Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
331
JPEG-Download
 

B. Mittelamerika. — I. Das Festland.

höchst üppige Vegetation. Die Hauptproducte sind: Mais, Weizen, Zuckerrohr, Kaffee, Cacaound Cochenille. An sonstigen Erzeugnissen sind noch Tabak, dann Edel- und Färbehölzer, und ausdem Mineralreiche Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Steinkohlen und Seesalz zu nennen. — DieIndustrie ist belanglos. Die wichtigsten Ausfuhrproducte sind: Kaffee, Häute, Rohrzucker,Cochenille, rohe Wollwaaren; eingeführt werden hauptsächlich Manufacturen und Luxusartikel. DieRepublik hatte 1885 212 Kilometer Eisenbahnen und (1885) 2905 Kilometer Telegraphen-leitungen. — An der Spitze der Regierung steht ein Präsident (seit 1886 M. L. Barilias); dasMinisterium zählt sechs Ressorts. Das stehende Heer zählt 2500 Mann, die Miliz 20.000 Mann.Kriegsflotte besitzt die Republik keine.

Hauptstadt der Republik ist Guatemala (59.000 Einwohner), in 1520 MeterSeehöhe auf einem ausgedehnten Plateau gelegen, mit köstlichem Klima,aber häufig von Erdbeben heimgesucht (1774 wurde durch ein solches dieStadt vollständig zerstört) und in Folge dessen meist aus einstöckigenHäusern bestehend. Schöne, breite Strassen durchschneiden die Stadt,welche viele stattliche Gebäude aufweist. Universität. Fabrikation vonGold-, Silber- und Töpferwaaren, Woll- und Baumwollenwaaren, Cigarrenund Sattlerarbeiten.

Antigua (6000 Einwohner) —Alt-Guatemala — nach dem grossen Erdbeben 1774 zu neuemLeben erwacht; 1874 (also genau hundert Jahre später) aber nochmals zerstört, scheint die Stadt ihreeinstige Bliithe nimmer erringen zu können. — Andere grössere Ortschaften sind: Quiche mit denprachtvollen Ruinen von Utatlan, der glänzenden Hauptstadt des einstigen toltekischen Reiches indiesem Gebiete; Chiquimula (20.000 Einwohner), Coban (20.000 Einwohner) und Peten, letzteresmit bemerkenswerthen alten Festungswerken und Tempeln.

2. Die Republik San Salvador.

Flächeninhalt: 18.720 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1885): 634.120 Seelen. Sie istdie kleinste unter den fünf Republiken, der Bevölkerung nach aber die zweite. San .Salvador istberüchtigt wegen seiner Erdbeben und der Thätigkeit seiner zahlreichen Vulcane. Die Haupt-producte sind: Indigo, Tabak, Rohrzucker, Farbhölzer, Kaffee. — Die Industrie beschränkt sichauf die gewerbliche Hausthätigkeit. Lebhaft dagegen ist der Handel. Hauptausfuhrartikel sind:Kaffee, Indigo, Reis, Gummi, Tabak, Harze, Felle, Silbererze. — Die Republik hatte 1884 87 Kilo-meter Eisenbahnen und (1885) 1624 Kilometer Telegraphenleitungen. — An der Spitze derRegierung steht ein Präsident (seit 1885 General Francesco Menendez); das Ministerium zählt fünfRessorts. — Das stehende Heer zählt 2200 Mann, die Miliz 8100 Mann. Kriegsflotte besitzt dieRepublik keine.

Am Rio Coco (Nicaragua).

hier so selten wie ein Stück Eis”. Weisse, Cariben und Indianer schliessen nurHeiraten auf kurze Kündigung, wobei die Frauen in ein förmliches Dienstverhältnisstreten. Die Arbeitsscheu ist bei beiden Geschlechtern gross. Man zieht das Darbenjeder Erwerbsbeschäftigung vor.

Noch schlimmer liegen die Dinge in Nicaragua. Die sociale Stufenleiter be-schränkt sich hier auf zwei Gesellschaftsgrade, auf die Classe der „Baarfüssigen” unddie der „Beschuhten”. Diese Ständeordnung ist dem Gehirn der Mulato-Mestizenentsprungen und es ist bezeichnend, dass gerade die beschuhten Aristokraten einverkommenes und verarmtes Gelichter sind, und dass sie auch eine dunklere Haut-farbe haben als diq von ihnen verachteten Baarfiisser. Solch wunderliche socialeOrdnung passt harmonisch zu dem Bilde, welches das Leben in Nicaragua darbietet.Selbst in der Hauptstadt findet man weder eine Bibliothek noch ein Museum. Selbstdie anständigeren Familien wissen nicht, was ein Leintuch ist. Man schläft in denKleidern. Mit dem Waschwasser viel in Berührung zu treten, scheut man; ein Kehr-besen gilt selbst in den Städten für eine grosse Merkwürdigkeit.

