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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südamerika.

6. Die Republik Uruguay.

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Buenos Aires.

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1811 constituirten sieb die „Vereinigten Staaten des Rio de la Plata”,welche Bezeichnung alsbald der einer „Argentinischen Republik” weichenmusste. Durch Eifersucht der Provinzen und Parteistreitigkeiten ging dieUnion verloren und 1835 bildete sich eine Conföderation der ersteren. 1853sagte sich das engere Gebiet von Buenos Aires von Argentinien los, docherfolgte nach mehrjährigem Kriege bereits 1860 die Wiedervereinigung. Auchmit Uruguay wurde lange und erbittert gekämpft; am 3. Februar 1876 kamzwischen diesem Staate und Argentinien ein Grenzvertrag zu Stande.

An der Spitze der Regierung steht ein Präsident (seit 1886 Dr. J.

Celman, bis 1892 gewählt), dem fünf „Ministersecretäre” zur Seite stehen. Inadministrativer Beziehung zerfällt das Land in 14 Provinzen und vier Terri-torien. Der römisch-katholischen Kirche, welche die herrschende ist,stehen ein Erzbischof und fünf Bischöfe vor. — Im Jahre 1887 waren 6648Kilometer Eisenbahnen und 23.181 Kilometer Telegraphenleitungenin Betrieb. Die Feldarmee zählt 7600 Mann, die Nationalgarde 400.000Mann, die Kriegsflotte 35 Schiffe.

Hauptstadt der Republik ist Buenos Aires (428.000Einwohner), die volkreichste und grösste Stadt Süd-amerikas, am südöstlichen Ufer des Rio de la Plata gross-artig angelegt, aber ohne Hafen, so dass die Schiffe ge-zwungen sind, in der Bai von Barracas vor Anker zugehen. Die Rhede wird durch eine Citadelle und mehrereForts geschützt. Schöne, regelmässige, mit Granit würfelngepflasterte Strassen durchschneiden die Stadt, welcheeine grosse Zahl schöner Gebäude besitzt, die sich vor-nehmlich um die sechs grossen Plätze gruppiren. Der schönsteunter den letzten ist die Plaza de la Victoria mit einer Py-ramide zur Erinnerung an die Unabhängigkeitserklärung. DiePlaza de Toros ist berühmt wegen der unvergleichlichenAussicht, welche man von hier aus über die Stadt geniesst.Von den zwanzig Kirchen ragen die Kathedrale, von denUnterrichtsanstalten die Universität, von den wissenschaft-lichen Instituten die Sternwarte hervor. Die Stadt ist Stationvon zwölf grossen Dampferlinien, was am besten die Bedeutungihres Handels charakterisirt.

Andere nennenswerthe Oertlichkeiten sind: Cordoba (50.000 Einwohner), inder Mitte des Landes, malerisch schön in einem tiefen Thale gelegen, mit einerUniversität und hervorragend durch seinen Gewerbfleiss (Manufacturen) und Handel.Die Stadt ist mit Buenos Aires durch eine Eisenbahn verbunden, welche über dieAnden nach Santiago in Chile weitergeführt werden soll. — Rosario (42.000 Ein-wohner), am rechten Ufer des Parana, die zweitwichtigste Seehandelsstadt der Repu-blik. — Corrientes (16.000 Einwohner), am linken Ufer des Parana, etwas unter-halb der Einmündung des Paraguay, die wichtigste Handelsstadt der nördlichenProvinzen. Hier starb, in menschenscheuer Zurückgezogenheit, der berühmte Reise-gefährte A. v. Humboldt’s, Aime Bonpland (geb. 22. August 1773), am 11. Mai 1858,im Alter von 85 Jahren. — Santa Fe (11.000 Einwohner), rege Handelsstadt amrechten Ufer des Parana und mit Cordoba durch eine Eisenbahn verbunden. —Parana (20.000 Einwohner), am linken Ufer des gleichnamigen Flusses, früher Sitzder argentinischen Conföderation, mit Cordoba durch eine Eisenbahn verbunden. —La Plata (30.000 Einwohner), die im Jahre 1882 begründete neue Hauptstadt derProvinz Buenos Aires am Rio de la Plata, südöstlich von der Bundeshauptstadt gelegen.

Der siidlichstgelegene Besitz Argentiniens ist der östliche Theil der InselFeuerland (vgl. S. 298) — Tierra del Fuego — welche bis 1886 ein Streitobjectzwischen den Republiken Argentinien und Chile bildete (vgl. S. 345). Eine officielleNiederlassung oder Colonie ist nicht vorhanden. Mit der Gründung der Colonie PuntaArenas sind die Chilenen in der factischen Beherrschung der Magalhaesstrasse denArgentiniern zuvorgekommen, wenn eine solche Position in jener öden, ökonomischwerthlosen und von uncivilisirten Volksstämmen bewohnten Gegend überhaupt einenpraktischen Werth hat. Im Uebrigen ist durch den Grenzvertrag zwischen Argentinienund Chile die Magalhaesstrasse für neutral und für alle Nationen frei erklärt worden.

