33 2
B. Mittelamerika. — II. Der westindische Archipel.
bedecken Savannen; an der Ostküste dehnen sich Urwälder, welche das von Insecten wimmelndeGestade des Antillenmeeres — die „Mosquitoküste” — säumen. — Hauptproducte sind dieselbenwie in Honduras. Grosse Heerden von Rindern, Pferden und Mauleseln. — Hauptausfuhrartikelsind: Gold, Silber, Zucker, Indigo, Rinder, Hölzer und Häute. — Eisenbahnen (1884): 160 Kilo-meter; Telegraphenlinien (1886): 2100 Kilometer. — An der Spitze der Regierung steht einPräsident (seit 1887 Oberst Evaristo Carazo, bis 1891 gewählt); das Ministerium besteht aus dreiDepartements. — Stehendes Heer: 1000 Mann; Miliz: 4227 Mann. Keine Kriegsflotte.
Hauptstadt der Republik ist Managua (15.000 Einwohner), nahe beidem gleichnamigen See, mit lebhafter Baumwollencultur. — Ausserdemsind zu nennen: Leon (30.000 Einwohner), die volkreichste Stadt des Landes,mit Universität. — Massaya (10.000 Einwohner), eigentlich nichts Anderesals ein grosses Indianerdorf, inmitten eines interessanten vulcanischen Ge-bietes. — Granada (10.000 Einwohner), merkwürdig wegen seiner Vulcaneand seiner reizend schönen Umgebung, unfern des Nicaraguasees gelegen.Grosse Cacaopflanzungen. — Greytown, kleines Städtchen an der atlan-tischen Küste, unfern der Mündung des den Nicaragua entwässernden RioSan Juan, dessen Delta von Alligatoren wimmelt.
5. Die Republik Costarica.
Flächeninhalt: 51.760 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1885): 213.785 Seelen. Costaricaist die zweitkleinste der mittelamerikanischen Republiken. Das Land erhebt sich sowohl auf der Seitedes Atlantischen Oceans, als auf der des Grossen Oceans in Terrassen bis zu einem im Durchschnitte1300 Meter hohen Plateau, über welches sich zahlreiche Vulcane bis zu 3250 Meter erheben. Auf derpacifischen Seite treten drei grössere Halbinseln in den Ocean hervor. Der Boden ist namentlich anden Küsten sehr fruchtbar und enthält grosse Savannen nebst herrlichen Urwäldern. Hauptpro-ducte sind: Getreide, Kaffee, Indigo, Zuckerrohr, Tabak und Cacao. Der wichtigste Ausfuhrartikelist Kaffee. — Im Jahre 1886 hatte Costarica 282 Kilometer Eisenbahnen und (1885) 726 Kilo-meter Telegraphenlinien im Betrieb. — An der Spitze der Regierung steht ein Präsident(seit 1885 General Bern. Soto, bis 1889 gewählt); das Ministerium besteht aus fünf Departements. —Stehendes Pleer: 600 Mann; Miliz: 2000 Mann. Kriegsflotte ist keine vorhanden.
Hauptstadt der Republik ist San Jose de Costa-Rica (13.000 Einwohner),in einem Hochthale an der Südseite der Cordillere gelegen, ohne Merk-würdigkeiten, aber mit hübscher Umgebung und ausgezeichnetem Klima.Es halten sich viele Deutsche hier auf. — Andere Oertlichkeiten sind:Heredia (12.000 Einwohner), mit ausgebreiteten Plantagen; Punta Arenas
Alligatoren am San Juan-Flusse.
(3000 Einwohner), Hafenort am Golfe von Nicoya und Haupt-seestapelplatz des Landes; Cartago (10.000 Einwohner), früherHauptstadt der Republik; Limon, Seehafen am CaribischenMeere.
An der Ostküste der Halbinsel Yucatan hat England einenDistrict im Besitz, welcher meist nach seiner Llauptstadt Belize,officiell aber seit dem Jahre 1853 Britisch-Honduras (19.585 Quadrat-kilometer, 27.452 Einwohner) genannt wird. Die Küstenstreckedieses Gebietes reicht von der Chetumalbai im Norden, demtiefsten Einschnitte der Ostküste von Yucatan, bis zur Amatique-bai im Süden. Die Bewohner sind Mischlinge, Neger und In-dianer, Letztere theils einheimische, theils hierher verpflanzte
Inselcariben, welche die fleissigste und tüchtigste Menschen-classe bilden, wiewohl sie schon längst ihre Blutreinheit ver-loren haben, nachdem sie sich vielfach mit den Negern ver-mischten. Hauptproducte der Colonie sind: Mahagoni- undCampecheholz (um derentwillen die Colonie überhaupt ge-gründet wurde), Cochenille und etwas Zuckerrohr. — Haupt-ort der Colonie ist Belize (oder Balize, 7000 Einwohner), anbeiden Seiten des Südarmes des Belizeflusses, grösstentheilsaus hölzernen Häusern bestehend. Zur Neujahrszeit verdoppeltsich die Zahl der Menschen in der Stadt, da nämlich die sämmt-lichen Holzfäller aus den Wäldern hierher kommen. — Chorazal(5000 Einwohner), im Norden an der Chetumalbai, von Aus-wanderern aus Yucatan bewohnt, ist im Aufblühen begriffen.