Etwas besser ist es mit Costarica bestellt. Seine Bevölkerung gilt für diewohlhabendste, arbeitsamste und gebildetste der fünf mittelamerikanischen Republiken.Bettler findet man kaum; es heisst, dass die paar Landstreicher, welche sich im Landeherumtreiben, als eine Art romantische Merkwürdigkeit angesehen werden, so dassman sich veranlasst fand, von ihnen Photographien anfertigen zu lassen. Alles arbeitetund ist bestrebt, das Besitzthum zu vergrössern.

Politische Eintheilung. Bis zum Jahre 1821 bildeten diejetzigen Staaten von Mittelamerika, einschliesslich des mexica-nischen Staates Chiapas, eine spanische Colonie unter der Be-zeichnung „Gener alcapitanat von Guatemala”. Als solchesgehörte es administrativ zum Vicekönig*reiche Mexico. Nachder Unabhängig'keitserklärung Mexicos verblieb Mittelamerikanoch bis 1823 bei jenem, riss sich jedoch im genannten Jahrelos und constituirte sich 1824 zu einer unabhängigen Föderativ-republik, unter dem Namen „Vereinigte Staaten von Mittel-amerika”, der alsbald in den einer „Republica Federale deCentro-America” umgewandelt wurde. Diese neue Organisationerfuhr durch innere Wirren mehrfache Abänderungen; die Fö-deration umfasste anfänglich nur vier Republiken; gegenwärtigzählt sie deren fünf, und zwar:

Hauptstadt der Republik ist San Salvador (14.000 Einwohner), in derNähe des gleichnamigen Vulcans, mit ausgedehnten Tabak- und Indigopflan-zungen. Häufig von Erdbeben heimgesucht, besitzt die Stadtviele Neubauten, die jedoch durch nichts auffällig sind.

Sta. Ana (30.000 Einwohner), die volkreichste Stadt der Republik, nördlichvom Vulcan Igalco, mit ausgedehnten Kaffee- und Zuckerplantagen. — San Miguel(10.000 Einwohner), von Erdbeben vielfach heimgesuchtes Städtchen mit ungesundemKlima. — Sonsonate (5000 Einwohner), ziemlich gewerbthätig. — La Union(2000 Einwohner), Hauptseeplatz des Landes an der herrlichen Fonsecabai, aber mitungesundem Klima. — Matapa, Eisenbergwerke. — San Vincente, mit starkemTabakbau. In der Nähe Mineralquellen.

Die Republik Guatemala,

„ „ San Salvador,

„ „ Honduras,

„ „ Nicaragua,

„ „ . Costarica.

Ausserdem gehört die englische Colonie Honduras

auch „Colonie Belize” genannt — zum festländischen Gebiete

von Mittelamerika.

1. Die Republik Guatemala.

Flächeninhalt: 121.140 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1886): 1,357.900Seelen. Sie ist die zweitgrösste, aber volkreichste und in politischer Beziehung diewichtigste der fünf Republiken. Der Boden ist überall sehr ergiebig. Auf den Hoch-flächen brehen sich Savannen und Urwälder aus, in den Tiefebenen gedeiht eine

3. Die Republik Honduras.

Flächeninhalt: 120.480 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1885): 323.274Seelen. Das Land dehnt sich hauptsächlich am Atlantischen Ocean (am Antillenmeere)aus und ist im Allgemeinen von Gebirgen erfüllt. Das Hochland wird von der Ebenevon Comayagua völlig unterbrochen. Von ihr gehen zwei Thäler aus: das des RioHumuya zum Atlantischen Ocean, das des Rio Goascoran zum Grossen Ocean.

— Die Bodenproducte sind dieselben wie in San Salvador und Guatemala. EinigeFlüsse führen Waschgold. An der flachen Nordküste Mahagoniholz. Ausfuhrartikelsind: Gold, Silber, Indigo, Rinder, Hölzer und Leder. — Die Republik hatte 1884III Kilometer Eisenbahnen und (1883) 2158 Kilometer Telegraphenleitungen.

— An der Spitze der Regierung steht ein Präsident (seit 1887 Luis Bogran, bis 1891gewählt); das Ministerium zerfällt in drei Departements. — Stehendes Heer: 500Mann; Miliz: 3000 Mann. Eine Kriegsflotte ist nicht vorhanden.

Hauptstadt der Republik ist Tegucigalpa (12.000 Einwohner),mit schönen Kirchen und grossem Kloster, die g~ewerbfleissigsteStadt des Landes. — Die wichtigste Se.ehafenstadt ist Truxillo(4000 Einwohner), mit un-gesundem Klima. — Ein an-derer wichtiger Hafen istOmoa (2000 Einwohner). —

Comayagua (10.000Einwoh-ner) ist Sitz eines Bischofs,bei Corpus befindet sichdie reichste Goldwäsche desLandes. — Gracias a Dios(8000 Einwohner), gewerb-fleissiges Städtchen.

4. Die Republik Nica-ragua.

Flächeninhalt: 133.800 Qua-dratkilometer ;Bewohnerzahl(i 884):2 59-794 Seelen. Nicaragua ist diegrösste unter allen fünf mittel amerika-nischen Republiken. Der Boden istnur im westlichen Theile, in der Ebeneum den See von Nicaragua, fruchtbar.Die höhergelegenen Gebiete des Landes

Indianerin aus Guatemala.

83*