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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südamerika. — 4. Die Republik Chile.

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über das vorliegende Mittelgebirgevon welchem das Längsthal des be-bauten Chile eingeschlossen ist.

Eine Stufe tiefer erstreckt sich dasKüstenland, welches niemals von ge-waltigen Stürmen heimgesucht wird.

Bezüglich seiner Vegetation bildetChile ein Uebergangsgebiet von tro-pischer zu fast antarktischer Zone.

An der Nordg*renze breitet sich dieWüste Atacama aus (wirthschaftlichimmerhin durch ihre Mineralschätzevon grösster Bedeutung); fast ganzwaldlos sind auch die Küstenland-schaften. Die Vegetationsperiodedurchläuft in Chile einen ähnlichenKreislauf wie im Gebiete des mittel-ländischen Meeres. Südlich etwa vom34. Breitengrade hat das feuchteSeeklima mit seinem geringen Tem-peraturwechsel der Jahreszeiten aufden Anden ein reiches üppiges Wald-land — das antarktische Wald-gebiet — erzeugt. Chile verdanktihm einige seiner reichsten Pro-vinzen, z. B. Valdivia, wo der ver-wilderte Apfelbaum derart gedeiht,

„dass die Bäche und Flüsse in denHerbstmonaten Millionen von Aepfelnin das Meer treiben”. Das Gebietist wahrscheinlich die Heimat derKartoffel. Das Waldland erstrecktsich bis in die unwirthlichen Gegen-den an der Magalhaesstrasse, auchnoch das öde Feuerland mit einem Waldgürtel umgebend.

Bewohner. Ihre Gesammtzahl betrug 1885 2,526.969, wovonungefähr 0*4 Nachkommen der Spanier, nicht ganz 0*5 Misch-linge sind. Der Rest umfasst eingewanderte Europäer (vielDeutsche) und den tapferen, auf 50.000 Köpfe geschätzten, aberim Aussterben begriffenen Indianerstamm der Ar aukan er. — Diechilenische Bevölkerung überragt durch Fleiss, Gesittung undFortschrittseifer weitaus die Bevölkerungen aller übrigen süd-amerikanischen Staaten. Der Einfluss des gemässigten Klimas undder Abgang der tropischen Ueberfülle, welcher durch Arbeitersetzt werden muss, sowie des Fehlens des Negerelementes istunverkennbar. Die Kirche hat grossen Einfluss auf die Massen.Ganz auffallend ist das ausserordentliche Gedeihen der weissen,unvermischten Rasse, und Männer sowohl als Frauen, letztereganz besonders, vereinigen alle Bedingungen, um als Schön-heiten zu gelten.

Die Ungezwungenheit des Verkehrs zwischen Personen verschiedenen Bildungs-grades benimmt der Gesellschaft jene steife Grandezza, welche gerade in den ent-arteten Repräsentanten der spanischen Nation in Amerika zum Ausdrucke kommt.Heiter und fröhlicher Dinge sind alle Stände ohne Ausnahme. Wo nationale Weisenertönen, selbst auf den Strassen, finden sich flugs tanzende Paare ein, um zu derbeliebten „Zamaqueca” den Reigen zu schliessen. Musik und Gesang werden sehrgepflegt. Das Familienleben ist nicht einmal von dem Schein der Sittenlosigkeit an-gekränkelt. Welch ein Unterschied zwischen einem venezuelanischen oder ecuadoria-nischen Heim und einem chilenischen! Letzteres ist luftig und behaglich und vonausgesuchter Nettigkeit. Nach Zurücklegung des Flurs nimmt uns ein gartenähnlicher,hallengesäumter Hofraum auf, nach welchem die Ein- und Ausgänge der ver-schiedenen Gelasse münden.

Diese Anordnung ist für ein idyllisches Leben wie geschaffen. Man istdem Strassenleben entrückt und kann sich zwanglos in dem Hofgarten er-gehen. Keine lästigen Nachbarn beirren das intime Treiben der Familie. FürEmpfange sind fast immer die nach der Strasse liegenden Wohnräume reservirt.Niemand kommt ungelegen und Fremde werden mit der zuvorkommendstenHöflichkeit behandelt. Alle Reiseberichte sind voll von anheimelnden Mit-theilungen über die edle Geselligkeit in den vornehmen chilenischen Familien.