6. Die Republik Uruguay.

Lage und Grösse. Dieser Freistaat bildet gewissermassendie südwestliche territoriale Verlängerung der Südprovinz von

Brasilien und erstreckt sich zwischen dieser und dem Uruguayeinerseits und dem Atlantischen Ocean mit dem Rio de la Plataandererseits. — Der Flächeninhalt des Landes beträgt 186.920Quadratkilometer.

Bodengestalt. Im Norden überwiegt das Bergland, welchesvon Ausläufern der südbrasilianischen Parallelketten gebildetwird. Es erhebt sich nur stellenweise über 600 Meter. DiesesBergland geht im Westen, Süden und Osten in eine baumloseEbene vom Pampas Charakter über, mit einer viehzüchtenden Be-völkerung, welche wenig von den gleichen Elementen Argen-tiniens verschieden ist.

Flüsse. Ausser dem Uruguay, welcher im Westen dieGrenze gegen Argentinien bildet, und dem La Plata, von demvorstehend die Rede war, hat das Land nur ganz unbedeutendeFlussläufe. — Ein Theil der Südost- und Ostküste wird vonLagunen gesäumt.

Klima und Vegetationsverhältnisse entsprechen denen desbenachbarten Gebietes von Argentinien.

Bewohner. Die Zahl derselben betrug 1886 596.463 Seelen.Ueber sie ist weiter nichts zu sagen, als dass sie aus den un-ruhigsten Elementen, welche ein südamerikanischer Freistaatüberhaupt aufzuweisen hat, zusammengesetzt ist. Die Reihe derRevolutionen, welche sie am Gewissen hat, ist eine endloseund auch heute sind dort die politischen Verhältnisse noch nichtconsolidirt. Ein Dritttheil der Bevölkerung sind Fremde, meistItaliener, Spanier und Brasilianer.

Die Culturverhältnisse sind mit wenigen Worten ge-kennzeichnet: vom Pflügen hat man keine Ahnung; dagegenist die Viehzucht blühend und bildet das erste Erwerbsmittel.Der Reichthum an Herden ist im Verhältnisse zu der Kleinheitdes Landes noch bedeutender als der in Argentinien. Die Be-völkerung lebt fast nur von Fleischnahrung. Durch seine Fleisch-extraetfabrikation, welche besonders in Fray Bentos am Uru-guay in grossartigem Maassstabe betrieben wird, sowie durchseinen Handel mit lebendem Vieh und frischem Fleisch nimmtUrugmay eine gewisse bevorzugte Stellung im Weltverkehr ein.Wichtige Handelsartikel bilden ferner Häute und Schafwolle,Talg und Rosshaare. — Das Mineralreich liefert etwasGold und Silber, ferner in grösserer Menge Kupfer, Blei-glanz und Antimon. — Die Industrie ist belanglos.

An der Spitze der wenig gefestigten und fortwährenden Umwälzungenausgesetzten Regierung steht ein Präsident (seit 1886 Maximo Tayes), demvier Ressortminister zur Seite stehen. Dem katholischen Cultus steht ein Bischof,der seinen Sitz in Montevideo hat, vor. — In administrativer Beziehung zerfälltder Freistaat in 13 Departements. — Die bewaffnete Macht besteht aus 4052Mann Feldtruppen, 20.000 Mann Nationalgarden und 3200 Köpfe Polizeimann-schaft. Die Kriegsflotte zählt 7 Schiffe. — Eisenbahnen (1887) 556 Kilo-meter; Telegraphenleitungen (1887) 1870 Kilometer.

Hauptstadt der Republik ist Montevideo (i 15.000 Ein-wohner), amphitheatralisch am nordöstlichen Ufer des Riode la Plata, und zwar auf einer kleinen Halbinsel sehrmalerisch gelegen; die Altstadt hat ungepflasterte Gassenund meist unansehnliche, glattdachige Häuser von plumpemwürfelförmigen Aussehen; der neue Stadttheil aber istsehr schön gebaut, luxuriös und wetteifert an Glanz mitBuenos Aires. Der Hafen ist geräumig, aber dem „Pam-pero”, dem stürmischen Westwinde, ausgesetzt. Die lang-wierigen Kriege mit Buenos Aires und die vielen Revo-lutionen haben die Stadt in ihrer Entwickelung sehr

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Landstädtchen in Argentina.

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