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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordamerika. — II. Die Vereinigten Staaten von Amerika.

von seinem Selbstbestimmungsrechte ganz auf natürlichem Wege jenen Zustandvon unersättlicher und unsittlicher Speculation geschaffen, der seine breite-sten Schatten selbst auf die grossartigsten Leistungen wirft und in Folgedessen auch den lebendigsten Ausdruck des Speculationsgeistes in einer Be-leuchtung erscheinen lässt, die dem System des „Go a head” wenig zur Ehregereicht.

Der germanische Stamm ist in der Union vertretendurch: a) Engländer, fast ausschliesslich in den sechsStaaten Neuenglands; sie sind sehr zahlreich in denmittleren Staaten und machen einen bedeutenden Theilder Bevölkerung in den südlichen und westlichen Staatenaus. — b) Deutsche, vorwiegend in Pennsylvanien,

New-York, Ohio, Wisconsin und Iowa. — c) Holländer,in New-York, spärlich in Pennsylvanien und New-Jersey.

— d) Schweden, vorwiegend in New-York, Marylandund Pennsylvanien. — e) Schweizer, vorwiegend inIndiana.

Der keltische Stamm ist vertreten durch Irländer ;Walliser, Schotten (und deren Abkömmlinge), vor-wiegend in den mittleren Staaten, in Pennsylvanien, New-Jersey, New-York und Kentucky.

Vom romanischen Stamme bilden nur die Franzosenein beachtenswerthes Bevölkerungselement, und zwar als

überwiegendes inLouisiana, Illinois,Missouri und Mis-sissippi.

Den semitischenStamm vertretendie europäischenJuden, welche sichin Amerika nieder-gelassen haben.Ihre Zahl ist nochimmer verhältniss-mässig klein.

Die Neger. Seit ihrerEmancipation haben die„Farbigen” durchausnicht jenes Verständnissfür Fortschritt und Cul-turarbeit an den Taggelegt, welches manchePhilanthropen zu erwar-ten sich berechtigt glaub-ten. Sie versinken immertiefer, trotz aller Schu-len, in Unwissenheit undAberglauben. Die Negerarbeiten nach wie vor nurgezwungen, mit anderenWorten: seit ihrer Be-freiung gar nicht. Siesind Sklaven geblieben— Sklaven ihrer ange-borenen, unbesiegbaren

Bibel-Communistenmädchen.

Pittsburg.

Religion. In der Union giebt es keine Staatsreligion. EineFolge der seit jeher geübten unbegrenzten Gewissensfreiheitwar die Entwickelung und Ausgestaltung eines Sectirer-thums, wie ein solches die christliche Religion — das ortho-doxe Russland, wo aber ganz andere Motive zu Grunde liegen,ausgenommen — sonst nirgends auf der Erde aufzuweisen hat.Diese Ausartungen treffen zudem nur die protestantischeKirche, dank der stillschweigend angenommenen und zum un-geschriebenen Gesetze gewordenen Maassnahme in frühester Zeit,dass „Alles, was Glaubens- und Gewissenssachen anbelangt, vonder protestantischen Freiheit auszugehen habe”. — Die Zahldieser Secten beläuft sich auf beinahe ioo.

Auf Grund vorstehender Thatsachen ist eine genaue ziffer-mässige Angabe über die einzelnen Culte schwer möglich. DieZahl der der protestantischen Kirche Angehörigen wird(einschliesslich aller Secten) mit rund 50 Millionen angegeben;die der Katholiken mit etwa 6*5 Millionen. Ungefähr 0*5 Mil-lionen sind Heiden (Chinesen und Indianer). Die zahlreichsteunter den protestantischen Secten sind die Methodisten (über6*5 Millionen); demnächst folgen die Baptisten (fast 4 Millionen).Die übrigen Secten weisen jede nur etliche hunderttausend —— viele auch unter hunderttausend — Seelen als Bekenner auf.