Die Mischlinge, bei denen das Indianerblut über-wiegt, sind etwas träge und nur dann für die Arbeit zugewinnen, wenn die Noth die ersteren hierzu drängt. Einbesonderes Interesse verdienen die Araukaner, die Abo-riginer von Chile. Sie sind heute fast ganz in die südlichenGegenden verdrängt, wo eine Provinz („Arauko”) nachihnen den Namen führt. Sie sind jetzt vorwiegend Acker-bauer. Das Aussehen des Araukaners ist das des Wilden:roth und schwarz bemalte Gesichter, lange herabwallendeHaarsträhne, um den Oberkörper den Poncho (Mantel)geworfen, der auf der Brust durch eine grosso Leder-scheibe zusammengehalten wird. Die weniger gesittetenAraukaner haben keine wie immer gearteten Bedürfnisseals die des Essens und Schlafens. Alle Lasten liegen den

Weibern ob, vom Pflügen und Ko-chen an bis zum Auf- und Absattelnder Pferde. Wenn auch die Mädchennicht unmittelbar auf den Markt zumVerkaufe gebracht werden, haben siedoch keine freie Wahl und kostenihren Männern genug - Geld, wofürdiese wieder eine Gegenleistung inForm angestrengtester Hausarbeitverlangen.

Culturverhältnisse. Chile ist grossen-theils kein fruchtbares Land. Allent-halben starren die nackten Felsenhervor und nur in den bizarr zer-rissenen Thälern hat sich Erde ge-sammelt, aus der eine üppige Vege-tation hervorspriesst. An der Küsteermangelt das Land des Wassers undso beschränkt sich der eigentlicheCulturboden auf das eine Stufe höhergelegene Längsthal. Im Allgemeinenist das Gebiet der Republik im Nor-den bis Coquimbo — wie das perua-nische Küstenland — dürr und un-fruchtbar, von Coquimbo südwärtsreichlich bewässert, gut angebautoder bewaldet — „der Garten derneuen Welt”. Dafür hat das unfrucht-bare nördliche Chile seine Schätze indem Reichthum an Mineralien, dieeine unerschöpfliche Ausbeute ge-währen.

Die Llauptproducte sind, undzwar aus der Pflanzenwelt: Mais,Gerste, Hafer, die gewöhnlichen Küchengemüse, ferner Hanf,Tabak, das europäische Obst und Bauholz. Das Thierreichliefert Rinder und Pferde in grosser Menge, ausserdem Guano.Die ökonomisch wichtigsten Producte aber liefert das Mineral-reich. Obenan stehen Kupfer und Silber. Die Ausbeute an Goldhat sehr abgenommen. Salpeter wird in bedeutenden Mengengewonnen.

Die Industrie ist mit Ausnahme der Gerberei, derMühlen-und Hüttenwerke in keinem ihrer Zweige nennenswerth, währendder Handel eine grosse Bedeutung erlangt hat. Im Jahre 1886zählte die Handelsflotte 173 Schiffe (77.285 Tons), darunter37 Dampfschiffe (18.525 Tons).

An der Spitze der Regierung steht ein Präsident (seit 1886 Jose ManuelBalmaceda, bis 1891 gewählt), dem fünf Ressortminister zur Seite stehen. In admi-nistrativer Beziehung zerfällt das Land in 19 Provinzen. Im Jahre 1887 waren2548 Kilometer Eisenbahnen und 1886 14.500 Kilometer Telegraphenlcitungenin Betrieb. Die bewaffnete Macht besteht aus dem stehenden Heere mit 6500 Mannund der Nationalgarde mit 49.000 Mann. Chile hat die ansehnlichste Kriegs-flotte unter allen südamerikanischen Republiken und ihr verdankt erstcres seineSiege über Peru im Kriege 1879 und 1883. Man zählte 1887 31 Kriegsschiffe,darunter 9 .Schlachtschiffe moderner Construction.

Hauptstadt der Republik ist Santiago (200.000 Einwohner),1541 gegründet, in einer weitläufigen, mit herrlichstem Klimabedachten Ebene, 150 Kilometer vom Meere entfernt, regel-mässig gebaut, mit einer bedeutenden Zahl hübscher Betulich-keiten. Ueber den Tapocalma, der an der Stadt vorüberfliesst,

Ein Garten in Chile*'(Park zu Lota).

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Volkstypen aus Peru.