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C. Südamerika. — 5 . Die Republik Argenlina.
In der Magalhaesstrasse (Nassaugletseher).
in vorherrschend westöstlicher Richtung und ergiesst sich inden Atlantischen Ocean. Die wichtigsten dieser Flüsse sind (vonNorden nach Süden): der Rio Colorado, der Rio Negro(südlicher Grenzfluss des eigentlichen Argentinien), der ausmehreren Quellflüssen zusammengesetzte Rio Chupat oderChubut, der Rio Deseado u. a. m.
Seen. vSowohl das eigentliche Argentinien als Patagonienweist eine grössere Anzahl von Binnenseen, welche die Sammel-reservoirs eines ganzen Netzes von Steppenflüssen sind, auf. Sieerstrecken sich fast insgesammt am Ostfusse der Anden, einigeauch zu beiden Seiten des Parana.
Klima. Es ist ausserordentlich schön, angenehm und ge-sund. Der Winter ist kurz und mild, Schneefälle sind — soweitdas eigentliche Argentinien in Betracht kommt — fast unbekannt.Die Sommerhitze übersteigt selten 37° C. Der Wechsel derTageszeiten ist weniger fühlbar als bei uns; es regnet seltenund der Himmel ist fast immer klar. — Diese Verhältnisse ge-stalten sich freilich wesentlich anders, je weiter man nach Südenvordringt. Das Land wird immer unwirthlicher, das Klima immerkälter, ohne indess die klimatische Grenze der kälteren ge-mässigten Zone zu überschreiten. — Ueber die Vegetationwurde andernorts das Wissenswerthe mitgetheilt (siehe S. 306).
Bewohner. Den Stock der Bevölkerung bilden die Gauchos,Abkömmlinge der Conquistadoren, welche sich fast gar nicht miteinheimischen Elementen vermischt haben. Nirgends findet maneine solche Reinheit der spanischen Rasse in Amerika vor, wiein Arg*entinien. „Neger wurden hier sehr wenig eingeführt, eskonnte daher auch keine starke Vermischung zwischen der kauka-sischen und der weissen Rasse stattfinden. Der Charakter desargentinischen Volkes ist, eben weil es nicht das Product einerunnatürlichen ungleichen Vermischung verschiedener Rassen ist,ein weit gesunderer als der der meisten südamerikanischenVölker.”
Die Zahl der Einwanderer vergrössert sich von Jahr zuJahr. Die meisten hiervon sind Italiener, Spanier und Franzosen,aber auch beträchtlich viele Deutsche; in den Colonien lebencirca 10.000 der letzteren.
Die Aboriginer des südlichen Theiles von Argentinien — Patagonien —sind die Tehuelchen, gewöhnlich „Patagonier” genannt. Sie sind mit den Araukanernwenn nicht gleichen Stammes, so doch ethnisch verwandt. Die Tehuelchen sind einschöner, kräftiger Menschenschlag, die Weiber durchschnittlich kleiner und mit minderüppigem Haarwuchs bedacht, gleichwohl aber von auffälliger Wohlgestalt und Muskel-stärke. — Den Archipel von Feuerland bewohnen die Peschäräh („Feuerländer”),welche, entgegen den Patagoniern, klein und schwächlich sind. Besonders auffälligsind die kurzen und plumpen Extremitäten gegenüber dem langen Oberleib. DiePeschärähs sind ein Fischervolk, das sich ohne jegliche Spur von Landbau mühseligvon dem Ertrage des Meeres ernährt.
Die Bewohnerzahl auf dem Gesammtgebiete der argen-tinischen Republik wird auf 3,026.000 Seelen geschätzt.
Culturverhältnisse. Ob-wohl in den fruchtbarenGebieten zwischen demParana und Uruguay(dem „südamerikani-schen Mesopotamien”)zahlreiche Ackerbau-colonien bestehen, liegtder Hauptreichthum desLandes gleichwohl nichtin der Ausbeute desBodens, sondern in denunermesslichen Herden,welche das weite Step-pengebiet der Pampasbeherbergt, Herdenhalbwilder Rinder, Pfer-de und Schafe. Zu be-merken ist, dass dieserReichthum vorher demLande nicht eigenthüm-lich war, sondern vonden Europäern, welcheihre Hausthiere mit-brachten, begründetwurde und sich in denJahrhunderten bis zuseiner jetzigen Flöheentwickelte.
Die Bodenculturliefert Mais, Weizen,Reis, Zuckerrohr, spa-nischen Pfefter, Orangen, Baumwolle, Krapp und Tabak; dasThierreich ausser den vorerwähnten IFausthieren Cochenille.Die Zahl der Pferde beträgt zwischen 4 und 5 Millionen,die der Rinder zwischen 14 und 16 Millionen, die der Schafean 60 Millionen. Die Viehzüchter sind die Gauchos (sprich:Ga-utschos), zugleich die besten Reiter der Welt. —- DasMineralreich liefert: Gold und Silber, Kupfer, Porzellanerde,bituminöse Kohle und grosse Mengen von Petroleum. DerReichthum der Oelgegend östlich von Jujuy wird demjenigenvon Pennsylvanien gleichgestellt.
Die Industrie ist wenig entwickelt; man fabricirt Stearin-kerzen, destillirt Branntweine, erzeugt Seife, künstlichen Guano,Cigarren, Leder, Wollen- und Baumwollengewebe. ZahlreicheMühlen beschäftigen sich mit der Erzeugung von Weizen- undManiocmehl. — Von grosser Bedeutung ist der Handel. Diewichtigsten Ausfuhrartikel sind: Wolle, Häute, Pferdehaare,Salzfleisch, Fleischconserven, lebendes Schlachtvieh und Knochen.Eingeführt werden alle Industrieartikel. Die Handelsflotte istnächst deijenigen der Vereinigten Staaten von Amerika diegrösste des Continents; man zählt bei 6500 Seeschiffe mit zu-sammen 140.000 F'ons.
Das Gebiet der argentinischen Republik bildete vor der allgemeinen Erhebungder spanischen Colonien in .Südamerika den grössten Theil des VicekönigreichesBuenos Aires, das 1778 errichtet wurde. Im Jahre 1810 erklärte sich die Provinz BuenosAires für unabhängig. Die Insurrection griff auf die Nachbargebiete hinüber und
Gauchofrau.
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