es erstreckt sich im Südwesten vomParana und geht im Süden in die öde patagonische Steppeüber. Nur der Norden ist mit Wald bedeckt. Die eigentlichePampa ist ein unermessliches Grasmeer, auch sonst mit ihrenHügelwellen einer während des Sturmes erstarrten Meeresflächezu vergleichen. Eine Geisseidieses Landes ist der „Pam-pero”, ein Sturm, der in derRegel nach Sonnenunter-gang hereinbricht und miteinem wilden Chaos vonStaub und verdorrtem Graseinherbraust. Er macht dieseSteppeneinsamkeit ebensoschreckenvoll, als sie sichfriedlich und heiter, idyl-lisch und bezaubernd anlässt,wenn die Frühlingssonne ihreLichtschleier über die tau-sendfältige Blüthenzier derGrasteppiche breitet. Herrendieser Steppe sind die Gau-chos, Nachkommen der spa-nischen Conquistadoren, wel-che mit Indianerinnen Misch-ehen eingingen. Die Gauchossind die besten Reiter derWelt und ihr Besitz sinddie ungeheuren Viehheerden,welche meist nach den gross-artigen Schlächtereien inden argentinischen Städtenwandern.
Flüsse, Seen u. s. w.
siehe die betreffenden Ab-schnitte, welche die ameri-kanischen Landgebiete imDetail behandeln.
Klima. Hinsichtlich desKlimas zeigt der Continentgrössere Verschiedenheit alsirgend ein anderer Erdtheil.
Nordamerika lässt sich infolgende drei klimatischeProvinzen eintheilen:
1. Das Gebiet der arkti-schen Zone. Dieselbe ziehtsich über die ganze Breitedes Continents und reichtbis zum 52° Nordbreite herab.
Nach Norden zu ist diesesGebiet völlig offen für die po-laren Windströmungen. DieWinter sind von intensiver Kälte; es finden sich wenige Punkte,welche eine mildere Januartemperatur als — i 5 °C. hätten. Denausgesprochensten Charakter eines Contmentalklimas hat dasMackenziegebiet mit Extremen von 40 0 und mehr im Jahre.
2. Die klimatische Provinz von Canada und der öst-lichen Hälfte der Vereinigten Staaten. Die meridionaleScheidelinie zwischen dieser Provinz und dem westlich an-schliessenden Wald- und Steppengebiete fällt mit dem 95. Meridian(von Greenwich) zusammen, ohne durch eine schärfere geogra-phische Linie bezeichnet zu sein. Das ebene Binnenland drücktauch der östlichen Provinz den Charakter des continentalenKlimas auf. Von besonderer Dauer sind die kalten Nord-westwinde im Winter, denen man den hohen Kältegrad zuzu-schreiben hat, welcher das gesammte östliche lachland Nord-amerikas in so scharfen Gegensatz zu dem ungleich wärmerenEuropa setzt. Auch ist der rasche Wechsel der Temperaturinnerhalb weniger Tage und das unperiodische Auftreten ex-
tremer Kälte- und Wärmegrade charakteristisch. Boston hat einemittlere Temperatur des Jahres von fi-8*6° C. (des, Januar von— 3*9°, des Juli von 21-8° C.); Chicago 7*7 0 C. (des Januar—5 0 ,des Juli 21*3° C.); Charleston i8‘6 0 C, (des Januar 9-6°, des Juli26*8° C.). Der Reichthum der Niederschläge ist bemerkens-werth. Südlich des 40° Nordbreite haben die meisten Niede-rungen eine jährliche Regenmenge von mehr als 1000 Milli-meter, das untere Mississippigebiet und Florida 1500 bis 2000Millimeter, die nördlicheren und östlicheren Gegenden zwischen600 und 800 Millimeter.
3. Die Provinz mit vorwiegend trockenem Plateau-klima. Sie erstreckt sich von der Mississippilinie westwärts biszur Sierra Nevada und zum Cascadengebirge. Hier dehnen sich(über fast 10 Längengrade) die grünen Prairien und die ödenPlains aus. Die hohen Felsengebirge entziehen den West-winden einen grossen Theil der Feuchtigkeit, wodurch die
grosse Trockenheit des nord-amerikanischen Tieflandesbedingt wird. Diese Trocken-heit aber verursacht einegrosse Erwärmung, welcheauf die klimatischen Verhält-nisse der Ostseite der Felsen-gebirge rückwirkt, indemhier die Waldgrenze unge-wöhnlich hoch steigt (in Colo-rado bis 3500 Meter). ImAllgemeinen schwanken dieDifferenzen zwischen wärm-stem und kältestem Monatauf den Plateaux von 20 0 imSüden, bis 35 0 im Norden.Die Salzseestadt hat kli-matischeVerhältnisse, welchejenen im Inneren von Russ-land entsprechen. Aber diedort häufig auftretenden täg-lichen Extreme sind viel be-deutender und betragen mit-unter 50 0 C.! Das Steppen-gebiet ist ziemlich regen-arm; die jährliche Nieder-schlagsmenge schwanktzwischen 300 und 500 Milli-meter; die Schneedecke istdünn.
4. Die pacifische Kü-stenprovinz. Sie erstrecktsich zwischen dem Haupt-kamme des Felsengebirges(beziehungsweise seiner nörd-lichen Fortsetzung) und derKüste des Grossen Oceans.Das Klima ist hier gemässigt:kühle Sommer und mildeWinter. San Francisco hateine mittlere Temperatur desJahres von i2’5° C. (des Ja-nuar von -)- 9*6°, des Septem-ber von 14*9° C.); dagegenverzeichnet das nördlichergelegene Washington, beigleicher Jahrestemperatur,eine Temperatur des Januarvon 0‘3° C., des Juli von 26° C. — Die Niederschlagsmengensind namentlich im Norden reichlich und betragen in Britisch-Columbien oft 2500 Millimeter im Jahre (in San Franciscoindess nur 800 Millimeter).
5. Die Provinz innerhalb der Wendekreise oder dieheisse Zone. Sie bleibt hinter der heissen Zone anderer Erd-theile zurück. Unerträglich heiss sind nur die feuchten Küsten-säume. Der Hochlandscharakter von Mexico verleiht diesemLande eine äusserst gleichmässige Temperatur, welche beispiels-weise in der Stadt Mexico (in 2260 Meter Seehöhe) im Jahre16 0 C., im December 14 0 C., im April (dem wärmsten Monate)20° C. beträgt. In Quito (2852 Meter Seehöhe) beträgt, bei einermittleren Jahrestemperatur von is'ö 0 C., der Unterschied zwi-schen dem wärmsten und dem kältesten Monat kaum 1*5° C. DieSchneegrenze liegt unter dem Aequator in 4850 Meter Seehöhe,steigt aber in Peru noch um 800 Meter höher hinauf. AehnlicheVerhältnisse herrschen auch auf der Ostseite der Anden. — In
76*
Der grosse Canon des Rio Colorado.
sSW®?-
‘ 1 ^