Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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319
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A. Nordamerika.

II. Die Vereinigten Staaten von Amerika.

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Eisenbahnstation im Clear Creek Canon (Coloradobahn).

Willi

würfigkeit. Auch ist nicht Smith, sondern Young der Begründer der Polygamie.Smith wurde am 7. Juni 1844 in Illinois von dem aufgebrachten Volke gelyncht. —Die Mormonen siedelten sich am Grossen Salzsee an und am 24. Juni 1847 wurdevon Young der Grundstein zu einer Ansiedelung gelegt, die sich seitdem zu eineransehnlichen Stadt entwickelt hat. Indess sind nicht alle hier Ansässigen Mormonen(„Gläubige”), sondern auch in grosser Anzahl Nichtmormonen („Gentile”). Der Palastdes Mormonenapostels heisst bezeichnend der „Bienenkorb”. Die Mormonenfrauennennen sich untereinander „Schwestern”.

Die Mormonenorganisation ist ein Staat im Staate, gegen welchen die Regie-rung der Union frühzeitig ankämpfte. Der erste legislatorische Schritt gegen dasMormonenunwesen wurde 1871 ergriffen, leider ohne Erfolg. Dasselbe gilt von demDecrete aus dem Jahre 1876, welches die Polygamie auf hob. Das Grunddogma desMormonismus liegt in der Auffassung, dass die Ehe allen Pflichten der Menschenvorangeht. Weder ein Mann, noch eine Frau kann allein den Willen Gottes erfüllen;um dies zu ermöglichen, sei die „Pluralität” (d. h. die Vielweiberei) unerlässlich. —In neuester Zeit ist die Bundesregierung mit allen legislatorischen Machtmitteln demmormonischen Unfuge entgegengetreten. Ohnedies verfügt die „Mormonenkirche”schon heute über etwa 15.000 „Dissenters”, welche die Vielweiberei entschiedenperhorresciren.

Eine andere extreme Secte sind die Shakers („Zitterer”). Sie sind der directeGegensatz der Mormonen. Die Stifterin der Secte — Anna Lee — hatte erklärt,dass Adam’s Sünde darin bestand, Eva geehelicht zu haben, wodurch die Erde durcheine ungesetzliche Nachkommenschaft bevölkert wurde. Sie stellte ferner den Selbst-mord als oberstes Dogma auf, und zwar in der Form, dass zum mindesten die „Aus-erwählten” durch Ehelosigkeit das Aufhören des Menschengeschlechts herbeiführen„sollten”. Es giebt etwa zwei Dutzend Zitterergemeinden, die sich durch grosseSittlichkeit, Fleiss und Nüchternheit auszeichnen. Dem Gesammtstaate sind sie nichtschädlich und sie werden von ihm in keiner Weise behelligt. Sanftmuth, eine un-verkennbare Melancholie und untrübbare Seelenruhe sind die hervorragenden Cha-raktereigenschaften unter den Zitterern.

Culturverhältnisse. Ackerbau und Viehzucht bilden dieHauptbeschäftigung der Bewohner der Union und werden die-selben begünstigt durch die ausserordentliche Fruchtbarkeitdes Bodens und die Leichtigkeit, in ausgedehnten GebietenLandeigenthum zu erwerben. Die wichtigste Nahrungspflanzeist der Mais (in manchen Jahren über 5000 Millionen Hekto-liter Ernte); dann der Weizen, zugleich wichtiger Export-artikel. Roggen und Gerste stehen hintenan. Andere wichtigeNahrungspflanzen sind Kartoffel und Reis, welch letztererin den Südstaäten in grossen Mengen producirt wird (bis 40Millionen Kilogramm im Jahre). Hier blüht auch die Cultur desZuckerrohrs (230 bis 240 Millionen Kilogramm Rohrzuckerjährlich). Von grösstem wirthschaftlichen Belange ist die Baum-wollcultur, welche in guten Jahren über 1000 Millionen Markeinträgt. Der Tabakbau liefert ein Erträgniss von 45 bis50 Millionen Dollars jährlich. Dagegen machen Weinbau,Hopfen- und Flachsbau nur geringe Fortschritte. Unermess-lich ist der Reichthum an Holz in den westlichen Staaten.

