C. Südamerika.
4 . Die Republik Chile.
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merkt — allenthalben versumpfte Land — mit einem dichtenFlussnetze überziehen. Der bedeutendste dieser Flüsse ist derRio Grande (weiter stromab Mamore genannt); dessen Quelleim central-bolivianischen Hochlande liegt. — Von den demParaguay zuströmenden Flüssen ist der Pilcomayo (Pitca-mayo); dessen Quelle unfern des in 3700 Meter Seehöhe liegen-den Aullagassees sich befindet; zu erwähnen.
Von den Seen ist in erster Linie der Titicacasee zunennen; an demBolivia mit Peru ung-efähr halben Antheil hat. DerSee liegt 3824 Meter über dem Meeresspiegel und bedeckt eineFläche von ungefähr 9500 Quadratkilometer. Seine grösste Tiefebeträgt 218 Meter. Der südliche Theil des Sees ist versumpft.Er ist mit vielen Inseln besetzt und wird durch den Rio Desa-guadero — welcher in den zweitgrössten bolivianischen SeePampa Aullagas fällt — entwässert. Andere kleinere See-becken liegen an der Ostgrenze des südlichen Theiles von Peruund im Amazonasgebiet. Hier ist der Rogguaguadosee derbedeutendste.
Klima. Da Bolivia des tropischen Küstenlandes gänzlichentbehrt; hat es durchwegs gemässigtes, ja kaltes Klima. Anden östlichen Abhängen aber gedeihen alle tropischen Edel-gewächse und das Tiefland nimmt in seinen nördlichen Ge-bieten an der überquellenden Fülle des äquatorialen BrasilienAntheil. Die südöstlichen Striche des Landes greifen in dieargentinische Pampasregion über. Das vegetativ reichste Gebietist die Region der oberen Quellflüsse des Madeira, die „Yungas”genannt. Auf den Hochebenen, welche meist ein ödes Aus-sehen haben, liegt eine so dünne Luft, „dass ein Europäernicht 30 Schritte gehen kann, ohne dass ihm der Athem stockt”.
Bewohner. Ihre Gesammtzahl wird auf 2,300.000 geschätzt.Sie sind theils Spanier, theils Indianer und Mischlinge. Auch giebtes Abkömmlinge von Afrikanern und nicht wenige Guaranis,Indianer, welche von dem östlichen Theile Paraguays eingewandertsind und sich bedeutend vermehrt haben. Die Indianer sindtheils wild, theils halbwild oder civilisirt. Die ersteren wohnenim südlichsten Theil des Landes, die halbwilden in den Yungas(siehe vorstehend), die civilisirten allenthalben im Lande zerstreut.Die besseren Classen sind in Folge der Abgeschlossenheit desLandes in civilisatorischer Beziehung* gegenüber denen in denübrigen Schwesterrepubliken zurückgeblieben. Bei manchenIndianerstämmen lebt die alte Inkasprache — das Quichua —noch fort und wird dem Spanischen als Umgangssprache vor-gezogen. Der Bolivianer kennt nur zwei Leidenschaften: Spielund Trunk.
Culturverhältnisse. Nach der Natur des Landes unterscheidetman drei Productionsregionen. In den höher gelegenen Strichenwerden Weizen und Mais, in den tiefer gelegenen StrichenKaffee, Cacao, Zuckerrohr, Tabak, Ananas und Bananen gebaut.Die Ackerbauer sind meist Indianer, aber sie arbeiten nurdrei Monate im Jahre. Die Viehwirthschaft befasst sich mitder Zucht der Llamas, Schafe und Ziegen, welche in grossenMengen vorhanden sind. Das Mineralreich liefert hauptsächlichEdelmetalle in noch immer bedeutenden Mengen, namentlichSilber; ferner Kupfer, Eisen, Blei, Antimon, Zinn, Quecksilber,Stein- und Braunkohlen und Petroleum. Höchst bedeutend istdie Ausbeute der grossen Salpeterlager in der Wüste Atacama,welche indess von chilenischen Capitalisten ausgebeutet werden.
Die Industrie ist ganz belanglos und der Handel wirdeinerseits durch die continentale Lage des Landes, andererseitsdurch dessen Unwegsamkeitsehr erschwert. Im Jahre 1883waren 130 Kilometer Eisen-bahnen und 290 KilometerTelegraphenleitungen in
Betrieb.
