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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordamerika. — II. Die Vereinigten .Staaten von Amerika.

mit dem Verkaufe des Landes einige Jahre zu warten, bis durch neue Ankömmlingeder Preis desselben genügend gestiegen war. Andere arbeiteten und strebten undschafften, und stürzten in dasselbe Nichts zurück, aus dem sie mühsam emporgeklettertwaren. Wieder Andere kamen mit einigem Geld in der Tasche, um Kohlenfelder zukaufen, Kohlenfelder, so viel und gross als möglich, und sobald als möglich; denndie Sache war neu, kaum entstanden, kaum bekannt geworden, und wo in Amerikaderartiges entsteht, ist das Fieber gleich bei der Hand: das Goldfieber, das Baum-wollfieber, das Petroleumfieber, das Kohlenfieber.” — Die Kohlenregion von Ost-Pennsylvanien ist dermalen dessen einziger Reichthum. Es sind Berge mit üppigemWaldwuchs, von Bahnen überfahren und von dunklen Kohlenminen nach allenRichtungen durchklüftet — Kohlenminen, deren Tiefen Milliarden Dollars enthaltenund auf Jahrhunderte hinaus bearbeitet werden können.

Die Gesammtkohlenförderung in der Union betrug imJahre 1885 an 104 Millionen Tonnen (104.000 Millionen Kilo-gramm). In demselben Jahre betrug der Werth der Gold-gewinnung 31*8 Millionen Dollars, derjenige der Silber-gewinnung 51-6 Millionen Dollars. — Die Production vonEdelmetallen in Colorado erreichte im Jahre 1887 einenWerth von 23,000.000 Dollars. — Ausser Californien (wo daserste Goldlager 1838 entdeckt wurde) besitzen auch Nevada,Idaho, Arizona, das Coloradoterritorium und das Clark-Countyin Illinois Goldlager. — Die Silberlager von Nevada ge-hören zu den grössten und bedeutendsten der Erde. Neuerdingshat die begonnene Silberausbeute in Neumexico, Colorado,Idaho und Montana eine staunenswerthe Fülle dieses Metallesin Aussicht gestellt. — Quecksilber, Kupfer und Bleiwerden in geringeren Mengen gewonnen. Immerhin betrug dieKupferausbeute im Jahre 1880 über 3*5 Millionen metrischeTonnen. — Die Roheisenförderung ergab im Jahre 18844*2 Millionen metrische Tonnen.

Ein wichtiges Product aus dem Mineralreiche und zugleichbedeutender Artikel des Welthandels ist das Petroleum.Hauptproductionsorte sind: Oil-Creek in Pennsylvanien, dieM’Clintockquelle in Ohio und die Brunnen am Hughes-Riverin Virginien. Die jährliche Productionsmenge an Petroleumschwankt zwischen 14 und 16 Millionen Fass. (Ausfuhrwerth imJahre 1884: 198 Millionen Mark.)

Industrie. Die Staaten des Nordostens übertreffen in derMaschinenindustrie und in der Papierfabrikation bereitsihre Concurrenten in Europa. Der Hauptsitz der Eisenindustrieist Pennsylvanien; demnächst folgen New-York, New-Jersey,Massachusetts, Virginien. Sehr schwunghaft wird die Besse-merstahlindustrie betrieben. Die Ufer der Quellflüsse des Ohiosind gesäumt von einer langen Linie von Eisenwerken, welche— wie Hesse-Wartegg behauptet — in eine geschlossene Liniegestellt, eine Gebäudekette von 35 englischen Meilen bildenwürden. Mittelpunkt der gesammten Eisenindustrie der Unionist Pittsburg, das „amerikanische Birmingham”. — Engverknüpft mit dem staunenswerthen Aufschwung der Eisen-industrie ist die Entwickelung der Eisenbahnen. In manchen

Pfeilereisenbahn in New-York (.Stadtbahn).

Der Shuylkill bei Philadelphia.

Jahren wurden über 1 Million Tonnen Schienen hergestellt.Die Maschinen und Werkzeuge der Amerikaner stehen unüber-troffen da und bilden einen hervorragenden Exportartikel. Wirwollen noch daran erinnern, dass die Union die Heimat derNähmaschine ist, welche sich im Fluge die ganze Welterobert hat.

Handel. Die Union bildet die zweite Handelsmacht derErde, besonders im Seehandel, denn ihre Handelsmarine (1886:21.485 Schiffe) ist um weniges kleiner als die englische. SeitEröffnung der herrlichen Canäle, welche die Flussgebiete desHudson, des Delaware, des Susquehanna untereinander und mitden ungeheuren Flussgebieten des St. Lorenz (einschliesslichder vier unteren canadischen Seen) und des Mississippi in Ver-bindung setzen, stehen alle hervorragenden Emporien der Unionuntereinander in schiffbarer Verbindung. Die Uferlinie der be-schifften Haupt- und Nebenflüsse beträgt an 60.000 Kilometer(dreimal so viel als die oceanischen Küstenlinien der Union!).In Bezug auf die Ausdehnung der Flussschifffahrt steht dieUnion in der ganzen Welt unerreicht da.

Die Bedeutung dieser Thatsachen für die Weltwirthschaft wird in dem Ab-schnitte „Der Weltverkehr” ausführlich besprochen werden.

Mit der Bedeutung der Schifffahrt geht der Ueberland-handel auf den Schienenwegen Hand in Lland. Im Jahre

1886 besass dieUnion219.138 Kilometer Ei-senbahnen (4846 Kilo-meter Schifffahrtsca-näle). Die wichtig-sten Linien sind diesogenannten „Paci-ficbahnen”, derenes jetzt vier giebt,und zwar:

1. Die Nordpaci-ficbahn (3077 Kilo-meter), zwischen St.Paul am Mississippiund Portland am un-teren Columbia, un-fern der Mündungdesselben. Sie führtdurch Minnesota, Da-cota, Montana, Idaho,Oregon u. Washing-ton (Scheitelpunkt in1696 Meter Seehöhe).

2. Die Union- undCentralpacific-b a h n (3003 Kilome-ter)— die ältes-te Liniedieser Art und nochimmer kurzweg die

„Pacificbahn” ge-nannt — zwischenOmaha am Missouriund San Francisco.