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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südamerika. — 9 . Guyana.

Viaduct Sinimbu auf der Eisenbahn von Paranagua nach Curityba.

insei; Santo Antonio, auf einer von den Mündungsarmen des Capiberibe gebildetenInsel, und Boa Vista, auf dem Festlande gelegen. Die beiden ersteren Stadttheilesind durch eine prächtige steinerne Brücke miteinander verbunden. In der Inselstadtliegen die wichtigsten Gebäude: das Arsenal, die Schatzkammer, der Palast desGouverneurs, die Hauptkirche (Santissimo Sacramento), der Bahnhof, das Gefängnissu. s. w. Pemambuco ist reich an wissenschaftlichen Anstalten. Von grösserer Bedeu-tung aber ist der Handel. — In der Nähe der Stadt befindet sich Olinda, einst eineblühende Stadt, jetzt sehr heruntergekommen, mit altehrwürdigen Prachtgebäuden,welche an den einstigen Glanz erinnern. — Parahyba (15.000 Einwohner), an derNordküste und an der Mündung des gleichnamigen Flusses gelegen, Hauptstadt derProvinz Parahyba do Norte, ohne Merkwürdigkeiten. — Natal, kleine Hauptstadtder Provinz Rio Grande do Norte, wichtig wegen ihres Handels und Hafens. —Fortaleza (18.000 Einwohner), auf einer Sanddüne nördlich von Parahyba gelegen,Hauptstadt der Provinz Ceara, mit lebhaftem Seehandel. — Cidade de Säo Luizde Maranhao, gewöhnlich Maranhäo genannt (35.000 Einwohner), auf der kleinenInsel Maranhäo gelegen, Hauptstadt der Provinz Maranhäo, schön und regelmässiggebaut, mit einer Kathedrale, einem Bischofspalast und anderen ansehnlichen Ge-bäuden. Der Handel ist blühend. — Para (40.000 Einwohner) — oder Belem — amsüdlichen Mündungsarme des Amazonas (dem Rio de Para), Hauptstadt der ProvinzPara, mit lebhaftem Handel.

An der Küste südlich von Rio de Janeiro liegen:

Santos (7000 Einwohner), auf der Insel Säo Vincente, mit Arsenal undausgedehnte^ Magazinen. — Paranagua (7000 Einwohner), in einer schönen, mitInseln besetzten Bai gelegen, Haupthafen für Paraguaythee und andere Producte.

Von hier führt eine durch ihre Kunstbauten interessante Bahn nach Curityba (sieheunten). — Porto Alegre (40.000 Einwohner), im nördlichen Hintergründe dergrössten brasilianischen Meeresbucht (Lago dos Patos) gelegen, eine schöne, terrassen-förmig angelegte Stadt, Hauptort der Provinz Säo Pedro do Rio Grande do Sul. DieStadt, welche eine grosse Zahl von Fremden (darunter fast 4000 Deutsche) beherbergt, ist in raschemAufschwünge begriffen und erfreut sich eines blühenden Handels. — Am Eingänge zu der vor-erwähnten Bucht liegt Rio Grande (20.000 Einwohner), Haupthafen der vorgenannten Provinz, mitlebhaftem Handel. — Desterro (15.000 Einwohner), auf der Insel Santa Catarina, wichtige, durchFortificationen geschützte Hafenstadt und Hauptort der Provinz Santa Catarina.

Im östlichen und südlichen Binnenlande liegen:

Curityba (8000 Einwohner), Hauptort der Provinz Parana, mit dem Hafenorte Paranaguadurch eine Eisenbahn verbunden, mit vielen ansehnlichen Gebäuden. Hauptbeschäftigung der Be-wohner ist die Cultur des Paraguaythees. In der Nähe befinden sich mehrere deutsche Colonien. —Blumenau (circa 18.000 Einwohner), die grösste deutsche Colonie in Brasilien, in der Provinz.Santa Catarina, 37 Kilometer vom Hafenplatze Itajahy (zwischen Paranagua und Desterro) gelegen. —Unweit hiervon Joinville (12.OOO Einwohner), Hauptort der Colonie Dona Francisca. — In einerdritten benachbarten Colonie, Säo Jose doTyrol, befinden sich meist Welschtiroler. — Säo Paulo(40.000 Einwohner), Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, unter dem Wendekreis des Steinbockesgelegen, Eisenbahnknotenpunkt, mit ansehnlichen wissenschaftlichen Anstalten. Der Hafenort fürSäo Paulo ist Santos (siehe oben), wohin eine Eisenbahn führt. — Ouro Preto (20.000 Einwohner),nördlich von Rio de Janeiro, Hauptstadt der Provinz Minas Geraes, in 1146 Meter Seehöhe gelegen,mit rauhem Klima. Seinen Aufschwung verdankt es den reichen Goldbergwerken und anderen Erz-lagern, durch welche die Provinz ausgezeichnet ist. — Diamantina (15.000 Einwohner), Hauptortdes Diamantendistrictes. — Santa Barbara, Sabarä, Pitanguy — sämmtlich in der vorgenanntenProvinz — mit Goldminen; Minas Novas, mit Edelsteingruben.

