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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südamerika.

8. Das Kaiserreich Brasilien.

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Culturverhältnisse. Bei der grossen Ausdehnung des Landesvon Norden nach Süden und der verschiedenen Höhenlage istdie Productionsfähigkeit eine sehr mannigfaltige. Die wichtig-sten Bodenproducte sind: Kautschuk; Brasilholz ; Kokosnüsse;Mahagoni; Rosenholz ; verschiedene Schmuckhölzer und Farb-stoffe; Vanille; Copal; Gewürznelken; Zimmt; Tamarinden; Cacao ;Ananas; Bananen, Orangen, Kaffee (nahezu die Hälfte derganzen Ernte der Erdoberfläche), Zucker, Baumwolle, Tabak,Gummi, Reis. Der Landbau ist überhaupt der Hauptbetrieb. —Die Viehzucht wird namentlich in den südlichen Gegendenmit ihren ausgedehnten Grasfluren betrieben. Sie liefert Rinder,Pferde und Maulthiere, Schweine; die Schafzucht ist unbedeu-tend. —■ An Mineralien ist Brasilien ausserordentlich reich.Man gewinnt reichlich Gold, dann Kupfer, ausgezeichnetes Eisen,Blei, Zinn und Silber. Gross ist die Ausbeute von Edelsteinenaller Art, besonders von Diamanten. Steinkohlen wurden erstin jüngerer Zeit entdeckt; Braunkohlen kommen allenthalben imReiche vor. Unter den Salzen nimmt Salpeter den ersten Rangein; Steinsalz findet sich reichlich in Mato Grosso und inMinas Geraes.

Die Industrie ist erst in Entwickelung begriffen. Diewichtigsten Gewerbe sind: Zuckersiederei, Branntweinbrennerei,Tabak- und Baumwollenfabrikation, Eisenhüttenbetrieb, Erzeu-gung von Maschinen, Lederarbeiten und Schiffbau. — Die Haus-industrie der Indianer lie-fert Kautschuk, Töpfer-waaren, Mehl, Gewebe(Hängematten) u. a.

Der Handel ist na-mentlich zur See äusserstwichtig. Die eig'ene Han-delsflotte ist aber noch we-nig entwickelt und zählte1885 nur 190 Fahrzeuge,ohne die Fischerboote. Umso hervorragender ist dieStellung Brasiliens imWeltverkehr. Das Reichhat fast 8000 KilometerKüstenentwickelung undeine grosse Zahl von guten,geschützten Häfen. — Diewichtigsten Ausfuhrarti-kel sind: Kaffee, Baum-wolle, Zucker, -Paraguay-thee, Häute, Tabak, Gum-mi, Diamanten. Die wich-tigsten Einfuhrartikelsind: Baumwollenwaaren(aus England, Frankreich),

Seidenwaaren(Frankreich),

Leinenwaaren (England,

Belgien und Deutschland),

Mehl (Vereinigte Staaten,

Chile,Oesterreich-Ungarn).

— Der Gesammtwerthder Einfuhr betrug 1885/86453 Millionen Mark, der der Ausfuhr 447 Millionen Mark. DasReich hatte 1887 7929 Kilometer Eisenbahnen und (1886) 10.610Kilometer Telegraphenleitungen in Betrieb.

Verfassung, politische Eintheilung etc. Brasilien ist ein constitutioneiles Kaiser-thum, mit der Dynastie des Kaisers Dom Pedro I. (seit 1831 Dom Pedro II. deAlcantara, geb. 1825). Die vier Staatsgewalten sind: die gesetzgebende, die ver-mittelnde,’die vollziehende und die richterliche Gewalt. Die gesetzgebende Gewaltist dem Reichstage übertragen, welcher aus zwei Kammern besteht; die ver-mittelnde Gewalt ist dem Kaiser übertragen und dieser ist zugleich das Oberhauptder vollziehenden Gewalt; die richterliche Gewalt ist unabhängig. Es bestehensieben Staatsministerien. Der Staatsrath besteht aus den Ministern, zwölfordentlichen und mehreren ausserordentlichen Mitgliedern, welche vom Kaiser aufLebensdauer ernannt werden. — Staatsreligion ist die römisch-katholische, dochherrscht volle Religionsfreiheit. Die kirchlichen Angelegenheiten ruhen in den Händendes Erzbischofs, der seinen Sitz in Bahia hat und Vertreter des Papstes m Brasi-lien ist. Es unterstehen ihm elf Bischöfe.