II. Der westindische Archipel.
Der westindische Archipel — auch Westindien genannt —erstreckt sich vom Eingänge in den Golf von Mexico (zwischenden Halbinseln Yucatan und Elorida) im Westen bis zum Meri-dian der Orinocomündung im Osten, wobei er im gestrecktenBogen sich bis zur Nordküste von Südamerika (Venezuela)ausdehnt. So bildet der Archipel eine der Landbrücke vonMittelamerika parallele Inselbrücke zwischen Nord- und Süd-amerika. Er schliesst aber auch das grosse amerikanische Binnen-meer gegen den offenen Atlantischen Ocean ab, zu demselbenjedoch zahlreiche Durchfahrten und Strassen offen lassend.
Man unterscheidet drei Hauptgruppen: 1. die GrossenAntillen, 2. die Kleinen Antillen oder die „Inseln über demWinde” (die sogenannten „Inseln unter dem Winde” gehören nichtzu den Kleinen Antillen, sondern zu Venezuela, dessen Küste sievorgelagert sind), und 3. die Bahama-(oder Lucaischen) Inseln.
Die westindischen Inseln ruhen auf einem sehr seichtenMeeresboden, doch ist zu bemerken, dass das benachbarteCaribenmeer eine mittlere Tiefe von 2000 Meter hat undnordöstlich der Kleinen Antillen der Meeresboden bis zu dengrössten bisher im Bereiche des Atlantischen Oceans gemessenenTiefen herabsinkt. Nördlich von der Insel St. Thomas in 22°2' 44" Nordbreite und in 65° 5' 58” Westlänge (von Greenwich)wurde eine Tiefe von 8337-5 Meter gelothet. Unter 19° 39' 10"Nordbreite und 68° 46' 20" Westlänge, nordwestlich von Puerto-rico, fand man eine Tiefe von 8341 Meter. Dieses Tiefseebeckenerstreckt sich nordwärts bis in die Nähe der Bermudasinseln.
Auch südlich von der Insel Trinidad wurde eine Tiefe von5755 Meter gelothet. Diese bedeutende Depression ist insofernebemerkenswerth, als sie gleich der im Grossen Ocean und imHinterindischen Mittelmeer mit dem Vulcanismus in Zusammen-hang gebracht werden muss. Auch das Antillenmeer ist einvulcanisches Becken.
Bodengestalt (vgl. S. 302). Von den Grossen Antillen weistnur die Insel Haiti eine geschlossene Massenerhebung auf, dieCordillera de Cibao, welche die Insel von Osten nach Westendurchzieht; der Pic de Yaqui erhebt sich zu der bedeutendenHöhe von 2955 Meter. Auf Cuba, welches zum grössten Theilnur von . niedrigen Ketten durchzogen wird, ist das südöstlicheKüstengebirge — die »Sierra Maestra — das mauerartig ausdem Meere aufsteigt, zu erwähnen. Das Innere von Puertoricoist eine breite Gebirgsmasse von etwa 500 Meter Höhe, derenhöchster Gipfel bis zu 1123 Meter aufsteig't. Mitten durch die InselJamaica ziehen die Blauen Berge, die in ihrem culminirendenGipfel 2245 Meter erreichen. Auch die Kleinen Antillen sind ge-birgig; gleich schmalen und schroffen Bergrücken und Berg-spitzen ragen sie aus dem Ocean auf. »Sie sind meist vulcanisch.
Flüsse, Seen. Die fliessenden Gewässer sind, selbst die derHauptinseln der Grossen Antillen, bedeutungslos; sie sind Küsten-flüsse, von welchen die auf Haiti die grösste Lauf länge aufweisen.Der wichtigste derselben ist der Ozama. Die Insel Haiti ist zu-gleich die einzige von den Antillen, welche einen wenn auch nurkleinen »Süsswassersee hat. Unter den 200 Elüssen der Insel Jamaica