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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mittelamerika. — II. Der westindische Archipel.

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ist nur einer, der SchwarzeFluss, auf 45 Kilometer fürkleine Fahrzeuge schiffbar.

Ein Naturphänomen besondererArt, welches wohl nirgends auf Erdenseines Gleichen hat, umschliesst dieInsel Trinidad — zu den KleinenAntillen gehörig — nämlich einenziemlich ausgedehnten See, der nichtmit Wasser, sondern mit Asphalt an-gefiillt ist . . . „Auf den ersten Blicksieht der See ganz wie ein Waldseeaus; am Rande wachsen dicke Binsen-und Grasbüschel, der Wald ziehtringsum eine scharf markirte Linieund verschiedene mit Strauchwerk undBäumen besetzte Inseln bringen Ab-wechslung in die Scenerie. Doch dieIllusion ist bald verscheucht. Fastüber die gesammte Oberfläche hin istdas Pech so hart, dass man ohnealle Gefahr darauf gehen kann. Denganzen See durchziehen Spalten undRisse. Am Saum des Waldes befindensich sogenannte „Pechvulcane’ , kleineKegel, die sich selten über Metererheben und mit Kratern, in welchendas Pech noch durchaus flüssig ist.

Es hebt und senkt sich in den Trich-tern und manchmal fliesst es über.

Bemerkenswerth ist, dass im Pechseebewirkte Abtäufungen in der Regel binnen zwei bis drei Tagen wieder ausgefülltsind. Diese nachrückende Masse bleibt geraume Zeit hindurch sehr weich und hat einehellbraune Färbung. Auch finden in dieser Masse fortwährend kleine Gasexplosionenstatt, wobei dünne Wasserstrahlen ausgestossen werden.” Es ist noch zu erwähnen,dass in unmittelbarer Nähe dieses Asphaltsees Petroleumquellen entdeckt worden sind.

Klima. Westindien besitzt eine Fülle klimatischer Gliede-rungen auf engem Raume vereinigt. Nach dem zweimaligenZenithstande der Sonne, welchem die Niederschläge nachfolgen,unterscheidet man im Allgemeinen eine grosse Regenzeit(August bis Ende November) und eine kürzere (im Frühjahr);am Wendekreis fallen beide im Sommer zusammen. Auf denGrossen Antillen verkürzen sich zwar in Folge der höherenBreite die Solstitialregen, aber unabhängig vom Stande derSonne entladet der Passatwind, wo er senkrecht die Nordseiteder Gebirge trifft und an ihnen nach aufwärts weht, auch inden übrigen Jahreszeiten reichliche Niederschläge und bekleidetsie mit frischem Waldg'rün, während an der Südseite (z. B.in Jamaica) ein Savannenklima herrscht. — Die Bahamas —durchaus flache Inseln — die zum Theil über den Wendekreishinaus in der Breite von Florida Hegten, haben gleich der gegen-überliegenden Küste verstärkte Sommerregen, aber ungeachtetder Aehnlichkeit des Klimas und der Nähe des Continentsnehmen sie an dessen Flora keinen Antheil. Auch ist, in Folgeder höheren Breite, die Temperatur derBahamas nicht so gleichmässig, wie dieder übrigen Inselgruppen, wo die Tem-peraturunterschiede der Jahreszeiten fürdie Vegetation ohne Bedeutung sind;selbst am Wendekreise zu Havana istder Sommer noch nicht 5 0 wärmer alsder Winter, und die Jahres wärme derKüstenregion bleibt im ganzen UmfangeWestindiens nahe übereinstimmend 25bis 27V2 0 C. (nach O. W. Thome).

Indess kommt es vor, dass an denKüstenstrichen der nördlichen Inseln,besonders auf Cuba, wenn lange ZeitNordwinde wehen, das Thermometerzuweilen auf den Gefrierpunkt herab-sinkt und sich Eis bildet; doch fälltniemals Schnee. Die Gebirgslandschaftender grösseren Inseln haben ein mildesKlima, das in Höhen über 400 Meteranfängt gesund zu sein, wenngleich f dieHitze für Europäer immer noch sehrlästig und erschlaffend ist. Die Tief-landschaften sind aber entschieden un-gesund und meist dem hier herrschen-den gelben Fieber ausgesetzt.