An der Spitze der Regierungstellt ein Präsident (seit 1884 Pacheco,bis 1888 gewählt), dem vier Ressort-minister zur Seite stehen. Der Congress(Nationalversammlung) gönnt sich denLuxus, aus drei Kammern zusammen-gesetzt zu sein. In administrativer Be-ziehung zerfällt das Land in neun De-partements. .— Die bewaffnete Machtbesteht aus circa 3000 Mann Feld-truppen, in einem Lande, das grösserist als das Deutsche Reich und Oester-reich-Ungarn zusammen genommen.
Hauptstadt der Republikist Sucre (17.000 Einwohner),in 2844 Meter Seehöhe ineiner wohlangebauten Ebenegelegen, bereits 1538 an der
Partie auf der Andenbahn Lima-Oroya.
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Stelle der altperuanischen Stadt Chuquisaca gegründet. Sucreist Sitz des Präsidenten, der Regierung* und eines Erzbischofs.Bemerkenswerthes ist nichts an ihr. Unter den Unterrichts-anstalten ragt die Universität hervor.
Andere bemerkenswerthe Oertliclikeiten sind: La Paz (45.OOO Einwohner), dievolkreichste .Stadt des Landes (in manchen geographischen Handbüchern wird diedoppelte Bewohnerzahl angeführt!), in 3717 Meter Seehöhe, eine Stadt, welche ihrenNamen („Stadt des Friedens”) auffällig Lügen straft, da sie seit nahezu einem Jahr-hunderte beständig der Herd aller bolivianischen Umsturzbewegungen war. Trotzdemist sie die blühendste Stadt der Republik; sie besitzt verschiedene Unterrichts-anstalten, darunter eine Universität. Den Hauptplatz ziert ein grossartiger Brunnen.In der Nähe Gold- und Silberlager.
Cochabamba (15.000 Einwohner), gewerbfleissige Stadt, mit Baumwollen-webereien, Töpfereien, Gerbereien und Seidenfabriken. Universität. — Potosi (11.000Einwohner), in 4163 Meter Seehöhe gelegen — so hoch wie die Spitze der Jungfrau— eine Stadt von glanzvoller Vergangenheit, derzeit aber arg herabgekommen. DieSilbergruben, welchen Potosi seine Berühmtheit verdankt, befinden sich bei Cerrode Potosi. Auf dem Hauptplatze von Potosi erhebt sich das Standbild der Freiheitzur Erinnerung an die Schlachten von Junin und Ayacucho (vgl. S. 341). — SantaCruz (10.000 Einwohner), gewerbfleissiges Städtchen mit Zuckersiedereien, Indigo-bereitung und Webereien. — Oruro (8000 Einwohner), Sitz des Bergamtes für dasnördliche Bolivien.
4. Die Republik Chile.
Lage und Grösse. Chile (Tschile) erstreckt sich als schmalesKüstenland von der Nähe des Wendekreises des Steinbockesdurch 37 Breitengrade bis zum Cap Froward (in der Magalhaes-strasse), dem südlichen Endpunkte des amerikanischen Fest-landes. Im Osten läuft die Grenze auf der Kammlinie der Anden,welche das Land von der Republik Argentina scheiden. DerFlächeninhalt von Chile wird sehr verschieden angegeben, jenachdem der pacifische Gebietstheil von Patagonien zu ersteremhinzugeschlagen wird oder nicht. Die Angaben schwanken zwi-schen 675.000 bis 753.000 Quadratkilometer.
Bodengestalt siehe S. 299.Flüsse. Die Lage derAnden, welche zwischen sichund den Küsten wenig Raumlassen, gestaltet den Lauf allder zahlreichen Flüsse sehrkurz. Viele ergiessen sichin den Grossen Ocean, aberweit mehr der Flussläufe imnördlichen Theile des Landesverlieren sich in den Boden,weshalb hier die Bewässe-rung eine sehr dürftige ist.Im Süden des Landes ist derCoquimbo der bemerkens-wertheste Fluss. — Die Seensind klein und nur durchihre Höhenlage und land-schaftliche Umgebung aus-gezeichnet.
Klima. Die schneebedeck-ten Häupter der Anden ragen
Iquique.
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