Die Viehzucht blüht besonders in den oberen Missis-sippi- und Missouristaaten, dann in Texas — überhaupt imMississippibecken. Im Jahre 1885 wurde der Viehstand geschätzt,und zwar für Schafe und Ziegen 50 Millionen Stück; Schweine46 Millionen; Rindvieh 45*5 Millionen; die einträglichste Vieh-wirthschaft (namentlich für den Export) betreibt der StaatWisconsin (mit Milwaukee als Mittelpunkt) und der Staat Illi-nois (mit Chicago als Mittelpunkt). — Die Fischerei ist füreinzelne Theile der Union von grösster Bedeutung. Der Kabeljau-fang auf der Neufundlandbank, die Lachsfischerei und derAusternfang liefern bedeutende Erträgnisse, letzterer an 100 Mil-lionen Dollars im Jahr. Mittelpunkt des Austernfanges ist dieChesapeakbai, wo zuweilen 4000 Boote im Dienst stehen, vondenen jedes im Tage 400.000 bis 500.000 Stück Austern erbeutet.

Die wichtigsten Producte aus dem Mineralreich sind:Steinkohlen, Eisenerze und Petroleum; demnächst folgen Edel-metalle und Quecksilber.

Nach einigen amerikanischen Schriftstellern soll sich der Kohlenschatz derUnion zu jenem von Europa wie 21:1 verhalten; Fr. v. Hochstetter giebt aber nurein etwa zehnfach grösseres Kohlenareal in der Union gegenüber Europa zu. Immerhinist das Vorhandensein ungeheurer Kohlenlager in Nordamerika constatirt, und diegrossartige Entwickelung der Eisenbahnen und Schifffahrt (zumal der Flussschifffahrt),der Industrie und des Hüttenwesens bedingt ja an sich eine bedeutende Kohlen-production. Thatsache ist ferner, dass beispielsweise das Missouri-Kohlenbecken (Iowa,Missouri, Arkansas) die ungeheure Ausdehnung von rund 215.000 Quadratkilometerneinnimmt, das appalachische Becken circa 164.000 Quadratkilometer, das Becken vonIllinois und Indiana 134.000 Quadratkilometer.

Das wichtigste Kohlenfeld ist jenes in Pennsylvanien. Es lässt sich in dreiBezirke eintheilen: die Umgebung von Pittsburg, die Quellregion des Shuylkill-flusses und das Lager am Lehigh, einem Nebenflüsse des Delaware. In dem zweitenBezirke liegt das weitberühmte Pottsville. Der unermessliche Schatz des Shuylkill-beckens fiel den ersten Pionnieren sozusagen von selbst in die Tasche. „Das Land”— sagt v. Hesse-Wartegg — „kam in ihren Besitz und sie hatten nichts zu thun, als

All das vorste-hend angebrachteLob verdient eineandereSecte nicht,die der Bibel-commu nisten.Sie ist die einzigecommunistischeGesellschaft in derWelt, welche dieGrundideen desCommunismusverwirklicht hat.In den Augen der„Bibelleute”ist dieEhe Betrug, dasEigenthum Dieb-stahl. Sie habenGüter- und Wei-bergemeinschaft.Eie Beziehungenbeider Geschlech-ter zu einandernennen die Bibel-lente „die zusam-mengesetzte Ehe”.

Indess wird selbstvon den Gegnerndieser Secte zu-gestanden, dassihre Anhänger sichdurch Betriebsam-keit und Ordnung,durch W^ ohlhaben-heit und kaufmän-nischeTalente aus-zeichnen. Die Zahlder Bibelcommu-

nisten ist gering.

New-York, vom Hafen aus gesehen.

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