Im nördlichen und nordwestlichen Binnenlande liegen:

Cachoeira (15.000 Einwohner), nordwestlich von Bahia, schön gebaute Stadt, mit Tabakculturund Cigarrenfabrikation. — Nova Friburgo, eine Colonie von Schweizern und Rheinländern, undPetropolis (Alcantara), eine deutsche Colonie, beide nordöstlich von Rio de Janeiro. — DasHinterland zwischen Säo Paulo und Rio de Janeiro, vom Meere durch die Serra do Mar geschieden,wird von der brasilianischen Hauptbahn („Kaiser Pedro II.-Bahn”) durchzogen. An ihr liegt EntreRios, mit bedeutenden Baumwollculturen. — Therezina (8000 Einwohner), Hauptstadt der ProvinzPiauhy, am Parnahyba, der bei der gleichnamigen Stadt in das Meer fällt, gelegen. Stapelplatzfür Baumwolle. — Manaos, früher Barra do Rio Negro (8000 Einwohner), Hauptort derProvinz Amazonas, unweit der Mündung des Rio Negro in den Amazonas, mit lebhaftem Binnen-handel (Balsame, Cacao, Zimmt, Sassaparille). — Villa Bella, am Unterlaufe des Amazonas, fastganz von Indianern, welche sich mit dem Einsammeln von Kautschuk befassen, bewohnt. — Goyaz(10.000 Einwohner), Hauptort der gleichnamigen Provinz, am goldführenden Rio Vermelho (einemNebenflüsse des Araguay) gelegen. In der Nähe befinden sich mehrere bedeutende Goldbergwerkeund Goldwäschen: Natividade, Aguaquente, Pilar, Santa Cruz, Ourofino u. a. m. — Cuyabä(15.000 Einwohner), am rechten Ufer des Cuyaba, eines Nebenflusses des Paraguay, Hauptstadt derProvinz Mato Grosso, mit Arsenal und grossem Militärhospital. Cuyaba ist die wichtigste Stadt destiefen Binnenlandes von Brasilien. — Die frühere Hauptstadt der Provinz — Mato Grosso — istfast ganz verlassen. Die Goldwäschereien sind erschöpft. In der Umgebung befinden sich wichtigeGrenzbefestigungen.

9. Guyana.

Zwischen dem Orinoco und dem Unterlaufe des Ama-zonas erstreckt sich das rings von Tiefebenen umschlossene,im Nordosten vom Atlantischen Ocean begrenzte Granit-plateau von Guyana, von dem aber nur die östlicheHälfte das eigentliche Guyana bildet, ein Colonialland, indessen Besitz sich Grossbritannien, Frankreich und dieNiederlande theilen. Durch eine niedrige Senke im Centrumdes Hochlandes, in welcher während der Regenzeit einebequeme Wasserverbindung zwischen einem Seitenflussedes Essequibo — der wichtigsten Wasserader von Ge-sammt-Guyana — und dem oberen Rio Branco (Parima)— einem Nebenflüsse des dem Amazonas von links zu-strömenden Rio Negro — wird das Plateau in zwei an-nähernd gleiche Abschnitte geschieden. Der südliche,niedrige, scheint sich nur im Süden zu einer Kette vonvielleicht 1000 bis 1200 Meter Höhe zusammenzuschliessen,welche die Wasserscheide zwischen dem Amazonas undden Flüssen Guyanas bildet. Zu ihrer Ueberschreitungbedarf es nur eines Aufstieges von 300 bis 400 Meter.Dem nordwestlichen Theil sind wesentlich höhere und inzackigen Formen grossartig sich erhebende Felsmassen auf-gesetzt, die in einzelnen Gipfeln 2500 Meter Seehöhe erreichen.

Das Klima ist in Folge von ungeheuren Niederschlagsmengen und Ueber-schwemmungen höchst ungesund, namentlich in den Küstenstrichen. Die Vegetationist äusserst üppig. Der Urwald folgt dem Laufe der Flüsse. Ueber das geschlosseneLaub des Urwaldes ragt als wichtigstes Nutzholz die Mora — ein Hülsenfrucht-gewächs — 50 Meter hoch frei empor. Wo die Flüsse ihren Einfluss nicht mehräussern, finden sich Llanos, und selbst ein Theil der Berge ist kahl oder mit Gras-matten bedeckt. Das Ufer des Meeres ist mit Marschen umsäumt, deren die Boden-cultur sich bemächtigt hat. Die verhältnissmässig jungen Landbildungen der Küstevergrössern sich fortwährend unter dem Einflüsse der Mangrovewaldungen, welcheunmittelbar am Meeresstrande sich finden. — Jaguare, Schlangen, Skorpione undAlligatoren sind nur zu häufig und nicht die geringste ist die Insectenplage, welchernur durch die gesellig lebenden Fledermäuse (der Fledermausguano wird sehrgeschätzt) ein wenig gesteuert wird. In dem vieltönigen Concert der Waldthiere kommtvor Allem die Stimme der herdenweis auftretenden Brüllaffen zur Geltung.

Die Bewohner der Urwalddistricte sind im Aussterbenbegriffene, aber kriegerische und schöne Indian er Stämme undReste der menschenfressenden Cariben. Die wenigen Weissen,welche als Plantagenbesitzer oder sonstwie in Guyana leben,halten sich alle in den europäischen Niederlassungen oder inderen Umgebung auf, und diese liegen fast insgesammt an denFlussmündungen, in der heissfeuchten Küstenzone. Dazu kommennoch Neger und Kulis. — In den cultivirten Gegenden bestehtnur Plantagenwirthschaft; für den Ackerbau ist Guyanadurchaus ung*eeignet.

Fort am Amazonas.