Von den extremen Secten verdienen etliche derselben ausführlichere Erwähnung.Da wären zunächst die Mormonen, oder „die Heiligen der letzten .Tage”, in denDreissigerjahren unseres Jahrhunderts durch Joe Smith gestiftet. Dieser hatte inseinem „Book of Mormon”, mit Festhaltung an dem alten Testament, das neue Testa-ment verstümmelt und die christliche Lehre auf einigen ihrer weniger klaren Gebietenach seinem Geschmacke ausgelegt, wobei er sich auf angeblich ihm gewordeneOffenbarungen berief. Sein Nachfolger, Brigham Young („der Löwe des Herrn”),ging noch weiter und erklärte sich für den Nachfolger Jesu Christi. In der Thaterrang er sich unter seinem Anhänge eine an göttliche Verehrung grenzende Unter-Trägheit. Daraus erklärt sich auch das Verkommen der schwarzen Rasse und die fortgesetzte Ab-nahme ihrer Individuenzahl. Schon nach erfolgter Emancipation ging ein grosser Theil der früherenSklaven zugrunde, da sie für ihr Fortkommen aus eigener Kraft und eigenem Willen nicht sorgenkonnten oder mochten.

Die Indianer. Auch die Indianerbevölkerung ist in steter Abnahme begriffen. Die Indianer habenfast allerorten die Civilisation geflohen und wmrden von Staatswegen auf fest umgrenzte Gebiete —sogenannte „Reservationen” — beschränkt, welche laut Gesetz der weisse Mann nicht betretendarf. Die in den Reservationen lebenden Indianer haben ihre ererbten Eigenschaften fast unge-schmälert beibehalten. Sie leben noch immer vorwiegend von der Jagd. Eine zweite Kategorie sinddie ackerbautreibenden Indianer. — Alle Indianerstämme der Union lassen sich in drei Gruppeneintheilen: a) die pacifischen, im Nordwesten der Union, westlich des Felsengebirges; b) dieatlantischen, zwischen dem Felsengebirge und der atlantischen Küste, und c) die neumexica-nischen, im Südwesten der Union. Letztere sind die einzigen Stämme, deren die Union nochnicht völlig Herr geworden ist. Die „Apachen” und „Comanchen” sind berüchtigte Strassenräuber.

Die Nähe des mexicanischen Gebietes erleichtert ihnen wesentlich ihr Freibeuterhandwerk.

Die Chinesen. Sie bilden einen förmlichen Staat im Staate und sind ein grosses Uebel. DieChinesen fügen sich nur äusserlich den Staatsgesetzen, unterwerfen sich aber im Uebrigen allenorganisatorischen Massregeln, die sie für sich selber aufgestellt haben. In San Francisco sind sogarbesondere chinesische Kerker entdeckt worden. Die Staatsbehörden sind bisher ihrer Unkenntnissder chinesischen Sprache wegen ausser Stande gewesen, sich in diese tyrannische und ungesetzlicheOrganisation einzumischen. In den letzten Jahren sind die Chinesen, bislang fast ausschliesslich aufdie pacifischen Staaten beschränkt, auch in den Südstaaten und sogar in den Neuenglandstaatenaufgetaucht. Da die chinesischen Arbeiter in Folge der geringen Entlohnung, mit welcher sie sichzufriedenstellen, und in Folge ihrer Anstelligkeit und Brauchbarkeit tausende von weissen Arbeiternverdrängt haben, hat sich die „Chinesenfrage” zu einer socialen Gefahr ausgewachsen, der die Central-regierung selbst mit neuen Specialgesetzen nur ungenügend entgegentreten konnte.

Die Gesammtbevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika beliefsich nach einer Berechnung vom Jahre 1884 (letzte officielle Zählung 1880)auf rund 57 Millionen. Pliervon entfielen auf:

die Weissen circa.

„ Neger „ .

„ Indianer „ .

„ Asiaten (hauptsächlich Chinesen) circa

50,000.000 Seelen6,600.000 „

260.000 „

100.000

Partie von der Union-Pacilicbahn.