Die bewaffnete Macht besteht aus circa 15.000 Mann im Frieden, 30.000Mann im Kriege. 1887 zählte das Reich 73 Kriegsschiffe, davon 13 Panzerschiffe.

In administrativer Beziehung zerfällt Brasilien in 20 Provinzen und einneutrales Municipium mit der Reichshauptstadt.

Haupt- und Residenzstadt des Reiches ist Rio de Janeiro(mit Vororten 410.000 Einwohner) — auch kurzweg Rio, officiellSäo Sebastiäo de Rio de Janeiro genannt die zweiteStadt Südamerikas, bereits 1567 gegründet, in wundervollerLage an einer Bai, welche für die schönste auf der Erde gilt.Der Eingang in den Hafen wird durch eine Reihe von Forts

vertheidigt, zum Theil auf den Inseln erbaut, welche aus dermalerisch schönen Bai aufragen. Man unterscheidet zwei Haupt-anlagen: die Neustadt, mit granitenen Häusern, schönen breitenund gut gepflasterten Gassen und einer grossen Zahl von Pa-lästen, und die Altstadt, welche noch viele schlechte Häuserin sich schliesst. Zwischen beiden Anlagen erstreckt sich dasSanct-Annenfeld. Von den grossen Strassen der Altstadt er-streckt sich die mit prächtigen Kaufläden ausgestattete „Ruado Ouvidor” bis zum Hafen. Die Neustadt hat durchgängigbreite Strassen, die sich fast alle rechtwinkelig schneiden undgrosse Häusercomplexe umschliessen.

Die merkwürdigsten Gebäude sind: der kaiserliche Palast,ein ganz aus Granit aufgeführter Complex von drei durch be-deckte Galerien miteinander verbundenen Gebäuden; der kaiser-liche Palast in der Vorstadt Säo Christoväo, das kaiserlicheLustschloss Boa Vista mit prachtvollen Gärten; die Palästeder Mitglieder der Dynastie, die Paläste der Ministerien, dieMünze, das Nationalmuseum und eine Anzahl von prächtigenGebäuden für öffentliche Zwecke. Der grösste Platz ist diePraga d’Acclamajäo (St. Annenplatz), auf welcher am 12. Oc-tober 1822 die Unabhängigkeit proclamirt wurde. Eine gross-artige Wasserleitung versorgt die Stadt aus 33*7 KilometerEntfernung mit Trinkwasser. Die Zahl der Unterrichtsanstaltenund wissenschaftlichen Institute ist sehr ansehnlich, doch existirt

weder hier noch sonst irgendwo im Lande eine Universität. Esgiebt nur Rechtsfacultäten und medicinische Facultäten.— Riode Janeiro ist der erste Handelsplatz des Landes und der Haupt-hafen für die Kaffeeausfuhr, auch Stapelplatz der Diamanten.

An der Küste nördlich von Rio de Janeiro liegen:

Bahia (140.000 Einwohner), theilweise am Ufer der Aller-heiligenbai, eines der schönsten Häfen Amerikas, erbaut. Derobere Stadttheil, welcher ansehnlicher ist, heisst Citade Alta;die untere Stadt ist unregelmässig angelegt, die Strassen sindkrumm und eng. Im Grossen und Ganzen aber ist die Lage derStadt eine aussergewöhnlich malerische. Die Oberstadt zierenviele prächtige Bauten. Die Promenade „Passeio püblico” isteiner der schönsten öffentlichen Spazierwege Amerikas. In derMitte desselben erhebt sich ein Obelisk zur Erinnerung an dieLandung des Königs Johann von Portugal im Jahre 1808 (siehedie geschichtliche Einleitung). Bahia ist nächst Rio de Janeirodie bedeutendste Handelsstadt Brasiliens. Ausgeführt werden:Baumwolle, Kaffee, Tabak, Cigarren, Häute, Diamanten, Reis,Brasilholz. Nennenswerthe Industriezweige sind: Baumwollen-und Schnupftabakfabriken, Eisengiessereien, Steinschleifereienund Goldarbeiten. Der Hafen ist durch alte Fortificationen ge-schützt.

Pernambuco (130.000 Einwohner) — eigentlich Recife (d. i. „Riffstadt”) dePernambuco — aus drei Theilen bestehend: dem eigentlichen Recife, auf einer Halb-

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