Unter die Plagen, die allen Inseln gemein sind,gehören die heftigen Wirbelstürme (Tornados), diebesonders von August bis October mit verheerenderGewalt auftreten. Sie sind regelmässig von Gewitter-regen und häufig von Hagelschlag begleitet. Manchstolzes Schiff, manch blühende Stadt, reiche Besitz-thiimer und zahlreiche Menschenleben sind der ver-

nichtenden Wuth dieser Orkane schonzum Opfer gefallen. Die Sturmchro-niken der Antillen haben manchfurchtbare Katastrophe in der Erin-nerung bewahrt. Auf St. Thomaswurden am 2. August 1837 einigeHäuser durch einen Tornado kunst-gerecht umgedreht, das unterste zuoberst. Das Fort am Eingänge desHafens war bis aufs Fundament ge-schleift und die Kanonen waren inalle Weltgegenden geschleudert.

Am 25. Juli 1825 stürzte aufder Insel Guadeloupe ein WTrbel-sturm viele festgebaute Häuser um;ein starkes Brett wurde mit solcherWucht gegen einen fussdicken Palm-stamm geschleudert, dass es den-selben durchschnitt. Nach dem Orkan,welcher am 10. und II. August des-selben Jahres auf der Insel Barba-dos wüthete, zeigte sich vom Thurmeder Kathedrale ein Bild allgemeinerZerstörung; der Anblick der Gegendwar der einer Wüste — nirgends Spu-ren einer Vegetation, einige Fleckenwelken Grüns ausgenommen. DerBoden hatte das Aussehen, als wenner durch Feuer versengt worden wäre.Die wenig stehen gebliebenen Bäumewaren vollständig entlaubt, die zahl-reichen Landsitze in der Umgebunglagen in Ruinen. Auch der Verlust an Menschenleben war gross.

Ueber die Vegetationsverhältnisse siehe S. 305.Bewohner. Den Grundstock der Bevölkerung bilden dieNeger -und Mulatten, indem sie ungefähr vier Fünftel derGesamnitbevölkerung ausmachen; der Rest sind Weisse. Dieautochthone Bevölkerung der Inseln ist mit der Zeit spurlosverschwunden. Von den Arowak ist in Folge der grausamenBehandlung durch die Spanier jetzt keine Spur mehr vorhanden;auch die einst so verrufenen, menschenfressenden Cariben, einkräftiger, schöner Menschenschlag, sind fast ganz ausgerottet.Sie scheinen ein weitverbreiteter Stamm gewesen zu sein, dochwaren sie auf den Inseln nie zahlreich. Sie siedeln heute nurnoch in Guyana (Südamerika) und auf der Insel Trinidad.

Das Negerelement, welches auf den Antillen allenthalbenmit grosser Majorität überwiegt, benimmt dem Volks- undFamilienleben alle charakteristischen Erscheinungen und drücktdem Gesammtbilde eine unerquickliche Localfarbe auf. AufPuerto ri co beispielsweise leidet auch das sociale Lebenunter diesem Einflüsse. Die Frauen betragen sich aufdringlichund unmanierlich durch die Art, wie sie zu Pferde durch dieStrassen jagen und ihre Zigarrenstummel von einem Mundwinkelin den anderen schieben, oder vollends dem edlen Zeitvertreibe

des Tabakkauens sich hingeben. Voneiner geistigen Arbeit oder selbst häus-lichen Beschäftigung ist niemals dieRede. Man verbringt die Zeit mitSchlafen, Essen, Rauchen, Reiten undzur Abwechslung mit Lungern undNichtsthun. Wahrhaft trostlos sind diesocialen Verhältnisse in den Neger-republiken auf Haiti.

Etwas besser ist es in dieser Be-ziehung auf den Kleinen Antillen be-stellt. Aeusserlich freilich läuft allesLeben auf eine wunderliche Maskeradehinaus. Auf St. Thomas geberdet sichdie Bevölkerung carnevalsmässig. ArmeWeiber und Landstreicherinnen hüllensich in — abgetragene Ballkleider, in-dess ihre Füsse in Holzschuhen stecken.Die Frauen der niederen Classen sindwie Puppen gekleidet. Von der Bevöl-kerung der in französischem Besitz be-findlichen Eilande Guadeloupe undMartinique heisst es, dass sie leicht-sinnig und leichtlebig, die Frauen putz-und genusssüchtig, kokett und nichtsweniger als sittenstreng seien. Mansieht Füsse ohne Strümpfe in Lackstie-feletten stecken, den wunderlichstenToilettenkram, schweren Goldschmuckin trauter Gemeinschaft mit schnödenGlasperlen, bunte Röcke und defecteHemden etc.

Partie an der Küste der Insel Barbados.

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Aus dem botanischen Garten auf Trinidad.

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